Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 14 (20.6.1866)
- Date
- 1866-06-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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— 137 — brachte sie dies nicht aus ihrem Jrrthume, und Aspasia, diesen benützend, betheuerte ihre unverbrüchliche Liebe zu Jonathan und beklagte, von ihm mißkannt zu sein. „Tröste dich, Schwester Jphigenia," sagte hierauf Rebecca, „die Unschuld wird doch siegen. Der Verleumdung Zunge hat dich angeklagt, die Wahrheit wird dich freisprechen. — Jonathan ist Priester und muß ein Weib fliehen, dessen weißes Gewand der Unschuld durch Flecken der Verleumdung entstellt ist. Beweise deine Unschuld und Jonathan ist der Glücklichste unter den Sterblichen." Rebecca, vertraut gemacht, erzählte nun der vermeintlichen Jphigenia, was Alkymos in Beziehung auf diese und über sein Verhältniß zu ihr dem Jonathan mitgetheilt hatte. Da bedeckte Aspasia mit beiden Händen das Gesicht und mit einer grimmigen Flut von Verwünschungen brach sie über Alkymos aus. — „Undankbare Schlange, deren Name Mann ist. Erst vergiften sie unsere Seele mit süßen Schmeicheleien, um unsere Neigung zu gewinnen, und wenn sie uns dann übersatt haben, zertreten sie uns, wie einen hohlen Kürbis. Haß wird ihre Liebe, Wuth ihre Zärtlichkeit." Und sie hatte ihr Ziel erreicht. Rebecca nahm dies Geständniß von der Schuld Jphigenia's, die sie vor sich zu haben glaubte, für baare Münze an. „Ich bedauere dich, Tochter Menelaus', verdammen mag ich dich nicht. Auch Jonathan verdammt dich nicht, er bedauert die Gefallene, er weint um die, welche für ihn verloren ist. Doch nun lege diese Kleider ab," hier reichte sie ihr Gewänder, wie sie israelitische Mädchen trugen. „Auch deinen heidnischen Namen mußt du hier oblegen, du sollst nicht Jphigenia, hier sollst du Dinah heißen;" mit diesen Worten verließ sie Aspasia, die, sich entkleidend, mit triumphirender Miene ausrief: „So habe ich denn den Samen der Zwietracht zwischen Jonathan und Jphigenia fruchtbringend gestreut. Sie soll ihn nun und nimmermehr haben, wenn er schon nicht mir gehören soll. — Nun bin ich wenigstens gerächt, und diese Kleider werden mir auch Gelegenheit schaffen, leichter von hier zu entkommen." Rebecca verbot ihr nochmals, ja nicht den Namen Jphigenia zu führen und in ihrer Unwissenheit weinte sie noch eine heiße Throne dem betrogenen Bruder. Der Tag hatte sich aber noch nicht erneuet und Aspasia ward vermißt. Sie war entkommen, und hatte in der Kleidung eines jüdischen Landmädchens leicht wieder den Weg nach Jerusalem zurückgelegt. Ptolvmäus, durch Jose ben Joeser ganz umgestimmt, schickte seinen Vertrauten Neander zu Lysias, dem Vicekönig von Syrien, um ihn zu Gunsten der Juden zu stimmen. Er ließ ihm vorftellen, wie jede Verfolgung hier unnütz, wie ein Volk, das an einen Gott glaubt, der ihm so weise Gesetze gegeben, nicht bezwungen werden kann, machte ihn darauf aufmerksam, wie dieser Gott durch so viele Jahrhunderte in Drangsal und Noth sie gerettet und erhalten, und wie mit ganzer Seele und ungeteilter Eintracht dieses Volk an ihn hält; wies hin auf die Kämpfe, die sie siegreich bestanden, wenn sie ihn nicht verlassen, und wie jede Mühe, sie ihm abwendig zu machen, eine vergebliche sei und nur dazu beitrage, sich fester und enger an ihn zu schließen, ihm mehr und mehr