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Deborah · 1866-06-20 · Heft 14 (20.6.1866) · page 5

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Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 14 (20.6.1866)
Date
1866-06-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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— 139 — reißen. Er aber ruft: „Nein, nein, gesegnet sei die Ohnmacht, die mir im Bewußtsein deiner Liebe Kraft gibt für mein Leben. Ich will ringen und kämpfen, bis ich dich mir geholt als die schönste Beute, du Einzige!" Fest hält er sie in seinen Armen, Auge blickt ins Auge und bald brennt wieder Lippe an Lippe. Endlich reißt sie sich los aus den fest um sie gerankten Armen. „Genug, mein Freund, die Aufregung könnte dir Schaden bringen." Lächelnd antwortet er: „Die Liebe ist die schönste Gabe der Natur, und wie diese heilbringend ist, so ist es auch die Liebe. Du wirst sehen, wie ich erstarken und gesunden werde. Ich muß ja deiner werth werden, meine süße Lotte, die du stark und gesund bist an Leib und Seele, ein echt deutsches Mädchen." — „Jetzt wird der Mediciner gar Poet; aä voeeni Poet, das muß ja direct aus den Sonnenglutstrahlen Apolls gewebt sein, was du da an meine Schreibtafel geschrieben und was dich ohnmächtig machte." — „Ja wohl ist es mein erstes lyrisches Gedicht und der erste Kuß Eratos hat mich so berauscht, daß ich nicht wußte, wie mir war." — Das Mädchen nimmt ihr Tagebuch und liest halblaut: Den ersten Blick dein, will ich singen; „O, könnt' ich weinen, so wie du," Und küßtest mich bald sanft, bald wild. Die braunen weichen Locken dein Um's blaffe Antlitz sie mir fielen, Und glühend preßt' ich dich an mich — Da hört' ich süße Musik spielen. Da schwand das Meer, die Feenpracht, „Ach, wie schön! Wie stolz bin ich, in der Brust des wissenschaftlichen, ernsten Mannes Gefühle erweckt zu haben, die die Phantasie so beflügeln. Und du sagst, das wäre dein erstes lyrisches Gedicht, Hand aufs Herz, mein Freund, dein erstes?" — „Aus Manneswort, Holde, mein erstes. Was ich bisher gedichtet, galt der Menschheit und ihren hohen Zielen. Es waren sogenannte politische Gedichte, die wohl auch den lyrischen zugezählt werden, aber nur im weitern Sinn. Echt lyrisches Gedicht ist doch nur jenes, das die Liebe hervorgezaubert aus dem räthselhaften Menschenherzen." — „Dann hast du also noch nie geliebt?" — „Wie kannst du fragen? Mein Ideal, das ich mir vom weiblichen Wesen geschaffen und wovon ich dir auch, wenn ich nicht irre, bei Gelegenheit unseres ersten Gespräches erzählt, habe ich nie im Leben gefunden. Mit sogenannten Liebeleien mich abzugeben, widerstrebte meiner ernst angelegten Natur, anderseits hielt mich mein wissenschaftlicher Eifer davon ab — erst als ich dich erschaute, da wurde mir klar, was Liebe und wie gewaltig sie sei." „O, du bist werth der Liebe eines Mädchens, das heißt, einer Liebe, die nie erstirbt und nie schwächer wird." — „Hältst du meine Liebe einer Verringerung oder gar eines Endes fähig?" — „Nein, nein, mein Freund, weil ich, einmal liebend, genug Kraft in mir fühle, mir die Liebe meines Theuern zu erhalten. Halte dies ja nicht für Eigendünkel. Ich kenne mich und weiß, was mein Herz, was meine Seele einem Manne bieten kann. Auch äußere Umstände werden nicht im Stande sein, uns zu trennen, ich bin zu Allem entschlossen