Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 13 (10.6.1866)
- Date
- 1866-06-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566634-2566635-2566642--71-2566733- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 129 — Judenthum bezüglicher Dichtungen, Dichter aller Zungen enthaltend. Von seinen sehr zahlreichen in österreichischen und deutschen Zeitschriften erschienenen Aufsätzen sind aber die frischen, zeitgeschichtlichen Skizzen zu erwähnen, welche unter dem Titel: „Aus halbvergangener Zeit", erschienen sind. Und auch sonst wirkte er in Sachen der Kunst und Wissenschaft, wenn es ihre Förderung oder ehrenvolle Vertretung im Kaiserstaate galt, anregend und unterstützend. So wurde anläßlich seines Sommeraufenthaltes in Heiligenstadt bei Wien von ihm die Errichtung des Bcethovendenkmals beantragt und, wie schon früher das Gluck's in Wien, ausgeführt. Von ihm rührt der Antrag her, sich an den Reichsrath wegen Reisestipendien für junge Dichter, Componisten und bildende Künstler zu wenden. Als Antragsteller wurde ihm die Aufgabe, das entsprechende Memoire zu entwerfen. Die Sache hatte den günstigen Erfolg, daß 10.000 fl. jährlich zu diesem Zwecke votirt wurden. Eine zweite Reise durch Deutschland gab, so wie die erste im Jahre 1845 Anlaß, theils zur Anknüpfung literarischer Verbindungen, theils zu Begegnungen mit interessanten Persönlichkeiten. Im Mär; 1863 wurde seine 25jährige Dienstzeit als Archivar der Wiener israelitischen Gemeinde gefeiert, bei welcher Gelegenheit ausführliche Würdigungen der auch amtlichen Verdienste Frankl's in seinem Wirkungskreise veröffentlicht wurden. Aus Anlaß seines Amtsjubiläums haben die geistlichen Funktionäre, die Beamten und Bediensteten der Gemeinde ihm zwei prachtvolle Album überreicht, die mit Gemälden, welche sich auf Frankl's Reisen im Oriente, wie auf seine dichterischen Werke beziehen, geschmückt sind. Frankl sind neben dieser noch mannigfache literarische und sociale Auszeichnungen widerfahren: Hanimer-Purgstall widmete ihm seine „Duftkörner", Dr. Siegfried Kapper seine „Slavischen Melodien", Dr. Leopold Kompert seine „Ghettogcschichten", Adolph Dux dieUebersetzung von „Petöfi's Gedichten",^. E. Stern „Die Stimmen der Dreieinigkeit", Friedrich Uhlseine „Märchen", Joseph Weil „Humoristische Vorträge", Dr. S. Mühsam „Die Sibylle" u. s. w. Frankl ist Ehrenbürger seiner Gcburtsstadt. Die Städte Palästina's Zaphet und Tiberia am galiläischcn Meere haben ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen; ihm aber aus diesem Anlässe, weil nach altpalästineusischem Rechte nur ein dort Ansäßigcr Bürger werden kann, je eine Grundparzelle geschenkt. Frankl ist Ehrenmitglied des Musik- und Handwerker-Vereines, des Haydn-Comite's in Wien, des Kepler-Vereines in Stadt Weil, des Mozarteums in Salzburg, des obdcrcnnsischen Vereines in Linz, des historischen Vereines für Steiermark und Krain, der Gartenbaugesellschast in Frauendorf, der Alterthumsgesellschaftcn in Alexandrien und Kairo, der Gesellschaft der Aerzte und der Naturforscher in Athen, der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien, Commandeur und Ritter mehrerer Orden und Gelehrten-Medaillen. Indem wir bis hieher größtentheils den Daten von Wurzbach's „Biographischem Lexikon" folgten, fügen wir noch Folgendes, was der Dichter später schuf und erlebte, bei: Im Jahre 1864 gab Frankl ein Buch: „Ahnenbilder", heraus, welches Gestalten, Gruppen und Sccnen aus Palästina in epischer Form schildert, wie denn überhaupt diese die den Dichter zumeist charakterisirende ist. Um seine durch ununterbrochene geistige und amtliche Thätigkeit angegriffene Gesundheit herzustellen, begab er sich im Jahre 1865 in das dänische Seebad Helsingör, besuchte