anzuhängen. Der Erfolg dieser Mission hätte sicherlich der beste sein müssen, denn nach den vielen Niederlagen, welche die Syrier erlitten, konnte Lysias die vorgebrachten Gründe würdigen und den Ansichten Ptolomäus' um so mehr beipflichten, als er die Erfolglosigkeit der gegen Israel angestrengten Bemühungen sah; aber wieder war es der ehrgeizige verschmitzte Alkymos, der ihn nicht zum Entschlüsse kommen ließ und das Herz des Vicekönigs umänderte, wie der Wind die Oberfläche eines Wasserspiegels. „Verrath, grauenhafter Verrath!" rief er. „Nicht die Schwäche oder die Fehler der griechischen Feldherren, aber Verrath entwendet ihren Händen den Sieg. Menelaus und Ptolomäus sind mit einander einverstanden und Jose ben Joeser ist ihr Rathgeber." Anfangs raste Lysias gegen den frechen Mann, der seine beiden Freunde beschimpfte; aber Alkymos wußte seine Behauptung mit so vielen Gründen zu unterstützen, so viel Beweise für Abtrünnigkeit und die Verrätherei des Hohenpriesters in Angelegenheit der Syrier darzulegen, daß der Vicekönig, ihm endlich Gehör gebend, nicht nur jede friedliche Gesinnung gegen die Israeliten unterdrückte und den festen Beschluß faßte, sie mit aller ihm zu Gebote stehenden Macht zu verfolgen, er erklärte vielmehr den Menelaus seines Amtes und seiner Würde entsetzt und trug dem falschen Alkymos dessen Stellung an. „Ich bin unwürdig," rief der Falsche, „dieses hohe Amt zu verwalten, ich habe weder die Eigenschaften, die dieser Würde entsprechen, noch ist meine Familie eine derartige, daß ich nach einer solchen Stelle meinen Blick je gerichtet hätte. Wähle einen Würdigern, Lysias!" Doch diese scheinbare Bescheidenheit, dieser Widerspruch machte den Entschluß des Vicekönigs nur um so fester und unumstößlicher. Neander wurde mit Unwillen und Vorwürfen entlassen und Alkymos sogleich, mit Vollmachten und Aufträgen strengster Art beauftragt, nach Jerusalem abgesendet. Auch die Maccabäer hatten die Hand nicht in den Schooß gelegt und gingen daran, eine befestigte Stadt nach der andern zu belagern, um den Syriern jeden Ruhe- und Vertheidigungspunkt zu nehmen. Jonathan hatte eben Jaaser mit den Seinigen umringt und traf die möglichsten Vorkehrungen, der Stadt jede Zufuhr von Nahrungsmitteln abzusperren, nachdem ein Sturm auf sie zu gefahrvoll und er seine Krieger nicht einer sichern Gefahr aussetzen wollte, als Amram ihm über die Stellung der Feinde jenseits des Jordans Nachricht brachte und wie Judah dort immer siegreich vorschreite. „Und du fragest nicht, wo Jphigenia weilt?" sagte er endlich, als er seinen Bericht geschlossen. „Erst meine Pflicht und dann erst meine eigenen Angelegenheiten. — Nun, Amram, was weißt du von ihr, der ich meine Theilnahme noch immer nicht entziehen kann." „Täusche dich nicht, Jonathan. Es ist mehr als bloße Theilnahme, noch ist das Mädchen dir theuer und sie verdient es; Verirrung, Fügung in den Willen ihres bethörten Vaters waren es, die sie in deinen Augen herabgesetzt; dein Herz hat nie an ihrer Unschuld gezweifelt. Jphigenia ist in Jaaser, hier in der Stadt, die du eben belagerst, Gerson ist bei ihr, der sie wie ihr Schatten begleitet, Alkymos, der die Mordbrenner nach Achsaf entsendet, um ihrer habhaft zu werden, hat sie Hieherbringen lassen, aber Gerson, der ihren Aufenthalt entdeckt, hat sie ausgesucht, ist bei ihr und bewacht sie."