Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 2 (11.10.1840)
- Date
- 1840-10-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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8 wahrhaftesten tolerant find, welche als unduldsam so gerne verschrieen werden. Bürger wie Beamte füllten den geschmackvoll verzierten Tempel, und Christen wie Juden folgten mit, großer Andacht dem feierlichen, zweistündigen Einweihungs-Acte, gerührt durch die erhebenden Akkorde schöner Festgesänge und erbaut durch die sehr angemessene Festpredigt des Rabbiner». In dem Wiener Machsor, oder den Festgebcten im neuen Bethause daselbst, von dem Prediger Mannheimer herausgegeben, find für die drei hohen Feste sämmtliche Maarabot, Jozrot und Piutim abgefchafst, für die Zerstörung Jerusalems nur wenige Llaglieder beibehalten, und für das Neujahrsfest auch nur einige der besseren Piutim ausgenommen. Nach einer brieflichen Mittheilung aus Königsberg wird uns wieder ein schöner Zug aus dem Leben des erhabenen Monarchen Preußens geschildert, welcher den Untergebenen deutlich zeigt, daß der König seine Unterthanen von den verschiedensten Confesfionen gleich geachtet wissen will. — Der Königsbcrger Magistrat zählt nämlich unter seinen Mitgliedern auch drei Stadtverordnete und einen Stadttath, die jüdische Glaubensgenossen find, und von den Hulvigungsfeierlichkeiten deshalb ausgeschlossen werden sollten, weil fie nicht den gewöhnlichen Huldigungseid leisten könnten. - Darüber ungehalten, wendeten sich die Juden an den Oberpräfidenten v. Schön, der aber auch gleicher Meinung war, so daß fie sich genöthigt sahen, mtt der unterthänigffen Bitte bis zum theueren Landesvater zu gehen, um an der patriotischen Feier Theil nehmen zu dürfen. - Der aufgeklärte Monarch entschied, wie sich erwarten ließ, zu Gunsten der jüdischen Unterrhanen, indem die vier Deputtrten den Tag vor der Huldigung nach ihrem Ritus in Gegenwart des Ministers des Innern, Herrn v. Rochow, vereidigt wurden, und im ausgedehnten Sinne an allen Huldigungsfeierlichkeiten darauf Theil nehmen mußten. Denn fie wurden nicht nur zur königlichen Tafel gezogen , sondern erhielten auch jeder noch eine Huldigungsmedaille, als Erinnerung au den feierlichen Akt. Das Sukothfest. Gold'ner an des Festes Morgen Strahlt des Herbstes Sonne heut'. Frei von schweren Alltagssorgen, Schwelgt das Volk in Fröhlichkeit. Unter reuigen Gebeten Floh'n der Tage zehn dahin, Da des Staubes Söhn' erfleh'ten Gnade mit zerknirschtem Sinn. In des Festes Leichenkleide HM uns dann Jom Kipur ein. Und vom Sündenschmutz, vom Neide Wusch sich Jacob's Häuflein rein. Gnadeuvoll ward ihm verziehen. Und Jehova zeigte sich: „Ist dir Gnade nun verliehen, Wohl, so geh' und bessere dich!" Froh drum, wie's uns einst befohlen Mose, wie's die Schrift gebeut. Laßt der Pflanzen vier uns holen, Die gereift zur Erntezeit. Daß die Menschheit einst gefallen, Lehr' das runde Esrog Euch; ' Jst's von Edcn's Früchten allen Ja in Form dem Herzen gleich *). War's ja da, als aus dem Garten, Aus der Unschuld Paradies, Durch den Strafbefehl, den harten, Gott das Menschenpaar verstieß. Doch er sandte auch den Engel, Ihm die Hoffnung mild herab. Die durch bitt're Erdenmängel Tröst' und leit' ihn bis ans Grab. Wer zu ihrer Fahne schwöret, Schwing' das grüne Lulob heut, Daß die Himmelsgab' er ehret,' Zeig' das Lied, das er ihr weih't. Bon der Hoffnung Licht erhellet Bleibt der Glaube ewig neu, Wie die Myrthe; — Drum gesellet Sie dem Kranze heute bei! Der den Muth -uns stärkte, stählte, Wenn die Bosheit Flammen spie. Den zum Losungswort stets wählte Js're l — o er altert nie! Laßt uns. d'rum von seinen Fahnen Nimmer treulos weichen, flieh'»; Wahrheit wird dke Wege bahnen, Wenn für's Recht zum Kampf' wir zich'n! Aber auch die Tobten ehret. Denkt an Zion's Schmerzenstag,' Drum der Dreien Bund vermehret Durch^die Weide an dem Bach! Denn an Babels Bächen hingen Levi's Söhn' die Lauten auf; Klage hemmte da das Singen, Fesselte der Töne Laut. Ach noch heute trüben Thränen Oft des Schwergedrückten Blick Und mit heißem, stillen Sehnen Hängt er am verlor'nen Glück! Wird's uns dann im Leben bange Zieh'n wir in die Sukoth ein, Einigkeit führt aus dem Drange Uns in schön're Zonen ein! Brilon. Alexander Friedländcr. *) Man vergleiche den Siluk von, isten Tag Sukoth. __ Wegen des Festes erscheint künftigen Sonntag dieses Blatt nicht._ Za beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Keffelring'schen Hofbuchhandlung in Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 1.6 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.