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Deborah · 1866-04-01 · Heft 7 (1.4.1866) · page 5

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Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 7 (1.4.1866)
Date
1866-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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— 75 — gegen Menelaus war maßlos. Er sandte Befehl nach Jerusalem, Aspasia zur Oberpriesterin der Venus einzusetzen, Jphigenia für den Tempelschänder Jonathan zu opfern, Menelaus in seinem Palaste unter strengster Aufsicht und Wache gefangen zu halten. So wollte er seines Feindes sich entledigen. Kaum aber waren die Boten nach Jerusalem abgeschickt, als schon die Nachricht eintraf, daß Jonathan das Heer des Philippus gänzlich geschlagen, Philippus selbst in der Schlacht gefallen sei und Alkymos sich, man wußte nicht wohin, flüchten mußte. Philippus war ein Busenfreund des Apollonius, und die Nachricht machte ihn vollends rasend. Wie eine wüthende Bestie raste er gegen Freund und Feind und gab Befehl, keinen Hebräer im Lande zu lassen. Tod oder Sclaverei sollte das Loos Aller sein; Kinder, Weiber, Greise oder Männer, wer nicht die Waffen für den König ergriff oder ergreifen konnte, wurde entweder verkauft und nach dem Auslande geschleppt, oder niedergemetzelt. Das verstärkte Judah's Macht noch mehr und beschleunigte seine Pläne. Es kam bei Bethlehem zu einer wüthenden Schlacht, wie beide Feldherren es wollten, lange ehe Seron's Heer den Kampfplatz erreichen konnte. Wir wollen unsere Leser mit dem grauenhaften Bilde jener wüthenden und mörderischen Schlacht verschonen und wenden uns nach Jerusalem, wo nach dem Befehle des Apollonius Menelaus, nachdem er von seiner Tochter Abschied genommen hatte, in strenger Haft in seinem Palaste gehalten wurde, Aspasia war Oberpriesterin der Venus und Jphigenia bereitete sich zum Tode vor. Es war die letzte Nacht ihres Lebens, mit dem ersten Morgenstrahl sollte ihr Blut die beleidigte Göttin versöhnen. Allein wollte sie die Nacht zubringen, aber Aspasia gönnte ihr auch diese letzte Freude nicht. Sie quälte ihr hülfloses Opfer mit unmenschlicher Grausamkeit. Im weißen Gewände, das schwarze Haar mit Lilien geschmückt, saß Jphigenia da, blaß und stumm, das Bild einer Märtyrin. Sie klagte nicht, zitterte nicht, die Resignation und die Begeisterung der Liebe blitzten noch in ihren Augen und ein wehmüthiges Lächeln schwebte um ihre Lippen. Ihr gegenüber saß Aspasia im priesterlichen Schmuck, eine triumphirende Helle in den Blicken, ein Satanslächeln auf den Lippen. „Meine gute, bedauernswerthe Jphigenia!" redete sie die Märtyrin an, „der König und Apollonius haben befohlen, daß du für Jonathan den Matathia sterbest; du wirst der Göttin, deren Altar er entweiht, geopfert, und er —" „Was wird er thun?" fragte Jphigenia hastig, wie aus einem Traume erwachend. „Er wird ein anderes Weib umarmen und sich trösten," ergänzte Aspasia höhnisch. „Ehe Helios die Thore des goldnen Morgens öffnet, ist das Blut der keuschen Jphigenia auf dem Altäre der großen Göttin verspritzt, und er —" „Wird ewig mich lieben, die freudig für ihn stirbt," sagte Jphigenia und ein flüchtig Roth überflog die blassen Wangen. „Ich bewundere des Weibes edle Natur," sagte Aspasia ruhig, kalt und schrecklich. „Zehntausend Mal in den schönsten Hoffnungen getäuscht, betrogen, hintergangen, wiegt sich das liebende Herz doch in den