Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 13 (10.6.1866)
- Date
- 1866-06-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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— 128 — Liebe zur Poesie war die gleiche geblieben und wurde durch Ossian, Uhland, Müüner, Körner, Oehlenschläger, Houwald, Grillparzer u. s. w. noch mehr genährt. Aus dieser Zeit stammen Balladen und Dramen, als: „Rudolph von der Wart", „Wenzel der Heilige", „Mana Zeka", „Agnes von Sezyma", „Die Brautuacht", auch Gedichte in böhmischer Sprache, welche als Jugendarbeiten bis auf ein böhmisches Gedicht nie gedruckt wurden. In den Ferien 1827 ging er nach Wien, wo er den Freiherrn von Hormayr aufsuchtc und demselben ein Gedicht „Jan Pancir" übergab, der es, den jungen Dichter in der Literatur einführend, im „Archiv" 1828 abdrucken ließ. Frankl, sich vom Unterrichtertheilen erhaltend, wählte die Medicin zum Berufsstudium; doch immer behielt die Poesie die Oberhand. Eine Ferienrcise mit einem seiner Schüler, dem jetzigen Rathe der Stadt Wien, Gustav Figdor, ins Salzkammergut, dessen Naturreize das Herz des jungen Lyrikers entfesselten, rief eine Reihe von Gedichten ins Leben. Der alte Balladenvorrath wurde nun auch durchgemustert und da die meisten ihrem Stoffe nach der vaterländischen Geschichte angehörten, zu einem Ganzen vereint. So entstand 1832 das „Habsburgslied". Dies brachte Frankl mit den Koryphäen der Wiener Schriftsteller in bleibende Berührung, und machte den Namen des jungen Poeten in weiten und in den besten Kreisen bekannt. Nun folgten mehrere poetische Arbeiten: „Epische und lyrische Dichtungen"; „Morgenländische Sagen". Um letztere herauszugebcn, reiste er über Prag nach Dresden und Leipzig. Das Erscheinen des Gedichtes „Christophvro Colombo", aus welchem Proben Tieck zu einem vielversprechenden Urtheile veranlaßten, traf nahezu mit dem Zeitpunkte seiner Promotion zum Doctor der Medicin im Jänner 1837 in Padua zusammen. Die Stadt Genua zeichnete den jungen Dichter mit ihrem Ehr-ndiplome und der Uebersendung eines Prachtexemplares des „Codice Colombo" aus. Nun bereiste Frankl Italien, an den Kunstwerken von Venedig, Florenz, Neapel, Pästiun, Pompeji und Rom seinen Geschmack läuternd und durch Männer, wie Mezzofanti, Thorwaldsen, Overbeck und Andere, welche er meist im Salon der von ihrem Gemahl geschiedenen Prinzessin Caroline von Dänemark kennen lernte, mannigfach angeregt. Auf seiner Rückkehr lernte er in Mailand zwei Landsleute aus Böhmen, die DichterWilhclmMarsanounvJoseph EmanuelHilscher kennen, welch letzterer, damals schon leidend, bald darauf starb, worauf Frankl seinen Nachlaß mit einer Biographie des Verblichenen 1837 herausgab, desselben, dem seine Geburtsstadt Leitmeritz im Jahre 1864 ein erzenes Denkmal setzte. Nach Wien zurückgekehrt, galt es für seine Zukunft sorgen, und Frankl nahm 1838 die ihm angebotene Stelle eines Sekretärs und Archivars der Wiener israelitischen Gemeinde an, und lebte, dem ärztlichen Berufe ganz entsagend, fortan der Literatur und seinem Amte. In diese Zeit fällt die Uebernahme der Redaction des „Oesterreichischen Morgenblattes" und die erausgabe seiner gesammelten Gedichte. 1842 begann er die edaction und Herausgabe der „Sonntagsblätter", eines vielfach anregenden, mit Geist, Tact und Geschmack redigirten, noch jetzt in den Tagen der Preßfreiheit nicht ersetzten Blattes, mit welchem später ein Kunstblatt verbunden ward, worin bereits damals jene Reformen beantragt und motivirt wurden, welche die Kunst im Kaiserstaate in der Gegenwart erfährt. Während die berühmtesten Schriftsteller Mitarbeiter des Blattes waren, sammelte Frankl, fördernd und theilnahmvoll jüngere Talente um sich, die sich später einen Namen machten. Diese Pflege und Vorführung jüngerer Talente war mit ein auptverdienst der Sonntagsblättcr. Im Interesse seines lattes unternahm er 1845 eine Reise nach Deutschland, um mit den Koryphäen der Literatur Verbindungen anzuknüpfen. Im Jahre 1846 war sein Epos „Don Juan de Austria", früher das Gedicht-„Rahel", seit dem in achter Auflage erschienen, und zweimal von M. E. Stern und Dr. Lctteris ins Hebräische übersetzt, lieber solcher Beschäftigung traten die Märzcreignisse 1848 ein. Das elegante, die Interessen der Kunst und Literatur vertretende Salonblatt wurde nun die Chronik der denkwürdigen Ereignisse jener Tage, in