Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 2 (11.10.1840)
- Date
- 1840-10-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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6 heit und Geistigkeit Gottes, die seiner Religion zu Grunde liegt, sich nicht zu diesen Vorstellungen bekennen. „Wohl (crwiedcrt man uns) zu diesen Vorstellungen, wie die Kirche sie nimmt; wie aber das rationelle Christenthum sie auffaßt, brauchen sie auch dem Israeliten nicht anstößig zu seyn." ES ist dieses ein Einwurf, der selbst von denkenden Köpfen öfters erhoben wird; aber es bedarf nur eines flüchtigen BlickcS in die verschiedenen christlich-dogmatischen Systeme, um den ganzen Ungrund desselben cinzuschcn. Die erste Schule, in welcher sich eine rationelle Ansicht bewegte, die allegorische des Origen cs, allcgorisirt nur einige unbedeutende Erzählungen, bleibt aber sonst überall bei dem strengen Dogma stehen. Die Deisten und Naturalisten der 17ten und 18ten Jahrhunderts verwerfen zwar auch daS Dogma, aber sic leugnen eben so die Wahrheit dcS alten, wie die des neuen Bundes, und können daher hier gar nicht zur Sprache kommen. Die Rationalisten gehen nun nicht so weit, sondern begnügen sich, dem kirchlichen Dogma eine Deutung zu geben, wodurch cS sein Unbegreifliches für die Vernunft verliert; aber indem sie noch die Vorstellung von der Sündcnlosigkcit Jes.l fcsthaltcn, beharren sie irn Widerspruch mit der Ansicht des JudenthumS, welches keinem Endlichen eine absolute Vollkommenheit zuschreibt. In noch stärkerem Grade widerspricht daher die eklektische Christologie Schleiermachcrs der Lehre dcS Judcnthums, und mit der moralischen Interpretation von Kant und der spekulativen Theologie von Hegel und Strauß vermag dasselbe sich auch nicht zu versöhnen, da erstcre nur ein rein philosophisches System bildet und den Standpunkt der Offenbarung ganz verläßt, letzteres aber außer diesem noch durchaus pancheistisch ist und daher mit der Lehre von einem Schöpfer der Welt, wie sie dem Iudenthnme zu Grunde liegt, sich noch weniger verträgt. Die sännntlichen theologischen Systeme (mit Ausnahme der Naturalisten des 17tcn und 18tcn Jahrhunderts) haben aber alle die Ansicht gemein, daß die christliche Offenbarung eine vollkonnnnere fey, als die mosaische und prophetische, und schon deßhalb sind auch alle unvereinbar mit den Grundsätzen des JudenthumS^ nach welchem eine wirkliche Offenbarung des höchsten und vollkommensten Wesens auch eine durchaus wahre und voükomm-ne seyn muß. Nur dann, wenn cs in der Kirche eine Ansicht gäbe, wornach IcsuS in Gemäßheit seiner Erklärung: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzuheben, sondern es zu erfüllen", nur gegen die pharisäischen Satzungen habe ankärnpfcn, im Uebrigen aber nur auf die Lehre Mosis und der Propheten Hinweisen »vollen, eine Ansicht, die allerdings auch schon dagewesen zu seyn scheint (Siehe das Kapitel über das Verhältrnß Jesu zur mosaischen Lehre, in dem Werke von Straus), und cs dieser Ansicht möglich wäre, die übernatürlichen und messianischen Ansprüche Jesu zu beseitigen, würde die christliche Ansicht der jüdischen nicht mehr widersprechen; aber dann hätte sic auch aufgchört eine christliche zu seyn, sondern wäre in die des reinen MosaiSmus zurückgcgangcn. (Fortsetzung f.) Geschichte des Tages. Wir können es uns nicht versagen, unfern Lesern den in englischen Blättern veröffentlichten Bericht über die bereits erwähnte Versammlung in Manchester, wegen der Angelegenheit in Damask, vollständig zu geben. Möchten die Gesinnungen, welche sich inserier Versammlung anssprachen, auch auf deutschem Boden Widerklang finden! — „Ungefähr 20 Minuten vor 12 Uhr übernahm der Böroughgreeve, Herr John Brooks, in Abwesenheit des Mapors den Vorsitz, worin er von Herrn David Price, dem ältesten Constabler, unterstützt ward. Er verlas das mit 130 respectabeln Unterschriften versehene Schreiben, auf welches er die Versammlung angc-- setzt hatte. Die oberste Unterschrift gehörte einem anglikanischen und die letzte einem Geistlichen der schottischen Kirche an, außerdem seien die Unterschriften von so mannichfaltigen Klassen, daß er sie als den Ausdruck der Meinung der sämmtlichen Bewohner Manchester's betrachten könne, dahin, daß sie das Verfahren gegen die Juden in Damaskus als ein höchst teuflisches betrachten. Er selbst, der hier, nun seit 25 Jahren mit vielen der hier wohnhaften Juden in Berührung gekommen, hätte, obgleich er anfänglich ebenfalls nicht frei von Borurthcilcn gewesen, gefunden, cs sei mit ihnen eben so wohl umzugehcn als mit Christen.' Es sei ein nüchternes, indnstriöses, ausdauerndes, standhaftes Volk, das man um so lieber gewinne, je mehr man es kenne. Herr Price verlas die verschiedenen Berichte und den Brief des Rabbinen Herschel und Meldola. Herr William Rathbone Greg sagt unter andern: Bei alle dem fühle ich mich einigermaßen in Verlegenheit, wenn ich verlange, daß England dem Türken gegenüber die Rolle eines Lehrers der Moral und der Toleranz übernehme, als ob der aufgeklärte Engländer seinem unwissenden türkischen Bruder viel in dieser Hinsicht vorzuwerfcn hatte, dem er in so manchen Stücken doch nur das Erempcl des Religionshasses gegeben hat. Wie. weit nachdrücklicher müßte Englands Verwendung in Damaskus nicht sein, wenn sein eignes Benehmen immer auf die Basis gleicher Rechte und gleicher Justiz gegründet gewesen wäre; wenn England sich niemals gezeigt hätte, ja, sich, nicht noch immer zeige — in der unedlen Rolle eines Judenfeindes. — - Herr Aldermann Shuttleworth ließ sich zuerst sehr gründlich gegen die Anwendung der Tortur und den Werth der durch sie entlockten Geständnisse vernehmen, und fuhr dann fort: Wenn ich die israelitisch^ Nation betrachte, und sehe, wie sie sich seit ihrer Zerstreuung in allen Ländern benommen, friedlich und in du« striös, daß sie überall zur Wohlfahrt dieser Länder gewirkt habe, daß sie inEuropa durch ihreTalente, ihr Vermögen und ihren Verstand mächtig dessen Fortschritt befördert habe, so muß ich sie als diejenige betrachten, durch deren Bestrebungen der Welthandel erzeugt und auf seine jetzige Höhe geführt ist u. s. w. Herr Daniel Hearne, (katholischer) Priester von St. Patricks,