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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-11-29 · Heft 8 (29.11.1840) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 8 (29.11.1840)
Date
1840-11-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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30 verschiedenartiger Gattungen erinnerte, zu verwerfen geboten. Tägliche Waschungen ersetzen unfern Neichchum an Wäsche; sie waren überhaupt wegen des Staubes und der einfachen Fußsohlen, die man statt Schuhe trug, unerläßlich. Sie rieben sich zugleich mit einem wohlriechenden Oele ein; das Haupt war mit einer Art Turban, nach Art der Perser und Chaldäer, bedeckt. Denn nichts war gefährlicher, als die zu lebhafte Einwirkung und Brechung der Sonnenstrahlen auf den entblößten Kopf. Unsre Hüte aus Filz und mit Rändern bieten unstreitig viele Vortheile dar, da sie den Strahlen dieses Gestirns und der Nässe zugleich widerstehen. Der Ackerbau, mit welchem sich der größere Thei! der Bürger beschäftigte, ist eine große, gymnastische Schule. Die oberen Gliedmaßen, die einen weiten Raum zu umschließen und sich in die mannigfachsten Formen zu schmiegen vermögen, scheinen dem Menschen zu sagen, daß er sie weit mehr, als die unteren, welche Ln ihren Bewegungen und ihren: Gebrauche beschränkt sind, üben solle. Ihre gemäßigte Thätigkeit entwickelt die Brust und gibt den Organen des llnterleibs eine Spannkraft, welche die schleichenden und tief wurzelnden Krankheiten verhütet, die durch Müßigkeit und den Mangel an freier Lust erzeugt werden. Ein andrer Vortheil des Ackerbaues ist es, daß der Mensch mit der Natur in Berührung komme, deren Anblick schon" ihm eine gewisse Ruhe, die in ihr herrscht, mittheilt. Man bedenke daher, wie wohlthätt'g es für die allgemeine Gesundheit seyn mußte, das Innere des Staats so zu berechnen, daß cs Jedem möglich wurde, alle Wohlthaten der Stadt, verbunden mit denen des Landes, mehr oder weniger genießen zu können. Außer den Arbeiten des Landbaues übten sich die Hebräer, bei denen jeder Bürger Soldat war, während des Friedens auch auf die Führung der Waffen. Wir sahen, daß sie sich darin gefielen, den Vogen zu spannen, mit jeder Hand Steine zu schleudern, Schild und Lanze tanzen zu lassen und schwer bewaffnet auf Gebirgen zu laufen; auch überließen sie sich der Jagd, der Fischerei und der Schwimmkunst. Die heilsamen Folgen endlich, welche die Gesundheits- und Krankheitslchre aus Reisen zu gewinnen weiß, wurden, der Gesetzgebung selbst verdankt; denn sie befiehlt allen Bürgern sich wenigstens dreimal im Jahre bei den allgemeinen Versammlungen in der Hauptstadt des Staats einzufinden und ihre Kinder dahin zu führen. Aus Lewald's Schriften. Der Judenhaß herrscht allerdings noch in manchen Ländern Europas, und wird wohl auch in den nächsten Jahrhunderten noch nicht gänzlich auszurotten sein. In einigen Ländern, wie in Polen und Italien, ist er mit Verachtung g«Paart, hin und wieder ist er sogar noch fanatisch, und könnte sich ganz ruhig in Judenblut bad.en; aber nirgend ist er so lächerlich als in Deutschland. Dieses Land besitzt gewiß die gebildetsten Juden, und die deutschen Christen müssen dies auch gebührend anerkennen. An Neckereien fehlt es aber nirgends. Hier müssen sie noch, gleichwie im Mittelalter, in einer stinkenden Straße wohnen, dort dürfen sie nicht das Casino besuchen; hier kommen sie nicht an die Börse, dort dürfen sie sogar nicht in gewissen Kaffeehäusern erscheinen. Und bricht irgend etwas aus, woraus ein Unglück entstehen könnte, oder einem Christen Verdruß erwachsen, gleich müssen die Juden heran, um das Sündengeld zu zahlen, und das Bad zu entgelten. — Ist man mit der Obrigkeit nicht zufrieden, und will man Ercesse-verüben, gleich heißt es: „O die verfluchten Juden!" Und man wirft ihnen zur Gesellschaft die Fenster ein. Und liegt nicht in diesem Augenblick ein neuer Beweis dieser lächerlichen Wuth am Tage? Nachdem die christlichen Weltverbesserer allerlei erperimentirt haben, und ihnen die politischen Flügel weidlich beschnitten worden sind, lassen sie. ihren verbissenen Ingrimm an einem Häuflein armer Schriftsteller aus, die jugendlich unbesonnen gefehlt^ haben, und den Gerichten verfielen. Man kennt diese Schriftsteller Alle, man weist ihre christlichen Taufnamen, nicht ein Einziger ist darunter der Jsaac, Moses, Jsaschar oder Eleazar hieße, man kann jeden Augenblick die Taufscheine herbeiholcn, um ihre christliche Geburt zu bestätigen; man weiß, daß ihre Eltern christliche Gewerbe trieben, daß sie Tuchscheerer, Gensdarmen, Nachtwächter waren, daß kein Vater dieser Kinder: Geldwechsler, Pfandleiher, Kleidcrtrödlcr war, die entehrenden Beschäftigungen, wozu die Intoleranz der Christen die Juden noch fortwährend verdammt; aber dennoch sprudelt man Gift und Galle gegen Juden und Judenthum auch bei dieser Gelegenheit; diese nicht christlicher Liebe vollen Christen können und wollen sich diese schöne Gelegenheit nicht vorbei gehen lassen, ihre Herzen zu erleichtern. Und wen meint man damit? Auf wen sind diese Lufthiebe gerichtet? Sie sprechen nur stets von den Bücher schreibenden Juden; dieRothschilde, die mit päbstlichen und katholischen Kreuzen decorirt wurden, lassen sie aus dem Spiele. Meinen sie etwa Riester? dem Niemand eine verderbliche Richtung vorwerfen darf, und den alle Parteien bis jetzt den Edlen nennen müssen? Etwa Börne? der auch von seinen Feinden die Anerkennung erfährt, daß er nie unsittlich war, und nicht versucht hat, die deutsche Sittenreinheit durch gallisches Gift zu verderben. Saphir, oder Oettinger? ich muß zu diesen greifen, da unsere Gallerie bakd zu Ende ist; diese, die nichts als heitere Spaßmacher sind, die ihren Witz vor dem Volke auskramen, und sich fiir Beifall wie Schläge gleich dankbar zeigen. Nun bleibt Niemand als Heine — Heine, der sein Chriftenthum als das heiligste und von ihm verehrteste zu verschiedenen Malen schon proclamirte, und sich zum Theil selbst durch Verspottung von den Juden lossagte, der nie eine Syna-

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