Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 5 (8.11.1840)
- Date
- 1840-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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SS hat, die-Gerechtigkeit noch höher schätzt. Es ist eine Huldigung Ihres Genies, Ihrer Wahrheitsliebe, Ihrer Gerechtigkeitsliebe, die diese'Deputation von allen Israeliten der Erde veranlaßt hat) mit Vertrauek an Ew. Hoheit zu appelliren, im Bewußtsein, daß diese Appellation nicht vergeblich sein kann." Mehemet Ali erließ nun hierauf nach dem .Journal des Debats folgenden Ferman an Sherif-Pascha: ',Mau hat uns eine Verstellung der Herren Moses Montcfiore uud Cremieur eingereicht, welche deren Bitten und Hoffnungen enthält. Sie sind abseiten aller der sich zur mosaischen Religion bekennenden Europäer zu uns abgcsandt worden. Sie bitten uns, diejenigen ihrer Religionsgcnossen, welche in Folge der Untersuchung über das Verschwinden des Vaters Thomas und seines Dieners Ibrahim iiu Monate Dsp'lidge 1255, verhaftet sind, durch unfern Befehl auf fteicn Fuß zu stellen, und die Ruhe derjmigen, welche die Flucht ergriffen haben, zu sichern. Wir haben es für angemessen erachtet, den Wünschen und Hoffnungen der Abgeordneten einer so zahlreichen Bevölkerung zu entsprechen. Demzufolge befehlen wi.r, daß alle diejenigen Juden, welche cingckerkert worden, in Freiheit zu setzen scpen; denjenigen, welche ihren Herd verlassen haben, soll die größtmögliche Sicherheit gegebeu werden, daß sie zurückkehren könnend Jeder möge sich wieder an fein Geschäft, seinen Handel, oder seine sonst gewöhnlichen Arbeiten begeben. Wir befehlen Euch, alle geeigneten Maßregeln zu ergreifen, daß keiner derselben irgend eine üble Behandlung erleide, von welcher Seite es sei. Ich will, daß sie in voller ungestörter Sicherhett seien, gegen jedes Ereigniß, welcher Art es sein möchte, ganz wie vor jenem Vorfälle. Das ist unser Wille." (Bürgermeister - Toleranz.) In W — n (in Wcstphalen) suchte der Bürgermeister den Neubau einer Spnagoge zu verhindern. Da dieses aber nichts half, sondern die Spnagoge erbaut und in Gegenwart des Pfarrers und der übrigen Honorationcu der Stadt auf eine sehr würdige Weise eingeweiht wurde, rächte sich der Herr Bürgermeister dadurch, daß er während des Actes an einer Jagdparthie Theil nahm. Freudig stellen wir da diesem Herrn den Stadtmagistrat in Eimbeck gegenüber. Dieser glaubte nämlich früher, es nicht gestellten zu dürfen, daß kraakgewordene israelitische Reisende, welche unbemittelt find, aus der allgemeinen Armen- und Krankenkasse, verpflegt werden; obgleich auch die Israeliten zu dieser Kasse beisteueren. Nachdem aber dieselben, wiewohl nur aus 14 Familien bestehend, bei einer Collecte zum Aufbau der Stadtkirche sich dermaßen auszeichneten, daß ihre Beiträge die der csten so bemittelten 70 — 80 christlichen Familien übertrafeu, benachrichtigte mau sofort Seitens des Stadtmagistrats den israelitischen Vorsteher-daßvon nun au die armen jüdischen Kranken nicht nur eben so) wie die christlichen, ungesehen werden sollten, sondern man.sich übechautzt bestreben werde, den Ansprüchen der Israeliten' die möglichsten Berücksichtigung widerfahren zu lassen. Bei derselben Gelegenheit ging die Commission für den Wiederaufbau der Kirche, den israelitischen Prediger l)r. Salomon in Hamburgumseine' Verwendung für Beiträge bei seinen Glaubensgenossen an, worauf auch bald von demselben neun Louisdor zu diesem Zwecke; ankamrn, begleitet mit einem Schreiben, worin er darthut, wie es nachdem wahren Geiste,der israelitischen Religion kein anderes Religivnsprinzip gebe, als Menschenliebe zu üben und heilige Zwecke zu fördern. ' . Die Humanität der östreichischen Negierung giebt sich trotz ihrer sonst streng historischen Richtung doch überall zu erkennen. So sind die Nabbinen in Mähren vom Staate als seine Diener und Führer der Geburts-, Trauungs- und Sterberegister, als Ueberwachcr der Sittlichkeit in ihren Gemeinden ü.-s. w. förmlich anerkannt. Der Landesrabbiner bezieht seinen Gehalt aus einer öffentlichen Landeskasse. Die Normalschulcn sind vom Staate eben so sehr geschützt und begünstigt, als überwacht. Schon sett dem Zähre 17.90 ist'es den Israeliten gestattet, Doctorcn des bürgerlichen Rechtes und zugleich Advokaten zu werden, .auch in dieser Eigenschaft sowohl Israeliten, als Christen zu vertreten. Auch im kalten Norden giebt es noch Herzen, die für das Edle und Große schlagen. Dieses beweist der Vorsteher Lamm in Stockholm. Er gründete, vor drei Jahren eine Lehranstalt, bei welcher der Rabbiner Oberlehrer ist; außerdem sind noch 2 israelitische und 4 christliche Lehrer bei dieser Anstalt cmgcftellt. Zur Stiftung einer Mädchenschule verwiegte Herr Lamm ebenfalls einen Beitrag von 1000 Thlrn. und seiner Einwirkung ist es auch zu verdanken, daß beim Gottesdienste Ehoralgesänge eingeführt sind, daß alles laute Beten und das Versteigern der Zeremonien verboten ist, und daß alle Melodiken nur vom Cantor im Vereine mit dem Chor gesungen werden. In den Arehives Jsr.;lieft man,.daß mehre Israeliten in Frankreich sich im Sccdienste als Schiffskapitäne auszeichncn. Ein neuer Beweis, daß bürgerliche Freiheit auch bürgerliche Thätigkeit nach allen Seiten hin erzeugt. — . Auf einer sehr niedrigen Stufe steht der Religionsunterricht bei den Israeliten in Ist allen; .er gleicht dem in Deutschland .vor 50 Jahren.-.In den-Kleinklnderbewahranstaltcn ist der Unterricht bis zum sechstenja oft bis zum achten Jahre großentheils den alten Weibcru überlassen, die das Kind mit Ammenmährchen unterhalten und ihm Aberglauben und Wundersucht und Stumpfsinnigkeit auf alle Weise einflößen. Der Unterricht besteht in (sehr.schlechter)^..Anleitung zum. Hebräisch-Lcsen, im Hcrsagen der Gebete und im Absingen der Haphtara. Sind die Knaben so weit' gekommen, daß sie diese vorlesen können, so haben sie die Reife erlangt, um in die eigentliche Schule einzutrcten. Die Mädchen Hingegen -haben , nun ihre Studien beendet. In der eigentlichen-Schule ist der Unterricht ebenfalls aus das Uebersetzen eines Stückes des Wochcnabschnittes beschränkt, zu welchem später das Lesen von Rasches Commeutar, der Haphtaras und eines Auszuges aus Maimonides großem Werke, auch des Me« norath hamaor, oder.En Israel-kömmt. ZN^ beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte inMei ninge n' Und der KeffelringsscheU Hofbuchhaudlung in' HlkdburgHansen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. Iss gr. E. M-, pd> 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Doll und Schäffer in Kassel.