Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 10 (13.12.1840)
- Date
- 1840-12-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des imitMhnlcn tzahrhundcrls. Ein Wochenblatt für die Kcimtniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. HerauSgegcbcn Dr. Rt. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach Rr. 1«. Sonntag den 13. Dezember 1810. II Jahrgang. 'Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Des frommen Israeliten Leben. (Fortsetzung von M 6.) 1) Der fromme Israelit spricht von den heiligen Büchern und von ihrem Inhalt nicht anders als mit tiefer Ehrfurcht, und vermeidet mit Sorgfalt jede Aeußerung, welche sie in den Augen des Volkes herabsetzen könnte. 2) Er spricht auch, wo sich eine dringende Veranlassung dazu darbietet, mit gebührender Achtung von andern Religionen, welche der Sittlichkeit zur Stütze dienen können, aber nie aus Koketterie, sondern nur, um nicht ungerecht zu seyn. 3) Er bekennt sich allenthalben laut und mit freudigem Stolz zu dem Glauben seiner Väter, und sucht seinen Ruhm nur darin, daß er zu den Edlern und Bessern seiner Gemeinde gezählt werde. 4) Er verehrt Gott im Innern seiner Seele, indem er sich die Allmacht, die Weisheit und die Güte seines Schöpfers vergegenwärtigt, wie sie-sich in den Erscheinungen des Weltalls und in den Ereignissen der Weltgeschichte kund geben. 5) Er liebt Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen, und ist stets bereitwillig, lieber Alles aufzuopfern, als seinem Schöpfer ungehorsam zu werden. 6) In glücklichen Tagen wird er nicht übcrmüthig und erkennt in allem Guten, das ihm zu Theil wird, unverdiente Zeichen der göttlichen Huld. 7) In trüben Tagen giebt er sich nicht der Verzweiflung und der Niedergeschlagenheit hin, sondern trägt alle Schickungen, die ihn wessen, mit geduldiger Hingebung in die göttlichen Rathschlüffe und mit dem Vertrauen, daß nichts, was von Gott kommt, eigentlich böse seyn kann. 8) Er heiligt jeden sinnlichen oder geistigen Genuß, der ihm zu Theil wird, durch die Betrachtung, daß er ihn Gott zu verdanken hat, und drückt auch bei schicklicher Veranlassung sein Dankgefühl durch Worte aus. 9) Er beginnt und schließt jedes Tagewerk, indem er, nach dem Inhalt des Schema, die göttliche Weltherrschaft anerkennt, die Religionspflichten übernimmt und sich die Wohlthaten in Erinnerung ruft, welche Gott unfern Vorfahren seit dein Auszug aus Aegypten erwiesen hat, und so oft er sich in der dazu erforderlichen Gemürhsstimmung befindet, bedient er sich hierbei der ehrwürdigen Formulare, die sich in unserm Gebetbuch befinden. 10) Diesen frommen Betrachtungen reiht er ein Gebet an, durch welches er seine Seele zu Gott erhebt und alle seine Wünsche ausspricht, von denen er sicher weiß, daß ihre Erfüllung, ohne den Nachtheil Anderer, seine Glückseligkeit erhöhen würde. Auch hierzu bedient er sich bei erforderlicher Muße der im Gebetbuche befindlichen Formulare. 11} Wenn ihm die hebräische Sprache nicht ganz fremd ist, so schließt er sie aus seinen Andachtsübungen nicht aus, und sucht überhaupt dahin mitzuwirken, daß die Kemttniß dieser Sprache, welche uns von jeher zur Zierde gereichte, sich in Israel blühend erhalte. 12) So oft es ihm möglich ist, besonders an Sabbath- und Festtagen, besucht er den öffentlichen Gottes-