Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 8 (29.11.1840)
- Date
- 1840-11-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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32 verdienen, in diesem ihrem Organe aufbewahrt zu werden, begab sich die Versammlung in das Innere deS Schulhauses, wo der Herausgeber dieser Blätter die Wcihrede hielt, nach deren Beendigung die Feier mtt dem vom christlichen und jüdischen Chore gemeinschaftlich vorgetragenen Hallelujah des Hamburger Tempels geschloffen ward. Mittags vereinigten sich die Honorationen, sowie viele israelitische und christliche Einwohner der Stadt, zu einem Festmahle, bei welchem Herzlichkeit und Frohsinn alle Theilnehmer beseelte. Den ersten Toast brachte der Superintendent und Kirchenraih vr. Schreiber auf die Staatsregiernng aus, welche, ohne die wesenttichen Grundsätze der israelischen Religion zu verletzen, mtt so rühmlichem Eifer für die Hebung des israelitischen Gottesdienstes und Schulwesens Sorge trage. Dieses gab dem Herausgeber Veranlassung in einem zweiten Toaste auf die Verdienste des vr. Schreiber austnerksam zu machen, dessen Wirken als Mitglied der vorhinnigen israelitischen Cultuscommission die Fortschritte, welche die Israeliten des Großhcrzogthums in ihrer gottesdienstlichem Einrichtung, wie in ihrem Schulwesen, gemacht, hauptsächlich zuzuschreiben sind. Sprach der Herausgeber, wie dieses schon der Beamte in seiner Rede gethan, hierdurch den tiefgefühlten Dank der israelitischen Gemeinde gegen den würdigen Geistlichen aus, so darf er zugleich die öffentliche Erwähnung hievon als einen Tribut ansehen, welchen das ganze höherstrebende Israel, ja jeder Freund des Fortschrittes und der Humanität dem hochverdienten Geistlichen, dessen Wirksamkeit auf diese Weise sich wett über seine eignen Gemeinden erstrecket, bringt. Zu gleichem Danke werden sich alle Gutgesinnten dem Beamten des Ortes verpflichtet fühlen, dem dieses fröhliche Zusammcnseyn vou Christen und Israeliten Veranlassung gab, auf das fernere friedliche und wohlwollende Vernehmen beider Confcssionen einen Trinkspruch auszubringen. Erst spät ging die Versammlung auseinander und nicht nur sie, sondern die ganze Bevölkerung der Stadt erhoben sich zu der schönen Hoffnung, daß die Feier des Tages, daß die laute und allgemeine Freude über die endliche Vollbringung eines dem Heile der Zugend gewidmeten Gebäudes noch lange, lange, reichen Seegen zurücklasscn werde. Die allgemeine Zeitung fährt fort, die Unschuld der in Damaskus Gemarterten und Gemordeten in's Licht zu setzen. So berichtet einer ihrer Eorrespondenten ans Alcrandria: „Die HH. Montefiore und Cremicur, welche sich mit ihrem Gefolge seit einem Monat hier befinden, hatten mehrere Audienzen beiMehemed- Ali, in denen sie dringend anfdie Erneuerung dcrProcedur bestanden. Bon einer Revision konnte nicht die Rede sepn, da es in dieser Sache nie zu einem Urtheilsspruch gekommen ist. Aber die Vertreter-der europäischen Zuden hatten hier, wie Sie wohl wissen, einen Einfluß zu bekämpfen, der unter den jetzigen Unrständen natürlich sehr bedeutend ist. Die Abgeordneten verlangten eine lichtvolle unpartheiische Proeedur; der Pascha erkannte die Gerechtigkeit ihrer Forderung, aber Hr. Thiers, der die Wahrhett fürchtet, wußte ihre Bemühungen zu vereiteln. Doch ging die Gefälligkeit Mehemed Ali's nicht wett genug, um der Ehrenrettung eines Rattimenton. das Leben der