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Deborah · 1866-06-10 · Heft 13 (10.6.1866) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 13 (10.6.1866)
Date
1866-06-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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— 130 — es nur in seinem Gewissen nicht gefährdet wird. Gib uns Gewissensfreiheit und unsere alten Rechte/' „Meine Instruction lautet nicht so. — Schleunige Durchführung des königlichen Befehls, Ausrottung euerer Religion, Literatur, Sitte, Anschauung und eueres Gesetzes ist mir'aufgetragen. Wer sich nicht fügt, der sei des Todes." „Diesen Auftrag wirst du nicht ausführen," erwiederte Jose mit Jugeudbegeisterung. „Jede Armee, die unsere Ueberzeugung besiegen will, wird ihr Grab in unfern Bergen finden. Unser Land ist unser, Gott hat es uns gegeben, wie sein Gesetz zum ewigen Erbtheil. Wenn die Berge wanken, der Libanon zur Sandfläche wird, Gottes Gnade wie unser Glauben wanken nicht. — Wir sind unzerstörbar, so lange wir am Glauben unserer Väter halten, denn in ihm wie in uns lebt ein ewiger Geist. Der Mensch besitzt eine unbesiegbare Macht, Ueberzeugung ist ihr Name. Reichthum kann sie nicht erkaufen, Macht sie nicht nehmen, Heere sie nicht besiegen, wie Gott, schläft und schlummert sie nicht, sie bewacht Israel, ist Israels Feste; Syriens Armeen werden nutzlos geopfert, Israel wird und muß siegen." „Und soll ich an meiner Sache zum Verräther werden?" „Der ist kein Verräther, der die Stimme der Gerechtigkeit und der Vernunft eher hört, als die Befehle eines schwachen, gereizten, geisteskranken Herrn. Es gibt eine Geschichte, diese ist der gerechte Richter, wenn die Gegenwart ungerecht verurtheilt. — Nur der ist ein Verräther, der gegen sein Gewissen, gegen seine Ueberzeugung ungerechten Befehlen gehorcht." „Höre, ben Joeser!" sagte Ptolomäus endlich nach einigem Nachdenken. „Höre den Sohn Hierams, den einstigen Freund Salomons. Gehe hin und sage deinen Brüdern, ich willige ein. Gehe hin und sage den Häuptern deines Volkes, ich habe deine Bitte gehört und gewährt." Jose wollte sprechen, doch Ptolomäus hatte bereits das Gemach verlassen. „Gerecht bist du, o Gott! und deine Gnade waltet über Israel," rief er mit bebender Stimme und verließ den Palast. Aber wer begegnet ihm? — Gerson ist es. Mit verbranntem Gesichte, zerrissenen Kleidern, zerbrochenen Sandalen, verwirrtem Haare und erschöpftem Aussehen, so sieht er Gerson vor sich stehen. „Bist du es, Gerson?" ruft er aus. „Ich bin es, Vater Jose. Von Achsaf komm' ich herzu Fuße; Achsaf ist verbrannt/' „Und meine Schwester mit ihren Töchtern?" — „Der Feind hat sie getödtet, Alles hat er umgebracht, nur Amrcm und Jphigenia hat er sortgeschleppt." „Der Ewige gab's, der Ewige nahm's," sagte Jose. Eine Thräne glänzte im matten Auge des Greises. „Gelobt seist du Gott, du gerechter Richter!" Gerson beschrieb die Mordsccne, die Schrecken, das Angstgeschrei und das große Unglück und fuhr dann fort: „Gehetzt wie ein wildes Thier durchrannte ich die Wälder, aß, was ich am Wege fand, eilte immer weiter, dich zu finden; Gott sei gepriesen, ich habe dich gefunden. Und nun, Vater Jose! rette Amram und Jphigenia." „Ich will cs mit der Hilfe Gottes; doch Gerson, du mußt zurück in unsere Heimat." „Die Berge schwärmen von feindlichen Scharfschützen. Ich kann nicht dahin kommen." „Du mußt, und Gott wird dir helfen." „Aber meine Füße bluten, meine Arme und Hände sind vom Klettern wund, ich bin schwach, krank, das Fieber schüttelt mich." „Weißt du, was es heißt, dein Vaterland retten?" fragte Jose mit gewaltiger Stimme. „Mein Vaterland? Rede, Vater Jose! Soll ich auf meinen Knien nach Beersaba kriechen? Rede, befehle, ich gehorche." „Deine Füße bluten aber, deine Arme und Hände sind wund," sagte Jose. „Nein, nein, nein! Ich bin stark wie ein Löwe, wo es gilt, meinem Gotte zu dienen. Was soll ich thun, um mein Vaterland zu retten?" „Und Amram und Jphigenia," sagte Jose. „So gehe hin, mein Sohn, nach Mizpah, sage dem Helden Judah Maccabi, Ptolomäus wird nicht einrücken mit seiner Armee, sage ihm, er soll schlagen jeden Feind Israels diesseits und jenseits des Jordans. Esse, trinke, kleide dich, nehme mit auf den Weg, was du brauchst, aber bei deinem Leben, nur Judah darf deine Botschaft übernehmen, sonst darf keine Gewalt selbst dir das Geheimniß abringen/' — „Wenn ich aber unterliege?" — „Erliegen? Nein, du wirst die Botschaft überbringen, das bin ich überzeugt," und indem er seine Hand ihm auflegte, sprach er den bekannten Priestersegen, und als er geendet, sprang Gerson wie neugestärkt empor, sprach: „Amen!" fest entschlossen, den ihm gegebenen Auftrag zu vollführen. Zweiundzwanzigstes Kapitel. Die Botschaft. Die Straßen und Plätze des uralten Mizpah waren wieder ungemein lebhaft. Es waren nicht bärtige Krieger, Priester und Seher, es waren dieses Mal Weiber und Mädchen, schwarzäugige Zionstöchter, die zu Tausenden herbeigeströmt waren, die heimkehrenden Helden zu empfangen, nachdem Nicanor und Gorgias aufs Haupt geschlagen waren, diese in Folge des Verlustes ihr Lager in Brand steckten und demungeachtet viel Beute in die Hände der sie verfolgenden Patrioten gefallen war. Der Sieg war vollständig gewesen. Auf allen Hügeln loderten Signalfeuer und das ganze Land jauchzte. Doch getrauete sich Judah nicht, die Feinde jenseits des Jordans anzugreifen, weil er die unverzügliche Ankunft der syrischen Hauptarmee unter Anführung Ptolomäus' fürchtete; er zog sich nach Mizpah zurück. Ucberall wurden die Helden enthusiastisch begrüßt und Tausende von Flüchtlingen schloßen sich ihnen an. So war der Marsch von Emaus bis Mizpah ein Triumphzug für die Helden. Wie zu den Zeiten Davids erwarteten die Sieger- Weiber und Kinder allenthalben und zogen ihnen mit Tanz und Paukenschall entgegen. Mutter Miriam empfing ihre Heldensöhne in stiller Begeistcrung. „Im Traume hat Vater Matathia mit mir gesprochen vom kühnen Hcldcnmuthe seiner Söhne," sagte sie, die Helden umarmend. „Der Geist des Patriotismus, Mutter! den du in die Seele deiner Kinder gegossen," sagte Jonathan, „mußte solche Früchte tragen." Judah legte das Löwenbanner zu den Füßen der Mutter. „Das Banner, das Ihr in der Wüste am Todtenbette

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