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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-10-25 · Heft 3 (25.10.1840) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 3 (25.10.1840)
Date
1840-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Zs raelit des NtMiztWNI MrtzlNlhtttS. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzoghum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nr. 3. Sonntag den 25. Qetober 1840. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muchvoll und wahr. Der reine Mosaismus. (Fortsetzung von Nr. 2.) Das Resultat obiger Untersuchung macht aber einem anderen Einwurfe Platz, mit dessen Erörterung wir uns beschäfn'gen müssen: „Wenn (erwiedert man uns von christlicher Seite) -reiner Mosaismus und Christenthum nicht ein und dasselbe ist, wenn der Mosait die christliche Offenbarung als göttlich nicht anzuerkennen vermag; was berechtigt ihn dann, so viele rituelle Vorschriften nicht mehr als verbindend anzusehen, da sie im Pentateuch stets neben den sittlichen stehen und nirgends weder von Moses, noch von den Propheten als für die spätere Zeit nicht mehr verpflichtend erklärt werden." Wir entgegnen hierauf: Wo ist denn eine solche Erklärung in den Urkunden des christlichen Glaubens enthalten? *) Der Erscheinung des Petrus (A. G. 10, 14) wird man wohl nicht einen solchen Werth zuschreiben, und sie muß ihr Gewicht schon dadurch verlieren, daß Jesu selbst sich nicht hierüber ausgesprochen hat, was 'er doch bei der großen Wichtigkeit der Sache hätte thun müssen. „Allerdings (sagt man weiter) ist dieses geschehen, *) ES führte eine solche Erklärung auch nothwenhig zu folgendem Dilemma: Entweder die ihr widersprechende mosaische Offenbarung ist wahr, dann ist die christliche falsch; oder die mosaische ist unwahr, dann ist es aber auch die christliche, da Jesus für die Wahrheit seiner Sendung überall nur Belege aus den Urkunden des alten Testaments anführt. in den Aussprüchen Jesu ist allerdings eine solche Erklärung enthalten. So hat er gegen die Sabbathsfeier nicht nur selbst mehr als einmal faktisch verstoßen, sondern sich auch ausdrücklich dagegen erklärt (Matth. 12, 1—13. Marc. 2, 23-28. 3, 1—5. Luc. 6,1-10. 13,10 ff. 14, 1 ff. Joh. 5, 5 ff. 7, 22 f. 9, 1 ff.) Eben so hat er mit seinen Jüngern weder die eingeführten Fasten beobachtet, noch die Waschungen vor Tische eingeführt (Matth. 9,14. 15, 2). Ganz entschieden ist aber die Abschaffung des mosaischen Cultus in dem Ausspruche Jesu enthalten, daß der Mittelpunkt desselben, der Tempel zu Jerusalem zerstört werde." Wir glauben jedoch, daß aus allem dem zuviel gefolgert werde. Was Jesus über die Sabbathsfeier äußert, bezieht sich nur auf die übertriebene rabbinische Strenge desselben; und auch nur.gegen diese hat er factisch verstoßen. Ein gleiches Bewandniß hat es mit dem Waschen der Hände, von welchem das mosaische Gesetz nichts enthält, und müdem Fasten, welches dasselbe nur einmal im Jahre vorschreibt. Auö der geweiffagten Zerstörung des Tempels kann aber eigentlich nur das einstmalige Aufhören der Opfergesetze, keineswegs aber die völlige Abrogation des mosaischen Culms abgeleitet werden; wie denn viele unter den damaligen Israeliten die Zerstörung des Tempels befürchteten (Rabbi Zadock soll zur Abwendung derselben sogar 40 Tage hintereinander gefastet haben); ohne daß sie deßhalb sich berechtigt hielten, das ganze mosaische Gesetz als erloschen zu erklären. Auch würde Jesus, wenn die förmliche Aufhebung des mosaischen Gesetzes von ihm beabsichtigt, oder gar

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