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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-10-25 · Heft 3 (25.10.1840) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 3 (25.10.1840)
Date
1840-10-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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10 ausdrücklich erklärt worden wäre, sich auf eine.doppelte Weise widersprochen haben; einmal in dem er im Leben dem väterlichen Gesetze wen bleibt, z. B. am Sabbath die Synagoge besucht, zur Festzcit nach Jerusalem reist, an Ostern mit seinen Jüngern das Paschalamm verzehrt; und das andere Mal, da er* sich ganz im entgegengesetzten Sinne ausspricht, indem er seinen Jüngern zurief: (Matth. 5, 17 u. 18) Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich ich sage euch: Eher würd'en Himmel und Erde vergehen, als daß der kleinste Buchstabe, oder der mindeste Punkt vom Gesetze, verginge." *) Demgemäß hielten sich die Apostel, selbst nach dem ersten Pfi'ngstfcste, noch streng an das jüdische Gesetz, sie gingen um die Gebetstunde in den Tempel (A. G. 3, 1), hielten sich zu den Synagogen, hingen an den mosaischen Speiseverboten (10,14) und wußten die Klagen über das Verfahren des Barnabas und Paulus, welche Heiden tauften, ohne sie zur Beobachtung des mosaischen Gesetzes zu verpflichten, wenigstens durch keine Berufung auf ausdrückliche Erklärungen Jesu zurückzuwcisen. (31. G. 15.) Es bliebe also zur Lösung dieses Widerspruches' nichts übrig, als die Ansicht, Jesu habe ausdrücklich das ganze mosaische Gesetz annullirt, aufzugebcu, und sie dahin zu beschränken, daß er nur rein-sittliche Frömmigkeit als das Wesen des mosaischen Gesetzes hc.vorgehoben und die rituelle als die untergeordnete und unwesentliche erklärt habe. Dann hätte über Jesus sich nicht der mosaischen und prophetischen Lehre gegcnübcrgcstcllt, auch nicht sie ergänzt, oder vervollkommnet; sondern, wie er sich auch ausdrückte, sie nur erfüllen, Or/.rt<)v)oui} auf ihren innersten Kern und ihren wahren Geist aufmerksam machen wollen; wie denn die gottbegeisterten Männer und Propheten in Israel den ritulten Vorschriften stets nur einen bedingten Werth znschrieben und die Quintessenz aller Religiosität in eine von Sittlichkeit getragene Frömmigkeit setzten (Jcs. 29, 13, 7,22. I Sam. 15, '22. Pf. 40, 7. Spr. 21, 3 Jes. 1, II u. 17. Amos, 5,.(22—25). Micha, 6, 8. 3 Mos. 19, 18. Ps. 15. u. a. m.); der Standpunkt, welchen Jesu einnahm, wäre demnach auch nur ein rein-mosäischer, er hätte nur gelehrt, (mit — was wir gern gestehen — seiner ganzen hohen Kraft 5cs Wortes und des Geistes gelehrt) was die erleuchteten unter seinen Brüdern, was besonders die Frommen, unter denen erlebte, die Essäcr, lehrten: Gott zu verehren im Geiste und in der Wahrheit; er hätte nur wiederholt, was vor ihm schon der Synagogcnlehrcr Hillel einem *) Boa einer Acconunodation kann hier keine Rede sein; denn ein Accommodircn an das, was man ausdrücklich verworfen hat, ist an sich etwas Undenkbares und Absurdes, j Heiden, der die israelitische Religion mit welligen Worten kennen lernen wollte, gesagt hatte: uiH HD) CrAa mmn npi -rayn *6 Tarft ",Wa§ du nicht willst, das man dir thuc, das thue auch deinem Nächsten nicht, das ist das ganze Gesetz!" „Aber (erwicdert man endlich) warum hat diese Ansicht sich nicht ftühcr unter den Israeliten geltend gemacht, warum ist es in der Kirche so bald zu einer sittlichen Reform des Nitualgcsctzcs gekommen imt> in der Synagoge nicht?"—Das lag daran, weil das Christenthum, um auch unter Heiden Eingang zu finden, diesen nicht das Jvch des Nitualgesetzes auflegen konnte; das lag daran, weil das Christenthum bald mit der Wissenschaft in den Bund trat, weil cs bald auch unter den gebildetsten Völkern des Alterthums, unter Griechen und' Römern seine Herrschaft feierte. Diese beiden äußern Umstände wirkten so, glücklich auf seinen sittlichen Geist, auf den Geist, den es aus der Sinais- Lehre einathmete, ein, und darin haben wir einen neuen Grund, es als providentielles und weltgeschichtliches Ereigniß hochzuachtcn, wenn wir auch seinen dogmatischen Inhalt und das Verhältnis;, in welchem es sich nach dem. Tode seines Stifters zum Mosaismus setzte, bestreiken müssen. (Fortsetzung folgt.) G eschichte des Tages. Wir freuen uns, unseren Glaubensbrüdern im Elsaß, von welchen die öffentlichen Organe bisher immer nur ein ttübes Bild entwarfen, durch folgende der Leipziger Allg. Ztg. entnommene Mittheilung einige Genugthuung verschaffen zu können: „Ihr Correspondent hat von den Juden gesprochen. Ich bin keineswegs ein Bertheidiger dieser Juden, ich weiß leider nur zu gut, daß sie den deutschen Juden gegenüber um 50, vielleicht um 100 Jahre zurück sind; aber verachtet nur die clsaffer Juden nicht; es giebt selten ein kühneres, unbändigeres Volk, als die elsasser Juden, und ich rathe keinem deutschen Christen , in ein elsassisches Dorf zu gehen und das Wort Jude,als Scheltnamen auszusprechen, wenn er nicht Gefahr laufen will, hundert Messer über sich blitzen zu schen, wie dies neulich erst in Bischheim sich ereignete, wo sie zwei Soldaten erstachen, weil diese sic juifs hießen, und in Bergheim, wo sie das Dorf an allen Ecken anzündetcn. Der Einfluß des elsasser Juden auf das Landvolk ist ungeheuer, sie leben ganz intim zusammen, und was das Aussaugen der Bauern betrifft, so sind das deutsche Phrasen. Woher kommt cs denn, daß sie alle bettelarm sind, wenn sie die Bauern aussaugen? Geschieh: dies aber ja durch die Juden, besonders im Oberelsaß — die untcrelsasser Juden fürchten die oberelsasser als Spitzbuben — so sein Sie versichert, daß Notarius, Huissi'er und Friedensrichter mit unter der Decke sind, und daß diese den Rahm oben abschöpfen; ja sehr oft geht die ganze Sache von Paris aus. Es wäre viel zu bessern an den elsasser Juden, aber ich bitte die Deutschen, die ja wieder Hoffnung auf das Elsaß haben ] ihnen eher zu schmeicheln, als wegwerfend von ihnen zu sprechen. Denn eben diese sind es, die bei dem Gedanken, Deutsche zu werden, zusammenschrecken und liebersterben würden;

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