Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 5 (8.11.1840)
- Date
- 1840-11-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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HS zen Secten, als den Arianern, Unitariern u. a., eine innere Zustimmung zu jenem Grundsätze des Judenthums hervorgerufen, sondern auch auf die Läuterung des christlichen Dogmas in den verschiedenen Schulen vortheilhaft influirt. So waren die Streitigkeiten über die Verschiedenheit der Personen und Willen in Jesu eigentlich Nur Verlegenheiten, welche die Abweichung von der monotheistischen Idee des Judenthums bereitet hatte. Das Allegorisiren biblischer Erzählungen in der Schule des Origines bahnte aber schon dem Allegorisiren des Trinitätsdogmas den Weg, welches die Deisten des17tcn und 18ten Jahrhunderts geradezu verwarfen. Desgleichen thaten dieses, wenigstens im kirchlichen Sinne, die Rationalisten und die Anhänger der Kantischen Philosophie, wenn sie auch der aus jener Idee folgenden Beschränktheit alles Endlichen keine Anwendung auf Jesu gestatteten. Diese Anwendung bereitete aber schon Schleierm ach er durch seine scharfen naturphilophischm Untersuchungen vor, bis sic in der spekulativen Theologie von Hegel und Strauß ihre volle Geltung fand, nur daß da die leidige pantheistische Philosophie sich zu ihr gesellte. So wirken denn beide Bekenntnisse, welche die Vorsehung neben einander stellte, auch für und aufeinander, und sie werden beharren in dieser Wirkung, in diesem Berufewelche die göttliche Leitung der Dinge ihnen übertragen, bis daß die Wahrheit ein Gemeingut Aller ist, und alle Herzen den Ewigen fürchten, und alle Geister ihn loben, und er einig und sein Name einig sein wird unter den Völkern. — Und wenn nun dieses Organ, das in dem innersten Leben und dem heiligste» Streben des Herausgebers seine Wurzel hat, auf die Förderung jener glücklichen Zeit nicht ohne Einfluß bliebe; wenn es auch nur einen schwachen Beitrag lieferte zur Verbreitung einer erleuchteten Gottcserkenntniß und einer sittlich-starken Frömmigkeü; wenn „der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts" auch nur dürftig und unvollkommen das förderte, woran die Weisen aller Jahrhunderte sich erhoben, und was länger dauern wird, als alle Zeiten und alle Welten: dann würde unendlich glücklich der Herausgeber sich fühlen und Dem aus innerster Seele danken, dem allein sein Odem und sein Leben gehört. Geschichte des Tages. Freudig kehren wir auch heute zu zwei der Edelsten unter unseren Brüdern, zu den beiden Reisenden Cremieur urw Montefiore zurück/ Dieselben haben überall, wo sie durchkamen, einen unbeschreiblichen Enthusiasmus erregt, die Briefe aus dem mittägigen Frankreich ergießen sich mit wahrhaft südlichem Feuer über die Erscheinung der Pilger. Zn. Livorno hat ihre Ankunft die ganze Stadt in Bewegung gesetzt. Die Israeliten füllten die Straßen) und begleiteten sie mit ihren Segnungen, Man betete Nachmit-; tags vor der üblichen Zeit in der großen Synagoge, der heilige Schrank ward geöffnet, und der Rabbiner Kat vor denselben und sprach ein besonderes Gebet für die Reisenden. Der Bericht von Montefiore an das Londoner Comite, in welchem er seine (von uns schon erzählte) Audienz beim Pascha von Egypten beschreibt, schließt mit den Worten: "Das Comite wird wissen wollen, ob ich entnmchigt bin. Nein, antworte ich. So wie Schwierigkeiten austauchen, fühle ich größern Drang, sie zu überwinden, und der Grund, warum ich reden Aufschub bedauere, ist, daß man hier der Meinung ist, daß, wenn die Untersuchung nicht unverzüglich fortgesetzt wird, die vier jetzt gefangenen Unglücklichen hingerrchtet werden, ehe ich die Besugniß erhalte, einzuschrciten. Möge der barmherzige Gott ein so schreckliches Unglück abwenden, und zur rechten Zeit unsere Gebete erhören, daß die Wahrheit an's Licht gebracht wird.« Die dem Vicekönig übergebene Adresse lautet: "Nachdem wir in Europa von den gegen einige zu Ew. Ho« heit Unterthanen gehörige Juden in Damaskus ergangenen' Beschuldigungen gehört, sowie von den ihnen angethanen Martern und Qualen, um Bekenntnisse von ihnen zu erzwingen, und da wir wissen, daß uusere Religion das Verbrechen, dessen man sie beschuldigt, nicht nur nicht sanctionirt, sondern uns auch lehrt, den Gebrauch des Bluts auf's Aeußerste zu verabscheuen, sind wir von unfern Glaubensgenossen in Europa abgesandt worden, um bei Ew. Hoheit um Gerechtigkeit zu bitten. Mit dem größten Vergnügen haben wir erfahren, daß Ew. Hoheit, sobald Sie von den angewandten Foltern unterrichtet .waren, sofort Befehle gaben, solche einzusteüen. Wir kommen daher mit der sichersten Ueberzeugung, daß Ew. Hoheit, so hochbcrühmt in Europa wegen Ihrer Tapferkeit im Felde, Ihrer Weisheit im Rathe und Ihrer Duldsamkeit gegen alle guten Unterthanen ohne Unterschied, mit Ihrer gewohnten Güte unser Gesuch gewähren wird. Wir kommen ohne Haß, ohne Leidenschaft, lediglich mit dem aufrichtigen Begehren, die Wahrheit an's Licht zu bringen. Demnach ergeht unsere Bitte an Ew. Hoheit, uns die Besugniß zu ertheilen, nach Damaskus zu gehen, dort solche Untersuchungen anzustellen, die zur Erlangung hinlänglicher Evidenz in Betreff derjenigen Anschuldigungen, welche die gesammte jüdische Bevölkerung jener Stadt in bisher unerhörte Leiden gebracht haben, leiten können, und daß das Ergebnis solcher Untersuchung amtlich von dem Gouverneur von Damaskus bestätigt und Ew. Hoheit vorgelegt werde. Daß Ew. Hoheit uns außerdem die Mittel, diese Auskunft zu erlangen, erleichtern, so wie fteies Geleit, für die zu unsrer Mission gehörigen Personen, völlige Sicherheit, für Alle Parteien, die Nachweisungen ertheilen, und die Erlaubniß, die Gefangenen so oft wie nöthig zu sprechen und zu befragen, gewähren möge, und daß Ew. Hoheit Autorität und Erlaubniß durch einen besonderen, in hiesigen Archiven eingekagenen, amtlich dem Gouverneur von Damaskus zuzusendendea und dort öffentlich in den Skaßen auszurufenden Firman in Anwendung gebracht werde. Es sey uns erlaubt hinzuzufügen, daß die Augen vor» ganz Europa auf Ew. Hoheit gerichtet sind, und daß die Gewährung 'c unseres Gesuchs der gefammten civilifirten Welt erfteulich sein swird. Es ist bekannt, daß der Fürst, der so vielen Ruhm erlangt