Kopenhagen, schiffte sich nach Schweden ein, wo er in Stockholm, Sund, Upsala in literarischen und geselligen Kreisen die gastlichste Aufnahme fand, und namentlich vom Könige Carl XIV. und vom Prinzen Oscar von Schweden, die Beide Poesien in schwedischer Sprache herausgegeben haben, mannigfach ausgezeichnet wurde. Frankl ist jetzt mit der Schilderung seiner Reise nach dem scandinavischen Norden und mit der Redaction seiner „Gesammelten Schriften" beschäftigt, deren Herausgabe eine der ersten deutschen Buchhandlungen übernommen hat. Frankl ist von bedeutenden Künstlern, wie Waldmüller, Amerling, Pollak, Rahl gemalt, von Fernkorn Plastisch dargestellt; wir lassen zur schriftlichen Illustration seines hier nach einer Photographie ausgeführten Porträtes die Schilderung folgen, welche der Schriftsteller Haltaus vor mehreren Jahren in den „Zeitgenossen" von ihm entworfen hat: Frankl ist mittelgroßer schlanker Gestalt, in Haltung und Bewegung gewandt. Braunes geringeltes Haar umgibt eine hohe, breit gewölbte Stirne. Die Augen sind dunkel und bei melancholischem Ausdrucke doch lebhaft feurig. Er spricht nicht viel, doch angeregt durch ein ihm interessantes Thema wird er beredt und geistig, wobei der sonore Klang seiner Stimme auffällt, was ihn bei seiner Gabe, trefflich vorzulesen, ganz besonders unterstützt. Ein Zug von satyrischem Humor mischt sich dem Inhalte seiner Rede bei, die von sinnlich geschwellten Lippen fließt. Sein Benehmen ist das eines feinen Weltmannes, anregend und theilnehmend. Im Aussprechen kritischer Urtheile ist er scharf, was ihm manchen Feind zuzog." Warnhagen charakterisirt Frankl in seinen Tagebüchern 1862: „Dr. Frankl gefällt mir, er hat ein offenes Wesen, einen feinen Sinn." Frankl's Gedichte sind in französischen, englischen und italienischen Chrestomathien mit Charakteristiken seiner poetischen Richtung erschienen; daß jede deutsche Literaturgeschichte ihn nennt und zeichnet, ist selbstverständlich. Wir begnügen uns, eine kurz zusammenfassende Charakteristik seiner literarischen Leistungen, diese Skizze abschließend, hier mitzutheilcn: In den „Blättern für literarische Unterhaltung" sagt Dr. Hermann Markgraff von ihm: „.... Ein echtes ursprüngliches Dichtergemüth, ist er kein Freiheitsdichter in dem üblichen Sinne des Wortes, aber alle seine Dichtungen ringen, wie die eines jeden echten Dichters, nach Freiheit und Licht. Er läßt in seinem „Colombo" den Helden daran scheitern, daß er, von Entdeckungssucht getrieben, den Sclavenhandel einführt. Sein „Don Juan de Austria" ist überall sieghaft, wo er für das Recht kämpft, er stürzt, da er die Freiheit der Niederländer angreift. Im „Primator" siegt die Freiheit im Glauben über pfäffischen Fanatismus, während im „Magyarenkönig" das freie Volksthum seine Verklärung findet. Seine „Glaubensstreiter und Propheten" sind eben so viele Kämpfer für Licht und Freiheit. Ihm ist eine mächtige plastische Gestaltung eigen, eine edle Form und selbst da, wo die Production minder glücklich ist, läßt sie noch immer eine stets reine Kunstgesinnung erkennen. Frankl zählt zu den ersten Poeten Oesterreichs." Die Hasmonäer. (Fortsetzung.) Einundzwanzigstes Kapitel. Uebergang. Jose ben Joeser kam bei Ptolomäus an und ward von ihm empfangen. — Nach langen Verhandlungen über Gegenstände des Glaubens machte sich Jose daran, den Gouverneur für einen Waffenstillstand zu stimmen. „Im Namen einer gekränkten und verkannten Nation komme ich," sing Jose an. „Gebe uns, hoher Herr! einen Waffenstillstand und schlage deinem erhabenen Könige Friedensbedingnisse vor, auf Grundlage freier Justiz und freier Religionsübung. — Wir wollen Steuer zahlen, in seinem Heere dienen, Israel ist treu, anhänglich und tapfer, wenn