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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-12-13 · Heft 10 (13.12.1840) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 10 (13.12.1840)
Date
1840-12-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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38 dienst, und er bestrebt sich eifrig, dahin mitzuwirkcn, daß derselbe mit Anstand und Würde gehalten und dadurch wahrhaft belehrend und erbauend werde. 13} Beim öffentlichen Gottesdienst vollzieht er mit möglichst würdevoller Haltung alle Ccremouialhandlungcn, welche unfern uralten Sitten gemäß dabei cingeführt sind, als: Schaufäden, Denkriemen, Pricstcrsegen, Feststrauß. Den Ccrcmonialhandlnngcn, bei denen er keinen thätigen Anthcil zu nehmen hat, als: Posaunenblasen und Vorlesungen aus den heiligen Büchern, weihet er eine stille Aufmerksamkeit. 14} Auch in seiner Wohnung behält er, jedoch ohne Aengstlichkeit und Klcinigkeitssinn, solche Religionsformcn bei, die ihm durch das Leben im elterlichen Hause ehrwürdig und heilig geworden sind und für ihn eine erbauende Kraft erlangt haben, gleichviel ob sich für sie eine Spur in den heiligen Büchern findet oder nicht. Dahin gchörcn: Die Thürschrift, die Lauberhütte, das Omerzählen, die Beleuchtung am Chanucahfest, der Scderabend, die Einhciligung der Festtage u. a. m. 15} Er ehrt die Sabbath- und Festtage als Tage des Herrn, durch häusliche und öffentliche Andacht, durch Erheüerung im Anzug und Festlichkeit im Kreise der Familie urd durch möglichste Unterlassung aller Beschäftigungen, die dem Geiste eine werktägige Richtung geben, oder dem Tage sein feierliches Anschn rauben. Die Sabbath- und Festruhc ist für ihn eine wahre Ruhe für Körper und Geist, was sie nicht scyn könnte, wenn sie für ihn mit einer bedeutenden Störung in der Ausübung seines Lebensberufes verbunden sevn müßte. Ein richtiger und frommer Sinn leitet uns hierin mit viel größerer Sicherheit, als alle aufs Einzelne eingehende Regeln. 16} Er widmet die zehn ersten Tage des Ritualjahres der Buße und der Selbstprüfung, ohne jedoch au denselben religiöse Gebräuche zu beobachten, die er während des ganzen Jahres nicht beachtet. 17} Den Versöhnungstag widmet er ganz der Andacht und der Erbauung und enthält sich an demselben, wenn sein Gesundheitszustand es erlaubt, aller Speisen und Getränke. 18). Er richtet sein Gebet an kein anderes Wesen, als ml den einzigen Gott allein. Er sagt daher auch kein Gebet, in welchem kabbalistische Narrlen und Begriffe Vorkommen, welche die Idee von der Einheit Gottes trüben und die Reinheit unsrer Religion auf eine höchst strafbare Weise entstellen. 19} Er vermeidet als sündhaft und rcligionswidrig alle Sitten und Gebräuche, die sich auf abergläubische Vorstellungen gründen. Er zieht bei allem, was er vornimmt, keinen Tag in der Woche und keine Zeit im Monat als glückbringend vor, und meidet auch keine Zeit und keinen Ort als ominös und mit Verderben drohend. Er schlägt nicht K aparoth, um sich vom Tode zu retten,, er macht nicht Thaschlich, um sich auf eine leichte Art von seiner Sündenlast zu befreien. Er duldet überhaupt il» scineln Hause keine der albernen Mummereien, welche in den finstersten Jahrhunderten des Mittelalters aufgekommcn sind, und die nicht nur unserer Religion fremd, sondern dem aufklärcnden Geist derselben gänzlich zuwider-sind. 20} Nach dem wahren Geist inehrerer Vorschriften im Pentateuch meidet er auch in seinem Haarwuchs und in seinem Anzug alles Aus zeichnende, womit etwa seine Zeitgenossen abergläubische Vorstellungen verbinden. Dasselbe gilt bei den Beschäftigungen des Ackerbaues. 2l} Auch das Kochen einer Ziege in der Milch ihrer Mutter scheint ein bei den alten Heiden durch Aberglauben entstandener Gebrauch zu seyn, und der fromme Jsraelite enthält sich dieser Handlung, die ohnehin nirgend wo mehr Sitte ist. 22} Er ge,ließt nichts, was zum heidnischen Götzendienst gebraucht wurdet so trinkt er keinen Wein, von dem es ihm bekannt ist, daß er zu götzendienstlichen Libationen gedient hat. 23} Im Verkehr mit seinen Mittncnschen leitet ihn eine allgemeine, thätige Menschenliebe, welche darin besteht, daß er jeden seiner Mitmenschen so behandelt, wie er bei umgekehrten Verhältnissen mit Recht und Billigkeit, wünschen würde, von ihm behandelt zu werden. 24) Er ist gerecht gegen alle Menschen, indem er ihnen mit Pünkrlichkeit leistet, was er ihnen zu leisten schuldig ist, und Niemanden weder in seiner Person, noch in seinem Vermögen, noch in seiner Ehre, noch in seiner Freiheit, eine Verletzung zufügt. 25} Er gönnt überhaupt jedem das Seinige, sieht nicht mit neidischen Augen auf die Wohlfahrt Anderer, drängt sich nicht unberufen in ihre Geschäfte ein, lockt nicht durch verächtliche Mittel ihre Kundschaft an und verderbt nicht ihre Geschäfte, um das Seinige zu heben. 26} Er leitet Andre nicht durch, falschen Rath irre, sondern sagt mit Bestimmtheit, was er selbst thun würde, wenn er sich im Falle des um Rath Bittenden befände. 27} Hat er Jemanden beleidigt oder gekränkt, so sucht er es, möglichst wieder gut zu machen, und läßt sich nicht durch falsche Schaam abhalten, um Verzeihung zu bitten. 28} Hat ein Anderer ihn beleidigt oder gekränkt, so ist er gerne nachsichtig und verzeiht; glaubt er aber, etwas zur Rettung seiner Ehre thun zu müssen, so verschafft er sich in keinem Falle selbst auf gewaltsame Weise Recht. 29} Er haßt seinen Bruder nicht im Herzen, sondern stellt denselben, wenn er gegründete Ursache zu haben glaubt, sich über ihn zu beschweren, offen und freimüthig zur Rede. 30} Er flieht die Rache und thut selbst seinen Feinden Gutes, wenn sich dazu Gelegenheit darbietet. 31} Er ist billig und macht auch seine gerechtesten Ansprüche an Andre nicht auf eine harte und drückende Weise geltend. Er ist möglichst niilde gegen seine Schuldner , besonders gegen Wittwen und Waisen und andern Personen, die in bedrängten Verhältnissen leben.

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