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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-11-08 · Heft 5 (8.11.1840) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 5 (8.11.1840)
Date
1840-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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18 aller WeÜ, der sie benimmt waren, desto herrlicher und auf immer sich bewähren sollten. Durch die Zerstreuung sollte Israel zeugen, daß Gottes Lehre eine Aussaat sey, die Ms jedem Boden, unter jeder Landesverfassung, in allem Wechsel der Zeiten und unter allen Verhältnissen und Umständen gedeiht und Leben schafft." Merkwürdig ist hiebei die allgemeine Wahrnehmung, daß die Hyperorthodoren, so sehr sie auch sich sträuben, die Wahrheit des letzteren Satzes einzugestehen, vielmehr in thesi die Unantastbarkeit aller rabbinischcn Satzungen behaupten, doch in der Wirklichkeit selbst tagtäglich sie verletzen, ohne daß sie hierüber die geringsten Gewissensbisse empfänden. Wollten Sic nämlich das, was sic in der Idee als wahr und verbindend anfstcllen, auch im Leben heilig halten, so dürften sie keine Zinsen von ihrem Glaubensgenossen nehmen, so dürsten sie mit keinem weiblichen Wesen einige Augenblicke allein sein; so dürsten sie ihre Töchter nicht irgend ein Lied singen, oder ihre Söhne ein Jnstrmncnt spielen lassen; so dürsten sie sich selbst, oder ihren Kindern kein ordentliches wissenschaftliches Studium gestatten; so dürften sie nicht mehr als £ des Tages auf Betreibung ihres Geschäftes verwenden; so müßten sie in einem jeden streitigen Rechtsfalle sich in dem rabbinischcn Gesetze Raths erholen, da das, was "sie auf den Grund des bürgerlichen Gesetzes gegen die Bestimmungen des erstern sich aneignen, als ein Diebstahl gilt; so müßten sie endlich jedem, der nicht an die Lehre der Rabbinen glaubt, oder absichtlich ein rabbinisches Gesetz Übertritt — todtschlagen; denn dieses alles ist ja in den rabbinischen Gesetzbüchern, deren Jnhatt sie als religiös-verpflichtend ansehen, mit klaren Worten vorgöschriebcn *); und doch tragen sie gar kein Bedenken, sich über dieses und noch vieles Andere wegzusetzen. Durch ihr eignes Leben gestehen sie also die Wahrheit der rein-mosaischen Ansicht zu, und liefern daher selbst den Beweis, daß es nur Befangenheit und Aengstlichkeit ist, welche sie an der ganzen Durchdringung und der völligen Anwendung jener Ansicht hindert. In dem mit dem Fortschreitcn der Wissenschaft und der Gesittung völlig übereinstimmenden reinen Mosaismus ist auch der Grund zu suchen, warum dieser immer mehr unter unfern Glaubensgenossen zunimmt, und dies Fortschreiten ist selbst wieder ein Beweis für die Wahrheit desselben. Denn es ist noch nicht das Beispiel in der Geschichte vvrgekommen, daß das Böse und Verderbliche so lange und so unaufhaltsame Fortschritte gemacht hätte. Es unterbrach nur eine Zeit laug das Gute, stellte sich seiner EntwickelUng hemmend entgegen; dann aber wich es dennoch, und das Licht und die Wahrheit erlangten den Sieg. Anders ist es aber mit der erleuchteten Auffaffrmg des Judenthums, mit der rem-mosaischen *) S. Jore Deqh cap. 160; 246, $. 4; 158, §. 2. Eben Haeser cap. 22, §. 2. Orach Ehaiim cap. 160 §. 3. Choschen Hamischpat cap. 27 mb 425, $. 5. Lehre. Seitdem sie nur wieder zmn Bewußtsein gekommen, seitdem Mendelssohn sie wieder aus dem pharisäischen Schutte, der über ihr lag, hcrausgczogen hatte, drang sie unaufhaltsam weiter, vermehrte sich mit jedem Jahre und vermehrt sich noch tagtäglich die Anzahl ihrer Bekenner und Verehrer^ Das gestehen uns die Hyperorthodoren selbst zu; sie sehen selbst, wie ihre Kinder, sobald sie nur zur Selbsterkcnnmiß gekommen, ein Stück nach dem andern von der rabbinischen Lebensbürde von sich werfen, und können und wollen es nicht einmal verhindern. Was aber so fortschreitct, das kann nicht schlecht seyn, das wird von der Vorsehung selbst gebilligt und gutgeheißen. Einen providentiellen Beweis für die rein-mosaische Ansicht liefert nun auch das Verhältnis' des Christenthums zum Judcnthum. Es läßt sich nämlich nicht denken, daß die Vorsehung, welche beide Religionen auf demselben Boden neben einander bestehen läßt, nicht einen höheren Zweck damit verbinde. Diesen Zweck vermag aber die streng - rabbinische Ansicht nicht zu ermitteln. Wohl ist dieses dagegen vom Standputikte des reinen Mosaismus möglich. Von diesem Standpunkte aus wird nämlich nicht geleugnet, daß das Christenthum auf die Erweckung eines kräftigcrn sittlichen Bewußtseins unter den Bekennern des Judcnthums einen großen Einfluß gehabt und noch immer hat. Das Christenthum hat nun einmal mit Hülfe der Wcltweisheit, welche cs von der griechischen und römischen Welt erbte, factisch sich von dem pharisäischen Zeremonialgesetz cmanzipirt und das sittliche Element der mosaischen und prophetischen Lehre schärfer ausgeprägt und lebendiger dargestellt, als dieses bei den mosaischen Glaubensgenossen selbst früher' ntöglich war. Es hat auf diese Weise durch die Wissenschaft und den sittlichen Geist, der in seinem Bekenntniß weht, auch stets auf die Bekenner des Judcnthums gewirkt, sie auf den wahren Geist der Sinaischcn Lehre, welchen pharisäische Verschrobenheit entstellt und verdüstert hat, aufmerksam gemacht. Ein Beispiel hievon gibt Mendelssohn. Er würde für sich selbst wohl schwerlich zu der erleuchteten Auffassung der mosaischen Lehre, zu der sittlichen Durchdringung derselben gekommen seyn, wenn nicht die Philosophie der christlichen Weisen diese Ansicht in ihm erweckt, und sein Umgang mit Abbt, Lessing, Nicolai und andern edlen Christen sie belebt und veranschaulicht hätte. — Auf gleiche Weise hat aber die Wissenschaft der Christen und ihr von leerer Werkheiligkeit befreites, aber von dem Geiste der Sittlichkeit durchwehtes Leben auf andere Bekenner des Judenthums gewirkt und wirkt noch heutigen- Tages fort. Auf der anderen Seite hat aber auch das- Beispiel der Juden, welche die absolute Einheit Gottes und die Verwerfung aller absoluten Vollkommenheit an einem endlichen Wesen als das Lehensprinzip Per Religion ansahm, sowie ihre in die Hände der Christen gekommenen biblischen Bücher, unverkennbar aus die letzteren gewirkt, und nicht nur bei einzelnen Erleuchteten derselben, sowie hei gan-

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