Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 8 (29.11.1840)
- Date
- 1840-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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goge betrat, nach seinem eigenen Geständnisse, und einst den Satz aufstellte: //Der indische Glaube sei keine Religion, sondern ein Unglück"; und dieser Heine soll und muß setzt ein Jude sein, trotz der eigenen Bekenntnisse über seine Erziehung und Gesinnung, blos weil er als Jude geboren ward. Und um dieses Einen, willen, erzeugt man dem ganzen Häuflein jener Schriftsteller die Ehre, sie für Juden zu halten, oder dm Juden vielmehr, sie an dieser ganzen ärgerlichen Geschichte Theil nehmen zu lassen. Ich kannte einst einen Bürger der Vereinigten Staaten, einen schöngewachsenen, wohlaussehenden Mann, den Niemand für einen Juden gehalten haben würde, so wenig trug sein Gesicht das altorientalische Gepräge; den fragte man an der Börse einer deutschen Handelsstadt um seinen Namen. Der ihn darum fragte, war ein Lump von einem Mäkler, der eben die Courtage notirte, die ihm der Amerikaner zu verdienen gab. Der Name klang nach dein alten Testamente, und der Mäkler fragte sogleich: //Nicht wahr, Sie sind ein Jude"? Da sah ihn der Amerikaner groß an, und erwiederte: //Welche Neugier heißt Sie mich deßhalb befragen? Bei mir zu Lande fragt kein Mensch darnach, und Jude und Christ sind Benennungen, die nur in der Tiefe des Gewissens Klang haben, im öffentlichen Verkehr aber nie Vorkommen. Merken Sie sich das, wenn Sie mit mir ferner zu thun haben wollen, und suchen Sie vor allen Dingen von ihren dummen Borurtheilen loszukommen." — Der Mäkler, der nach , den Geschäften des reichen Amerikaners lüstern war, hatte genug an dieser Pille, und ließ sich nicht rvieder einfallen, darauf anzuspielen. Geschichte des Tages. Die' Geschichte des Tages eröffnet heute der Wohnort des Herausgebers, das kleine Städtchen Lengsfeld. Aber auch das Kleine wird groß, nimmt einen Platz in der Geschichte der Menschheit ein, wenn Großes und Menschliches dort gefördert wird, wenn es mitarbeitet zur Weiterführung der Geschichte, zur Veredlung und Heiligung des Menschengeschlechtes. Das ist auch in dem kleinen Lcngsfeld durch den Aufbau eines neuen israelitischen Schulhauses geschehen. Zwar ein Schulhaus an und für sich, wenn vielleichtauch mehr nützend, als ein Schloß und ein Theater, kann darum doch nicht eine Stelle in einem öffentlichen Blatte finden. Schnlhäuser werden tagtäglich gebaut; Schulhäuser giebt es fast in allen Dörfern und Flecken, und wenn die öffentlichen Blätter immer erzählen wollten, wann und wo ein solches gebaut worden ist, so würden sie kaum einen Platz für die Weltereignisse übrig behalten. Aber, meine verehrlichen Leser! mit dem Schulhause in Lengsfeld ist es doch was Anderes. Rühmt euch immer ihr Großstädter der prachtvollen Stätten, welche ihr in der neuesten Zeit dem Gottesdienste und dem Unterrichte der Jugend erbaut habt; der Schulbau in dem kleinen Lengsfeld, dieser reiche und schöne Bau in dem sonst weder reichen, noch schönen Städtchen, überstrahlt weit euren Ruhm, zeugt, daß unsere größte und heiligste Angelegenheit, daß die Fürsorge für die Erziehung und Bildung unserer Jugend, unendlich weit fortgeschritten ist, so weit fortgeschritten ist, daß selbst die nicht bemittelte Gemeinde einer kleinen Stadt ihr große, rühmliche Opfer gebracht hat. Das ist es, was jenen Bau wichtig macht, was seine am 15. October stattgefundene Ernweihung zu einem geschichtlichen Ereigniß erhebt. Nicht minder zieht aber auch die Theilnahme, welche die ganze christliche Bevölkerung des Ortes dieser Feier bewies, die Aufmerksamkeit jedes Menschenfteundes auf sich; denn diese Theilnahme beweiset, daß das, was die deutschen Regierungen, was namentlich die großherzoglich Weimarsche *) für die Bildung der israelitischen Unterthanen gethan, auch Anklang im deutschen Volke gefunden, daß das Volk eS fühlt, wie die Hebung des bisher so sehr vernachlässigten israelitischen Erzirhungswesens, seine Sache, Sache der nur durch Bildung aller ihrer Glieder -glücklichen Menschheit sep. Dem Zuge schlossen sich darum nicht nur die sämmtlichen Honorationen der Stadt, sondern auch eine große Volksmenge, an. An dem neuen Gebäude angelangt, ertönte unter Begleitung der Musik ein feierlicher Choralgesang; nach welchem der Beamte des Ortes, als dirigirendes Mitglied der Aufsicht über das israelitische Kirchen- und Schulwesen, vortrat und eine Rede hielt, wie sie würdig war des hellen Geistes der Zeit, würdig der Stellung, die ihm als Beamte eines, auch von Israeliten bedeutend bevölkerten, Bezirkes anvertraut ist. "Und so steht nun" (so schloß der Redner) »der Neubau da, fteundlich und gelungen nach den gegebenen Vorschriften, und entsprechend den billigen Anforderungen, welche man an ein tüchtiges Schullokal machen kann, für Jahrhunderte eine bleibende Stätte und eine stille Wohnung des Unterrichts und der Erkenntniß für Herz und Geist. — Ja ich begrüße seine Schwelle mit wahrhafter Freude und bin überzeugt, daß die bedeutenden Opfer, welche eS der Gemeinde und ihren Gliedern kostet, auch mit Freude getragen werden, da ja alle die Hoffnungen, welche die Eltern in der Gemeinde auf ihre Heranwachsenden Kinder, die ganze Bürgerschaft auf ihre zukünftigen Genossen, ja der Staat auf seine künftigen Unterthanen setzt, in diesem Hause die Mittel zur Verwirklichung finden. Somit übergebe ich denn den'Schlüssel zum Bau» dem achtbaren Vorstände und durch ihn der Gemeinde, unter der Ermahnung, daß, wie Sie bisher für alle Schulzwecke mtt Bereitwilligkeit thatig waren. Sie nun durch Vollendung des Werkes einen neuen Antrieb finden werden, den Pflichten der Gemeinde gegen die Schule stets zu genügen, und ihr in aller Weise das zu gewähren, was sie zu ihrem Fortbestände bedarf, wie ich selbst mit meinem Herrn Collegen immer mit Liebe und Beständigkeit den Schutz ihr gngedeihen lassen werde, welcher uns von dem Staate anvertraut ist, und mit dem innigen Wunsche, daß alle Ihre eiftigen Bestrebungen zum Besten der Schule reife Früchte für die Gegenwart und Zukunft tragen mögen. Dazu helfe der Allvater droben, den ich darum büte, und unter dessen Schutz wir nun zum erstenmale dieses Haus betreten, um es feierlich seiner Bestimmung zu übergeben." Nach diesen Worten, die als der Ausdruck der edleren Richtung der Zeit es wohl ') Der Großher,og »ad selbst eine bedeutende Unterstützung »um Bau des Schulhause«.