Angeklagten zu opfern; er wählte einen Mittelweg zwischen den anmaßenden und frevelhaften Rathschlägen des französischen Ministers und den gerechten Ansprüchen der jüdischen Deputirten. Am 30. Aug. erließ er an Scherif Pascha den Befehl, die ganze Procedur aufzuhebcn und die verhafteten Juden in Freiheit zu setzen." Der Bericht schließt mit den Worten: "So hat denn die Sache der Juden, ja, man kann sagen die Sache der Menschheit, einen ersten Sieg davon getragen. Es ist zu bedauern, daß die in Syrien ausbrechenden Feindseligkeiten und die Bedenklichkeiten des Pascha's den Abgeordneten nicht erlauben, selbst nach Damaskus zu gehen; aber man hofft dennoch, durch das Aufhören des Schreckenssystems in Damaskus, endlich das geheimnißvolle Dunkel gelichtet zu sehen, welches noch über diesen ganzen Vorfall verbreitet ist." — Wenn eine freie unb humane Gesinnung erst wahrhaft adelt, so verdient der ungarische Adel diesen Namen ganz. Derselbe leistet jetzt bei der Ausübung der wenigen Zugeständnisse den Juden ebenfalls so allen Vorschub, wie er ihre Sache bei den gesetzgebenden Tafeln mit unvergleichlicher Menschenfreundlichkeit vertreten hatte. — Ein großer Theil des Bürgerstandcs kann sich, wohl nicht aus Haß, aber aus Brodncid, noch immer nicht an die neue Judenordnung gewöhnen, namentlich sind manchen Bewohnern königlicher Freistädte, denen zumal, die Handel treiben, die neuen Concurrenten nicht sehr willkommen, und es kann unter diesen Umständen an kleinen Neckereien nicht fehlen.—Indessen ist es in Ungarn bekannt und anerkannt, wie sehr die jüdische Bevölkerung zum Flor und zum Gedeihen der Städte beitrage; es wird nicht geläugnet, daß ihnen das herrlich blühende Pesth Manches zu danken habe; ein warnendes Beispiel konnte schon ftüher Debreczin liefern, das seine engherzigen Erclusioncn fast zu spät bereuet. Mau ckann demnach der Hoffnung Raum geben, daß die Bürger ihr eigenes Interesse besser verstehen, und bei ruhiger Uebcrlegung die Wohlthätigkcit der neuern Maßregeln selbst cinschen werden. — Seegcn, tausendfacher Seegcn den Lehrern der deutschen Hochschulen, wenn sie so sprechen, wie es der greise Arndt iü Bonn diesen Sommer in seinen Vorlesungen gethan: «Am meisten unter den Völkern des Orients ziehen unsere Aufmerksamkeit ans sich und verdienen unsere höchste Achtung die Juden; schon deshalb, weil sie das erste Volk sind, welches die Idee der individuellen Freiheit, der persönlichen Würde des Menschen, klar gefaßt und entwickelt hat; eine Idee, die als Basis zu jedem wahren Staatenleben unerläßlich nöthig ist. — Sie wird bezeugt dnrch die heiligen Schriften der Juden; sie stellt sich dar in ihren Helden und Propheten. — Gegen ihre sittliche Größe verschwinden die Weisheit und die ttcfsinnigen cosmogonischen Betrachtungen der Inder, Chinesen u. a., abgesehen von den andern hohen Ideen, die wir bei den Juden finden. Und da die Hellenen sogar der Zeit nach später sind, so müssen wir die Juden als das erste Volk der Erde bewachten, welches ein wahrhaft selbstständig-politisches Leben besaß, durch welches eben die Menschheit ihrer Entwickelung nahe gebracht werden kann. Mit Unrecht sind die Namen: Juden, Hebräer u. s. w. zum Theil Schimpfnamen geworden." - ^ziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Mein ingen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung m Hrldburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schaffer in Kassel.