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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-11-22 · Heft 7 (22.11.1840) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 7 (22.11.1840)
Date
1840-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27 Dienste geleistet. Er belebte die Physische Kraft, das Blut rascher in den Adern kreisen und hob die Lcbenswärmc auf einen hohen Grad. — (Enthüllte zahllose Gefühle, Gedanken, mancherlei psychologische Erscheinungen und eine ganz neue Welt des Traumes.) — Wo er aber unbeschränkt herrschte, gab es Strcitigkeitcu, Gewalthätigkeitcn und Rohheit. Der Kaffee, der ihn zum großen Thcil ersetzt hat, ruft andere Wirkungen hervor; er wirkt mehr auf die Nerven, als auf das Blut, erweckt die Reizbarkeit und dient als Reizmittel für dieDerstandesthätigkcit. Wenn er seine Laufhahn zurückgelegt haben wird, wird unstreitig die Milch, diese gnadenreiche Königin, ihren erstell Rang wieder einnehmen, weitste den zweifachen Vortheil vereint, dem Gcschmacke zu behagen, den Leib zu nähren und die Sinne zu beruhigen. Ich zählte unter den diätetischen Vorschriften das Verbot, „die junge Ziege in der Milch ihrer Mutter zu kochen" *) nicht auf. Die Gelehrten verstanden dasselbe, als sage es aus, daß Milch und Fleisch in den Speisen nicht vermischt werden sollten; aber sollte man darin nicht vielmehr eine moralische Aufforderung finden? Denn es liegt etwas unmenschliches darin, den Keim in seiner eigenen Nahrungsflüsstgkcit sterben zu lassen; aus demselben Grunde nlußte man cs auch vermeiden, die Kuh und ihr Kalb, die Mutter jedes Thieres und ihr Junges an deiusclbcn Tage zu tödtem (Schl, folgt.) Geschichte des Tages. Das Lügengewebe der Damasker Blutgeschichte wird inimer schwächer, und die deutschen Blätter, welche noch immer zagten und zweifelten, bekennen jetzt ihre Schwäche und nehmen sich der unglücklichen Opfer des Fanatismus an. So erzählt die Augsburger allgemeine Zeitung: „Die Israeliten der Vereinigten Staaten haben, nach dem Beispiel ihrer Glaubensbrüder in den meisten Hauptstädten Europa's, ihre Entrüstung über die Gräuel öffentlich ausgedrückt, welche gegen die unglückliche jüdische Bevölkerung von Damaskns verübt worden. Sie haben ihre Regierung gebeten, bei dem Pascha von Aegppten und dem Sultan sich zu verwenden, daß ein regelmäßiges und unparteiisches gerichtliches *) Eben so durften auch die Mutter und die Jungen von Vögeln nicht zugleich aus dem Neste genommen werden. Obiger Satz: „Du sollst das Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen," kommt mehrmals vor, und es scheint von ihm ein sprichwörtlicher Gebrauch gemacht worden zu sepn: er hieße entweder:- Du sollst kein Ncüurwesen mit seiner Wurzel vollkommen zerstören, oder Du sollst Dich keines Wesens zu seinem eigenen Verderben bedienen. Du sollst Keinen veranlassen, daß er Waffen gegen sich selbst schmiede; oder Du sollst die guten Absichten Anderer nicht zu einem ihnen nachtheiligen Werke benutzen rc. Die Deutung der Rabbinen macht höchstens ihrem Witze Ehre; es müßte aber, sollte sie treffen, ungefähr jedes Wort des Satzes ein anderes seyn. (D. II.); Verfahren 'gegen die Juden von Damaskus eingeleitet werde. Der Präsident der Bereinigten Staaten beeilte sich, dieser Bitte zu willfahren und an den amerikanischen Consul in Alcrandria in diesem Sinne Verhaltungsbefehle zu schicken. In dem Schreiben des amerikanischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten an den Consul heißt es: „Der Präsident kann nicht umhin, sein Erstaunen und feinen Schmerz auszudrücken, daß in einem so aufgeklärten Jahrhundert so entsetzliche Gebräuche irgend einem Theile der religiösen Welt aufgebürdet werden konnttn, und daß man zu so barbarischen Mitteln seine Zuflucht genommen, um das Geständniß eines Verbrechens zu entreißen. Die Miffethate'n, deren man jene Unglücklichen beschuldigt, gleichen allzusehr denjenigen, welche in weniger aufgeklärten Zeiten zu fanatischen Verfolgungen und abscheulichen Torturen Vorwand gaben, als daß man nur einen Augenblick glauben darf, dieselben sepcn gegründeter als jene.« Das Journal des D« >ats theilt diese Dokumente mit, welche der Humanität des Präsidenten der Vereinigten Staaten Ehre machen. Es macht dabei aufmerksam auf den Conttast des Benehmens der ftanzösischen Regierung. „Von allen Regierungen, sagt es, war unser Ministerium das einzige, welches sich geweigert hat, die Forderung einer Revision des Proceffes, der durch die Tortur geführt worden, zu unterstützen. Der französische Ministerpräsident hat allein seine Mitwirkung beharrlich verweigert, und noch kürzlich verbot derselbe seinen Journalen die Veröffentlichung des FermanS Mehemed Ali's, welcher die Freilassung der neun letzten Opfer von Damaskus befohlen hat." Eben so wird der Leipz. Allg. Zeitung aus AlerLndrien geschrieben: „Den jüdischen Abgeordneten muß man das Zeugniß geben, daß sie keine Mühe sparten, um Mchemed-Ali zu einer regelmäßigen Untersuchung und einer gesetzmäßigen Procedur zn vermögen. Mehemed Ali erkannte auch recht gut die gerechten Forderungen der beleidigten Juden; aber die französische Parthei, welche Herrn Rati Menton vor den Augen aller Welt gebrandmarkt zu sehen fürchtete, bot alles Mögliche auf, um die Entdeckung der Wahrheit zu verhindern." In gleichem Sinne deutet ein Schreiben des auch nach Alexandrien gegangenen Orientalisten Munk in der Breslauer Zeitung darauf hin, daß lediglich Furcht die Zeugen abhalte, die Wahrheit auszusagen, um die Scheußlichkeit des ganzen Komplotts zu enthüllen. Sollten sich die politischen Verhältnisse so gestalten, daß die Besorgniß vor einem gewissen Einflüsse schwindet, so dürfte die Wahrheit und die Unschuld bald an den Tag kommen. Die Freilassung der verhafteten Juden könne und dürfe nicht genügen, sondern die Anklage müsse vor ganz Europa in Nichts zerfallen. Dahin streben auch unsere großsinnigen Reisenden, und ihr Benehmen beweist überall, daß es chnen nicht um die Befreiung, sondern um die Ehrenrettung, um die gerechteste und vollkommenste Ehrenrettung ihrer Brüder zu thun ist. - Davon zeugt u. a. folgende Stelle aus einem Schreiben von Cremieur, welches die Leipz. allg. Zeitung mitthcilt: „Gegen 3 Uhr Nachmittags erhielt ich vom Palast aus ein Exemplar von Mohammed-Ali's Befehl, in türkischer Sprache mit beigefügter französischer Uebersetzung. Nichts kam meinem Erstaunen gleich, als ich darin auf die Worte stieß: „Die Herren

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