deren Aufzeichnung sich den Ansichten der demokratischen Partei hinncigend. Am 15. März erschien von Frankl ein Gedicht: „Die Universität", das erste censurfreie Blatt in Oesterreich, das in einer halben Million Exemplaren verbreitet,.von 27 Musikern componirt, daspopulärsteFlugblattjenerZeit wurde. Im Oktober desselben Jahres nahmen die „Sonntagsblätter" nach nicht ganz vollendeter Jahreswoche, durch den Fürsten Windischgrätz unterdrückt, ihr Ende. Während des Belagerungszustandes Wiens traf Frankl, wegen einer von ihm beabsichtigten Geschichte der Wiener Revolution, ein Verbannungsdecret. Nach längerer Pause trat er theils mit ernsteren Arbeiten hervor, als mit einer Uebersetzung serbischer Gesänge, unter dem Titel „Gusle", Beiträgen zur Geschichte der Juden in Wien, zur Biographie seines Freundes Nicolaus Lenau, theils betrat er ein neues Gebiet, jenes der Satyre, indem er dem ärztlichen Charlatanismus in drei mit vielem Humor und kaustischem Witze geschriebenen Satyren in gebundener Rede, welche rasch acht Auflagen erlebten, tzu Leibe ging und das lachende Publikum auf seiner Seite hatte. Im Jahre 1850 ward Frankl mit in den Vorstand der israelitischen Gemeinde gewählt, und 1851 als Director des Wiener Musikvereines und als Professor der Aesthetik in demselben. Beide letzteren Stellen legte er, nachdem es auf seinen Antrag gelungen ist, vom Staate und der Stadt Wien je eine jährliche Subvention von 3000 fl. zu erwirken, nach kurzer Zeit nieder. Ein um diese Zeit anonym in Leipzig erschienenes Gedicht von Frankl: „Ein Magyarenkönig", das ein Spiegelbild der Ereignisse in Ungarn während der Revolution voll energischer Gedanken und intensiv poetischer Scenen war, wurde auf Befehl der Belagerungsbehörde in Pesth öffentlich vernichtet. Das ernstlichste und folgenreichste Ergebniß dieser letzten Jahre steht aber in Verbindung mit seiner nach dem Orient unternommenen Reise, um eine Stiftung der Frau Elise Herz gebornen von Lamel, eine Lehranstalt in Jerusalem, ins Leben zu rufen. Am 11. März 1856 trat Frankl die Reise an und kehrte, um seine seit Jahren schon leidende, treffliche Gattin, mit der er sich im Jahre 1843 in Prag vermählt hatte, sterben zu sehen, im August desselben Jahres nach Wien zurück, nachdem er seine von zahllosen Hemmnissen durchkreuzte Aufgabe glücklich gelöst, darüber iu dem Werke: „Nach Jerusalem!" Bericht erstattet hat. Es ist ein für die Kenntniß der israelitischen Zustände im Oriente namentlich bedeutendes Buch; das erste Werk, welches mit statistischen Nachweisen und in schonungsloser Darstellung der großen Uebelstände, die prosaische Seite des meist nur poetisch verklärten Orients aufdeckt. Auch ist diese Reise sonst vielfach anregend, und sind die Schilderungen über Oertlichkeiten und über einzelne Personen in hohem Grade interessant. Seit seiner Rückkehr aus dem Orient nach Wien, wo er sich im Herbste 1857 zum zweiten Male mit der geistvollen, schönen Nichte seiner ersten Gattin vermählte, entfaltete Frankl eine reiche literarische Thätigkeit. Sein Reisebuch: „Aus Egypten" fand die gleiche lebhafte Theilnahme, wie das frühere. Beide Werke in 5500 Exemplaren verbreitet, wurden ins Hebräische, Englische, theilweise ins Französische, Italienische und Holländische übersetzt. Das epische Gedicht: „Der Primator," seither in drei Auflagen erschienen, und zweimal von I. Fischer und Dr. M. Letteris ins Hebräische übersetzt, das einen chronikalen Stoff aus Prag behandelt, überragt noch die Productionen aus der Jugendzeit durch intensive Kraft und plastische Gestaltung, und das „Helden- und Liederbuch" in glücklicher Auswahl dir lyrischen und epischen Productionen des Dichters vereinigt. Wahrend eines Curaufenthaltes in Karlsbad schrieb Frankl ein dramatisches „Festspiel" zur Begrüßung der daselbst versammelten Naturforscher, dessen Reinertrag 335 fl. für das Kepler-Denkmal in Stadt Weil bestimmt wurde. Ebenso schrieb er einen Prolog zu Goethes 112. Geburtstag in Carlsbad, und gab daselbst auch eine poetische Broschüre: „Beethoven, Schiller und Goethe in Carlsbad" heraus. Auf Aufforderung des Stadtrathcs im Bade Tcplitz schrieb er zu dessen llOOjährigcm Jubiläum ein Festspiel: „Die Quellnymphe," welche Productionen enthusiastischen Beifall fanden. In letzter Zeit edirte Frankl die dritte Auflage „Libanon, poetisches Familienbuch", einer Anthologie aufs