Zauberklängen seines eigenen Echo's. Nicht der Mann, das Weib liebt so, wie Jphigenia die Liebe sich denkt. Meine gute, edle Jphigenia! du stirbst, ihn von drückenden Eiden und lästigen Versprechungen zu befreien. Sterbe nicht, Jphigenia! noch Ms Zeit, dein kostbares Leben zu retten. Kann ich den Priestern die Versicherung geben, daß Jonathan zurückkehrt, bist du gerettet. Rufe ihn zurück und er wird kommen, er läßt nicht dich für seine Sünde sterben; rufe ihn zurück und lebe für deinen verzweifelnden Vater, für das liebende Herz deines Freundes Alkymos. Rufe ihn zurück, und ich schwöre dir's bei den unsterblichen Göttern, es soll kein Haar ihm gekrümmt werden." „Schwöre bei deiner Keuschheit, bei der Kälte der Sonne, bei der Güte des stürmischen Meeres, der Fruchtbarkeit der Wüste, bei deiner Tugend schwöre," sagte Jphigenia, „und ich glaube dir eben so, als wenn du bei Göttern schwörst, die nicht existiren. Verlasse mich, Aspasia! diese letzten Stunden will ich allein mit Gott, mit meinem gebeugten Vater und mit Jonathan verbringen. Mit den Erinnerungen der Liebe will ich sterben und mit ihnen im Reiche der Seligkeit auferstehen. Jonathan lebt für die Sache Gottes und Israels und ich — ich sterbe für ihn." Aspasia lachte laut wie die jauchzende Hölle, als sie höhnisch versetzte: „Die Tochter des Menelaus, der seinen Gott und sein Volk verrathen, hofft und'glaubt! Der weise Vater hat keinen Gott und keine Religion, und die Tochter glaubt und hofft! Armes, betrogenes Kind, laß von den Bildern deiner kranken Phantasie dich nicht täuschen." „Weg von mir, du zischende Schlange," rief Jphigenia, „raube meine Hoffnung, zerstöre mein Heiligthum nicht." „Ereifere dich nicht, gutes Kind, und höre mich: Das Leben ist süß, bitter der Tod, die Hoffnung ist ein weites Meer, und kein Wanderer kam noch zurück, uns das Land der Träume zu beschreiben." „Nein, nein! Leben und Liebe sind ewig, jenes ewige Leben, wovor du mit Schaudern und Schrecken zurückbebst, ist ewige Liebe. Dort, vor dem Throne der ewigen Gerechtigkeit begegnen wir einander wieder und dort richtet ein gerechter Richter, der von keiner Buhlerin bestochen wird. Jetzt laß mich allein, ich bitte dich." „Hier aber herrscht Aspasia," sprach sie trotzig, „und ich werde dich nicht verlassen, bis ich alle deine Illusionen zerstört und fürs Leben dich gewonnen habe." „Gib mir Kraft, o Herr, die Gegenwart dieser Schlange zu ertragen," flehte Jphigenia mit gefalteten Händen. „Sitze hier bis zum jüngsten Tage, erschöpfe alle Argumente der Hölle, verzische all deinen Gift; ich höre und sehe dich nicht mehr, du bist todt, verschwunden für mich. Diese letzten Stunden meinem Gotte, meinem gebeugten Vater, und dir, Jonathan." Jphigenia hielt Wort. Sie schien Aspasia's Vorstellungen, Toben, Fluchen und Rasen gar nicht mehr zu hören. Wie ein unschuldiges Lamm saß sie schweigend und ließ von dem wüthenden Weibe sich beschimpfen, lästern und kränken. Endlich schlug die Stunde der Erlösung. Der Tempelwächter verkündete durch vier dumpfe Trommelschläge die Nähe des Tages. Die Priesterinnen traten ein mit dem Opfergewande, der rothen, wallenden Tunic und der rothen Krone. Sie sangen dumpfe Grabeslieder und tanzten wie Gespenster im Kreise um Jphigenia herum. Jetzt schmückten sie das Opfer mit Tunic und Krone und sangen ihre schauerlichen Weisen. Fünfmal tönte das dumpfe Signal

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