Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 2 (11.10.1840)
- Date
- 1840-10-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2566751-2566752-2566755--0014-2567571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7 bewies aus der Bibel die Unmöglichkeit der Beschuldigung und fuhr fort: Nein! die Anklage ist zu monstruös, als. daß jemand daran glauben, und daß fie von irgend einem andern Motiv, als dem fluchwürdigen Golddurste im Orient erzeugt sein sollte.-- Wir Christen sagen, sie seien geldsüchtig; aber sie opfern dies Geld ja auch für die Betreibung ihrer Religion! Geht am Sonn, abend in ihre Läden, und ihr werdet sie mit einer Pünktlichkeit verschlossen sehen, die alle Christen erröthcn macht. Ich kann nicht schließen, ohne auf die feierlichste Weise als ein römischkatholischer Priester meinen Abscheu gegen alle Verfolgung um der Religion willen auszusprcchen, so wiegegen alle die Männer aus früheren Jahrhunderten, welche, eS sei als Geistliche oder als Weltliche, die Juden verfolgt haben. Herr Alexander Munro, Pfarrer der Schottischen Peterskirche, schloß sich dem vorhergehenden Redner mit vielen biblischen Argumenten und Bildern an, und hoffte, daß dem verfolgten Stamme Juda's endlich ein schöneres Morgcnlicht strahlen würde. "Und außerdem hoffe ich, ihr werdet auch keine sonstige Gelegenheit versäumen, eure Stimme aus diesem Centrum des mächtigen Englands für die unterdrückten Israeliten in allen Ländern, wo sie noch schimpflich behandelt werden, in Italien und in anderen Ländern, zu erheben." Herr Samuel Stocks fand es sehr angemessen, daß Manchester, eine Stadt, die mit Juden in so mannichfacher Beziehung stehe, sich dieser Sache besonders annehme, und in dem' Gefühl, daß das alte und das neue Testament untrennbar Zusammenhängen, und daß der Heiland-selbst ein Jude war,' unterstützt er mit Vergnügen alle in dieser Hinsicht zu fassenden Beschlüsse. Herr John Birt, Prediger an der Baptisten-Kapelle, Zjorkstreet, fand es minder angemessen, auf die besonderen Umstände, als auf das Prinzip der unverjährbarcn Rechte der Menschheitim Allgemeinen und insbesondere der Glaubensfreiheit Rücksicht zu nehmen, welche er in einem sehr liberalen und beredten Vorträge vertheidigte. Ich habe besonderes Interesse für unserü Gegenstand gewonnen, als ich den Herrn, der Herrn Montifiore auf seiner ruhmwürdigen Reise begleitet, vor Kurzem in einer Versammlung über einen verwandten Gegenstand, die gänzliche Abschaffung der Sklaverei, reden hörte. Es war Herr Cremieur, ein Mitglied des Pariser Advokatenstandes, der dort mit seinen Amtsgenoffen völlig gleich in Rang nnd in Ansehen steht. Wir hörten eine so kräftige, pathetische und übcrzeugungsvolle Rede von ihm, daß wir alle erfreut waren, einen solchen Mann als denjenigen zu sehen, jder seinen Brüdern im Orient zu Hülfe eilt. Diejenige christliche Secte, fuhr er fort, zu welcher ich mich zähle, wav vor nicht gar langer Zeit von allen Vertrauens- und Ehrcn-Aemtern ausgeschlossen. Wären wir so stehen geblieben, so hätte es mich dennoch gefreut, unsere jüdischen Brüder völlig cmancipirt zu sehen. Aber da jetzt für uns jene Beschränkung verschwunden ist, so würde ich dreifach erröthen, wenn ich nicht ernstlich die völlige Emancipation für die einzige Klasse zn erstreben suchte, der der vollständige Genuß der brittischen Konstitution noch entzogen ist, u. s. w. Herr John Mävicar glaubte nicht, daß in allen Landen Ihrer Majestät eine einzige Person der bekannten Anklage den geringsten Glauben beimeffe. M. H., sagte er, ich habe seit Jahren mit vielen Juden Verkehr und Umgang gehabt, und kenne sie als eine humane unv wohlthätige Ration. Ich habe mich oft in Wohlthätigkeitsangelegenheiten an sie gewendet, und immer mit reichlich so gutem Erfolge als bei den Christen dieser Herr Abraham Warkin rief das Interesse jedes Engländers für jeden Unterdrückten und Unglücklichen an. Unv mit wem sagte er ferner, sollen wir hier sympathisiren? Mit den Juden, den lebenden Abkömmlingen und Vertretern derjenigen, denen wir unendlich verpflichtet sind; mit den Juden — unseren Nachbarcn und Freunden, mit denen wir leben; mit den Juden, unfern Mitbürgern, die allen ihren bürgerlichen Pflichten streng genügen, und unter uns auf eine Weise leben, welche in Hinsicht jeder Art von Refpectabilität viele von uns Christen beschämt. Fühle» wir mit denen, die mit uns fühlen! denn zu welcher von den vielen Stiftungen in dieser Stadt subssribircn die Juden nicht mit Freigebigkeit? Auch ich habe, wie Herr Mävicar, mich oft -in Wohlthätigkeits-Angelcgcuheiken für Christen an Juden gewendet, und immer reichliche Unterstützung gefunden. Herr W. Rayner Wood sprach sein. Bedauern aus, daß England je an Judenverfolgungen Theil genommen, und freute sich der veränderten Zeit. Erhoffte, daß solche Versammlungen, wie diese, die Negierung zur Aufbietung aller ihrer Kräfte zur Verwendung für die Leidenden ansporncn würden. Nachdem die Versammlung die Veröffentlichung aller dieser Beschlüsse nnd den üblichen Dank gegen den Vorsitzenden beschlossen hatte, ward sie aufgehoben." Ein Theil des schrecklichen Dramas ist. Dank der göttlichen Vorsehung! beendigt. Die Juden zu Rhodus sind durch den Divan zu Konstantinopel von jeder Beschuldigung freigesprochen worden. Immer mehr sind die inneren Angelegenheiten unserer Glaubensbrüder im Fortschreiten begriffen, und auch heute können wir einige solche Beispiele namhaft machen: In Lichtenstedt, in Böhmen, ist die Synagoge ganz nach dem neuen israel. Tempel in Prag eingerichtet, nnd der Gottesdienst wird mit Choral und Predigt unter stiller leiser Andacht abgehalten. Der unanständige Mizwothverkauf ist ebenfalls abgestellt, und ebenso sind alle für unsere Zeit unpassenden Piutim beseitigt, oder modistzirt worden. Nach diesem Borbilde wird auch in Königswart und selbst in der kleinen, mittellosen Gemeinde Stein grab der Gottesdienst gehalten. Desgleichen wird aus einer anderen kleinen Gemeinde, Romrod, im Großherzogthume Hessen, der Act einer Confirmation gerühmt, welchen der Lehrer A. Cahn aus Alsfeld zur allgemeinen Erbauung der israelitischen und christlichen Zuhörer in der dortigen Synagoge gehalten. Aus Aschaffen bürg berichtet die Didaskalia: In unserer, durch die Abreise des königl. Hofes und den Abmarsch der Garnison in das Uebungslager ziemlich still gewordenen Stadt wurde verflossenen Freitag ein seltenes Fest gefeiert: eine Synagogen- Einwcihung. Nicht den hiesigen und den benachbarten Israeliten allein galt dieses Fest; denn fast die ganze christliche Bevölkerung Aschaf- ' fenburgs legte hiebei die wärmste und.auftichtigste Theilnahme 'an den Tag, durch die That beweisend, daß oft diejenigen am