Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 11 (20.12.1840)
- Date
- 1840-12-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2566751-2566752-2566764--0057-2567623- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Israelit des iMnzchnlcn Fahrhundcrks. Ein Wochenblatt für dic Kcmitniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegebcn vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Rr. 11. Sonntag den 20. Dezember 1840. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Die Errichtung eines Denkmals für Mendelssohn. Neber diesen Gegenstand enthalten die Archiv. Israel, ein mit demIBuchstaben unterzeichnetes Schreiben aus Paris, welches sie auf folgende Weise bevorworten: "2ötr veröffentlichen mit um so größerm Vergnügen nachstehendes Schreiben, als es einen Wunsch für einen Gegenstand ausspricht, den wir schon längst hegten, und der ohne Zweifel vom ganzen israelitischen Europa getheilt wird: dem Andenken Mendelssohn's, des Vaters der israelitischen Civilisation, unsere Erkenntlichkeit zu beweisen. Nahe und fern haben wir ihm das Glück zu danken, daß wir aus dem Geleise des Mittelalters gekommen, und es verdienen, überall zur Würde eines Bürgers zugelassen zu werden." Das Schreiben selbst lautet: Herr Redakteur I Wir besitzen bekanntlich drei berühmte Gleichnamige; aber der Erste in der Zeit wird immer mehr und mehr das Erbtheil des menschlichen Geschlechts; denn die Civilisation, welche mit der Lehre des wahren Gottes sich verbreitet, knüpfet sich unstreitig an den, welcher diese Lehre zuerst verkündete. Fünfundzwanzig Jahrhunderte trennen den ersten Moses von dem zweiten, der das herrliche philosophisch-religiöse Gebäude errichtete, von welchem zwei Jahrhunderte vorher die Grundsäulen durch denGaon Sa ad iah, gesetzt worden waren, so tief, so lebendig, so ehrwürdig. Aber Maimonides gehörte der spanisch-arabischen Schule an,' deren Haupt er ist. Als bald darauf im 14teit Jahrhundert die Uebel der Zeit die Lehrweise des Meier von Rothenburg nach Spanien führten, so brachten sie mit dieser die separatistisch-trüben Lehren der französisch-deutschen Schule dorthin. Nichts widerstand der auflösendcn Wirkung dieser unglücklichen Schule. Unvermerkt schwanden die rationellen Studien, und als wir in das achtzehnte Jahrhundert eintraten, hatte uns die christliche Bariere vom bürgerlichen und die rabbinische Bariere vom geistigen Verbände abgeschnitten. Zerrissen war der Faden von innen und von außen. Da hatte die Vorsehung endlich Mitleid mit unserm Elend. Moses Mendelssohn kömmt, das Licht erschien wieder, der Faden ward wieder angeknüpft. Seine Uebersetzung des Pentateuchs in einer reinen und geläuterten Sprache übte auf uns eine unermeßliche Wirkung aus, so stark als die Uebersetzung, als das Meisterwerk Luthers bei den Gliedern seiner Gemeinde. Mendelssohn gab uns die Liebe zur Wahrheit in der Wissenschaft und das Gefühl fürs Schöne in der Litteratur und in der Kunst, welches die thalmudischen Grübeleien beinahe völlig erstickt hatten, wieder. Der Impuls, den der Philosoph aus Berlin gegeben hatte, verbreitete sich und verbreitet sich noch jetzt, mit einer dem Schlage der Wellen ähnlichen Geschwindigkeit bei allen Juden des deutschen Ritus, und wir sehen heute auch unsere im Auslande verbliebenen Religionsverwandten des portugiesischen Ritus davon berührt. Die paduasche Schule, die Reggio's und Luzzato's ergreifen wie ein Asyl und proklamiren als die höchste Vernunft die Grundsätze von Mendelssohn. Sie stehen da, wo man Deutschland am Ende des letzten Jahr-