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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-10-04 · Heft 1 (4.10.1840) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 1 (4.10.1840)
Date
1840-10-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2 so gut von der Mission des Chriftenchums überzeugt, wie wir; aber er dürfe das doch nicht sagen, er müsse den reinen Mosaismus seinem Blatte auf die Stirne schreiben, damit cs von Israeliten gelesen werde, auf diese seine seegensreiche Wirkung ausübe. Sonderbarer Weise ward das, was von rationalistischen Christen behauptet ward, von orthodoxen Israeliten wiederholt, nur daß diese die Rede umkehrten. „Das Judenthum vom Nabbinismus befreien, (sagten sie) heißt: ihm seine Eigenthümlichkeit Nehmen, cs mrtcrschcidet sich dann in nichts von dem rationalen Christenthum; eine israelitische Zeitschrift, die also jenes erstrebt, geht nur auf den Ruin, auf die totale Vernichtung und Zertrümmerung des Judenthums aus und ist darum von jedem Israeliten, dem sein Glaube noch heilig ist, zu verabscheuen." Würden nun die Leute, die so sprechen, ihren Verstand zusammen nehmen, so müßte cs ihnen auffallcn, warum gerade diejenigen Israeliten, welche es am wenigsten aufrichtig mit ihrer Religion.meinen, in diesem Sinne sich anssprechen; warum alle unsere Abtrünnigen vom Standpunkte des Indenthums aus die Unantastbarkeit der kleinsten rabbinischcn Satzungen behaupten; warmn der, welcher am eifrigsten gegen jede Fortbildung des Judenthums schrie, während er im Stillen ihm den Rücken zuwendcte und seine Muse dem Bckehrungsgcschäfte weihte, warum Franz Karl Joel Jacobi das Zudcnthum gerade so desinirt, wie sie cs wünschen:*) „Das Grundwcscn des Judenthums ist und bleibt, daß seine Bekenner festhaltcn mit strengem Ernst die Ccremonieen, die Verordnungen und die Gesetze, wie sie von den Rabbincn und Lehrern mit erhabener Autorität gefügt und befohlen sind. Und das ist der Grundzug und die Wesenheit des Iüdenthlims, daß der menschliche Geist sich niemals erkühne, auch die kleinste Satzung und das unscheinbarste Gebot, welches geheiligt und geordnet ist durch die Autorität, durch die Tradition und durch den Gebrauch, zu betasten, zu verletzen, oder gar dem Principe nach zu zerstören." Was hinter dieser Heuchelei steckt, sehen alle Einsichtsvollen unter uns wohl ein; cs wisten unsere Prosclpten recht gut, daß die Bürde der rabbinischcn Satzungen zu sehr mit dem jetzigen Leben des Israeliten und seiner freieren Stellung nach außen collidirt, als daß er sie länger tragen könnte, und darum möchten sie ihn innerhalb des Judenthums nicht davon befreien, damit er die Befreiung außerhalb suche. — Es haben darmn rechtschaffene und wahrheitsliebende Christen jene Heuchelei der Convertiten nur verachtet, und in unserer eigenen Mitte regt sich immer mehr das Bedürsm'ß religiöser Fort- und Umbildung, wird der Ruf nach Reform immer lauter und eindringender vernommen. Dennoch dürfen wir cs uns nicht verhehlen, daß in Vielen das Ende und der Zweck unserer Bestrebungen *) Aus dem?ro memvris der Gegner. Geiger's, verfaßt von Joel Jacobi. . ' noch nicht zum klaren Bewußtseyn gekommen, dass der reine Mosaismus noch nicht in seiner ganzen Fülle und Tiefe erkannt ist, und daß selbst Manche,'die sich längst von separatistischen Satzungen emancipirt und das Bedürfniß einer religiösen Umbildung gar wohl fühlen, doch noch dabei von einer gewissen Furcht geplagt werden, indem sic sich nicht klär machen können, wie ein rationelles Judenthum als solches sich werde halten können, halten können seiner hochgebildeten Tochter gegenüber. — Darum ist es an der Zeit, diese wichtige Frage einmal frct und öffentlich zu besprechen, cs ist an der Zeit die Selbstständigkeit und Wahrheit dessen darzuthun, was den innersten Kern und den letzten Zweck unserer Bestrebungen bildet, die Selbstständigkeit und Wahrheit deö reinen Mosaismus. (Fortsetz, folgt.) Geschichte des Tages. Freudig schweift heute unser Blick hinüber nber's Meer nach dem Lande des Tiefsinnes und der Freiheit, nach dein verständigen und thatkräftigcn England. Dort hat sich ein Verein der angesehensten und gebildetesten Israeliten gebildet, um einen veredelten Gottesdienst mit Predigt und Gebeten in der Landessprache einzuführcn. Es ist. diese Erscheinung von hoher Wichtigkeit und bewährt auf's Neue das tiefe Bcdürfniß eines zeitgemäßen und verständlichen Gottesdienstes. Die Juden in England theilen ganz den Charakter der englischen Nation überhaupt; sie zeichnen sich durch eine große Ehrfurcht gegen das Alte und eine treue Anhänglichkeit an den herkömmlichen religiösen Institutionen aus; sie sind hierin frei von jeder Neuerungssucht, und möchten gern das alte aufrecht erhalten, so lange es nur geht; aber es geht eben nicht; die jetzige mit mehr Freiheit und.Selbstbrwußtsein hcrangezogene Jugend findet auch bei ihnen , wie sie klagen, an den gottesdienstlichen Formen, wie sie jetzt bestehen, und an der Unterrichtswcise, die bis jetzt in religiösen Dingen herrschend ist, durchaus keinen Geschmack und wendet sich von allem diesem mit Widerwillen weg, weil Anstalten und Lehrer hinter der Zeit zurückgeblieben sind. Dieser Zustand erschien aber allen, die es mit der Sache ihrer heiligen Religion ernst meinen, und nicht so verblendet sind, um nicht die heillosen Folgen desselben vorauszusehcn, unerträglich, und darum sind sie auf das Resultat gekommen, welches in England in anderen Kirchen nichts Neues mehr ist, ihre Dissension zu manifestiren, und ohne sich direkt von ihren Brüdern loszusagen, noch überhaupt eine Spaltung machen zu wollen, doch einen Separattempel zu gründen, in welchem Weihe und Verständniß des Rituales die Hauptsache ausmachen, so daß jeder Theilnehmer darin Unterricht und Erbauung erlange. Mögen sie ihren frommen Zweck bald erreichen und in Deutschland den Geistlichen von regsamer Energie und entschiedener Gesinnung finden, den sie dort suchen. — Hingegen äußern sich die achtbarsten Stimmen aus Hamburg betrübend über den dortigen neuen Tempel, auf welchen die Hoffnungen von ganz Deutschland gerichtet waren. — So schreibt man uns von dorther: ,/Dr. Frankfurter, der an die Stelle Kley's gewählt worden, wird hier einen schweren Stand bekommen. Der Prediger ist in

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