Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 5 (8.11.1840)
- Date
- 1840-11-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des nmnzchnkcn AaWm-E EinWochenblntt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Nr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzoghum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nr. ». Sonntag den 8. November 184«. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muchvoll und wahr. Der reine ZVdosaismus. (Schluß von Nr. 4.) In Nr. 7 des ersten Jahrgangs dieser Zeitschrift hatten wir noch einen gegen den starren Rabbinismus sprechenden Umstand hervorgehoben, es war der separatistische Charakter desselben, der es ihm unmöglich macht, sich zu einer allgemeinen Religion, zu einer Religion der Menschheit zu erheben. Dieser Beweis für die Wahrheit der rein-mosaischen Ansicht ist aber so wichtig, daß wir nicht umhin können, das dort hierüber Gesagte ganz hierher zu setzen: „Wie aber diejenigen, welche allen Ceremonialsatzungen eine ewige Verbindlichkeit beilegen, das Verhältniß des Wechselnden zum Bleibenden, wie es Gott selbst in seinem Schöpfungswerke gesetzt, verkennen, so verkennen sie noch im höheren Grade das höchste und letzte Ziel der göttlichen Offenbarung, die hohe Bestimmung, welche ihr gleich vom Anfänge gegeben ward, ein Eigeuthum der ganzen Menschheit, eine Religion der Welt zu werden. „Diese Lehre ist eure Weisheit und Vernunft vor den Augen der Völker; alle, welche diese Gesetze vernehmen, werden sprechen: Wie ist dieses große Volk so weise und verständig!" (5 B. M. 4). So rief der göttliche Gesetzgeber selbst aus, und von diesem Gedanken sind auch die übrigen Propheten erfüllt. Alle stellen die göttliche Offenbarung dar als'den Bund des Himmels mit der Erde, als den Bund Gottes. mit der Menschheit; alle sind von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Erkenntniß Gottes die Erde erfüllen werde, wie die Fluchen das Meer bedecken, daß alle Völker den Namen des Herrn einst anrufen, alle zu dem Bunde sich gesellen werden, den er am Sinai gegründet; alle bezeichnen darum auch Israel als den Vermittler jenes Bundes, als den Erstgebornen in der großen Völkerfamilie, durch welchen der Herr sich verherrlichen, sein Heil bis an die Enden der Erde senden wolle. (Jes.49.) Darum muß denn auch die Lehre Israels fortwährend den Charakter bewahren, durch welchen allein sie Gemeingut aller Menschen werden kamt: den Charakter der Weisheit und Vernünftigkeit, denjenigen Vorzug, welchen ihr Lehrer au ihr rühmt, durch welchen allein er ihr die Huldigung der Völker zusichert; darum muß alles, was mit jenem Charakter nicht übereinstimmt, was nur durch den Aberwitz der Menschen und den Druck der Zeiten hinzugekommcn, und statt weise und vernünftig, albern und verkehrt erscheint, aus der Lehre Gottes schwinden; darum rauben die, welche die Geltung des starr rabim'schen Ceremonialgesetzes predigen, dem MosaiSmus seine eigentliche Mission, seinen weltbeglückenden Jrchalt, würdigen ihn zu einem kleinlichen Separatismus» den Schöpfer der Welten aber zu einem bloßen Nationalgotte herab, und darum sollte man nicht aufhören mit der Wahrheit Ernst und der Begeisterung Kraft dem jetzigen Israel die Worte zuzurufen, welche einer seiner erleuchtetsten Lehrer gesprochen: „Gott hätte Israel nicht in alle Welt zerstreut, wenn er nicht gewollt hätte, daß diese Verordnungen, die ihre Zeit erfüllt und ihren > Zweck erreicht hatten, aufhvren, die übrigen aber vor