und wenn du mich auch starkes Mädchen nennst, in der Liebe da bin ich schwach und lehne mich vertrauend an die Mannesbrust meines Geliebten. Wisse also, daß ich jeden Schritt, den du zur Erreichung meiner Person thun wirst, im Vorhinein anerkenne und annehme, drum fürchte ich kein Hinderniß. Dein Geist ist stark und groß, das bewies die edle Hartnäckigkeit, mit der du deine wissenschaftlichen Ziele erreichtest. Bin ich unbescheiden, wenn ich glaube, du würdest eben so stark sein, deine Lotte zu erreichen?" — „Nimmermehr, o ich werde dich erringen oder — untergehen." Entzückt flieht das schöne Mädchen auf den geliebten Reconvalescenten zu und kniet zu seinen Füßen nieder, er beugt sich aus dem Lehnsessel zu ihr hin, umfaßt den schlanken Leib und so sehen sie einander in die Augen, tief, tief. -Da öffnet sich die Thür, und ehe noch Lotte Zeit hatte, sich zu erheben, erscheinen im Zimmer die Gestalten Häuslers und Paulinens. Merkwürdig! Lotte erhebt sich nicht, auch Salamon schaut lächelnd auf die beiden Eingetretenen. Diese Letzteren blicken etwas überrascht auf die Gruppe. Da beginnt Pauline, die Stille unterbrechend: „Und mir sagtest du nichts, mein Bruder?" — „Mir auch nicht?" sagt Häusler in demselben vorwurfsvollen Tone. Lächelnd crwiedert Salamon: „Wir haben es uns auch erst heute gesagt, gewußt wohl schon früher. Uebrigens hättet Ihr es morgen schon erfahren, daran zweifelt Ihr wohl nicht?" — „Ich hoffe auch. Pauline, daß du von meiner Freundschaft genugsam überzeugt bist, um glauben zu können, daß das, was heute zwischen mir und deinem Bruder vorgegangen, dir nur einen Tag lang hätte Geheimniß bleiben können. Wir sind glücklich und Ihr seid es, wenn wir's sind, warum es Euch also vorenthalten, wenn das Glück uns mit seiner schönsten Gabe, mit der wahren, ewigen Liebe bedenkt." Häusler und Pauline sehen einander an, ein Gedanke durchzuckt Beide in selbem Augenblicke. Sie sinken einander in die Arme und daun zu den Füßen Salamons und Lottens nieder. „Verzeihung," stammelt Pauline, „Verzeihung," Häusler. „Lt tu ini tili Lrnte!« sagt wehmüthig lächelnd Salamon, den Freund umarmend. „Glaube mir," sagt Häusler, „ich hätte mich dir gewiß schon entdeckt, ich hätte es müssen; da ich deine Schwester liebe, würde ich nicht gefürchtet haben, daß die Aufregung über diese überraschende Nachricht dir schaden könne." „Und ich fürchtete dasselbe," sagte Pauline. „Auch dir, meine Lotte, wagte ich nichts mitzutheilen, ich fürchtete, von dir als romantische Närrin verlacht zu werden, von dir, die so wegwerfend über die meisten Liebschaften unsererZeit sprach, und nun liebst du selbst, und was mich unendlich glücklich macht, meinen Bruder. Ach, wie froh bin ich, daß unsere Liebe, für die ich so viel Kämpfe befürchte, zwei so edle und treue Bundesgenossen haben wird an dir und meinem Bruder. Ach, Ihr seid ja in derselben Lage wie wir und habt dasselbe zu befürchten." — „Sei getrost, meine Schwester," sagt Salamon, „wir werden siegen. Jetzt heißt es aber, uns sehr hüten, um vor der Zeit nichts zu verderben. Ich und mein Freund werden unsere Ziele mit verdoppeltem Eifer verfolgen, in zwei Jahren sind wir Doctores und wir brauchen dazu Eifer und Ruhe. In unserer Liebe liegt die Gewähr für ihren Sieg. Drum nicht zu viel Sorgen, aber auch nicht Leicht-

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