Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 6 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566634-2566635-2566638--32-2566690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 62 — In aller Eile und Stille verließ er Ziklag mit fünfzig Kriegern. Als er aber fort war, erhob sich ein Levite und prophezeite: „Der Herr der Heerschaaren spricht zu Matathia's Sohn: Du bist mein Streitwagen und meine Reiterei. Kostbar ist dein Leben mir wie das meines Dieners David. Die Myriaden der Heiden gebe ich für dich, du sollst mit eigener Hand sie schlagen. Umgürte deine Lenden mit Kraft und mit dem Schwerte meines Dieners Joschua. Erhebe deinen Arm über meiner Feinde Haupt und schlage sie wie Samson die Philister geschlagen. Jonathan soll von meinen Engeln zum Siege geführt, über die Leichen der Feinde soll er zum Triumphe geleitet werden. Meine Engel sollen ihn führen, meine Cherubim sollen ihn leiten. — Zu euch aber spricht der Herr: — Ein Zeichen werde ich euch geben aus dem Lager der Feinde. Aufsteigen wird eine Rauchsäule und euch führen, wie in den Tagen Moses, meines Dieners. Zweihundert nur sollen daheim bleiben, zu schützen die Stadt, und die übrigen sollen Jonathan und dessen Waffenträger ins Lager der Philister folgen. Der Sieg ist Israels in aller Ewigkeit, so spricht der Herr." Nun fing der Streit an. Es wollte Niemand in Ziklag bleiben. Jeder wollte Jonathan folgen. Der ganze Einfluß der Propheten, Priester und Leviten war nothwendig, um zweihundert Mann in der Stadt zu behalten. Mit gespannter Aufmerksamkeit schaute Jeder nach dem Dorfe hin, die Rauchsäule zu gewahren. Todtenstill war's in Ziklag, die Aufregung hatte einen Höhepunkt erreicht, die sie stumm und schrecklich macht. Jetzt tönt's aus tausend Kehlen: „Die Rauchsäule! die Wolkensäule Mosis!" Der Damm war durchbrochen, wie wilde Fluten strömten die Krieger aus der Festung hervor, donnernd ertönte das Tekiah und Teruah durch die Luft, übertönt nur durch das wilde Brausen der Kriegesgesänge und der Psalmenmusik. — Betend und fluchend, singend und schreiend wogte die bewaffnete Masse auf der Ebene hin, entgegen der Wolkensäule, die sie deutlich sahen. „Schaue nieder vom Himmel, alter Matathia, und du wirst deine Freude daran haben, wie wir die Syrier durchklopfen werden," riefen die bärtigen, trotzigen Krieger. „Ich muß fünf syrische Schwerter für meine Jungen haben, die müssen zu Hause bleiben, weil sie keine Waffen haben," rief ein grauer Patriot. „Die Heiden sind faul und schläfrig geworden, wir müssen sie etwas durcheinander jagen," versetzte ein Anderer. Als sie dem Dorfe sich näherten und aus den brennenden Häusern die Kriegstrommeten Judah's tönten, da faßte sie eine wilde Begeisterung, das ganze Heer stürzte Psalmen singend und Gott preisend todesmuthig sich dem Feinde entgegen und ein wilder Kampf entbrannte. (Fortsetzung folgt.) Das Stmdrkcht. Skizze von L. Horowitz, Verfasser des „Koszitzer Maggid". (Aus einer nächst zu erscheinenden Sammlung jüdischer Novellen unter dem Namen „Alumoth".) Es war an einem Apriltagc des Jahres 1827, als vermittelst der k. k. Diligence an das Obcrstuhlrichteramt zu E.. ein wohlvcrsiegeltcs Packet überbracht wurde. Als Aufgabeort war ein benachbartes Städtchen bezeichnet. Bei der von dem betreffenden Beamten vorgcnommenen Entsicgelung zeigten sich als Inhalt: zwei silberne Uhren, ein goldener Siegelring, eine Meerschaumpfcife, sechsunddreißig Gulden in Noten und einige Silber- .und Kupfermünzen. Ein beigegebenes Schreiben mit ziemlich fehlerfreier Orthographie in ungarischer Sprache ohne Unterschrift gab über die nicht erwartete Zusendung einen Aufschluß. Der deutschen Uebersctzung nach lautete es. wie folgt: „Ein löbliches Oberstuhlrichteramt wird wohl mit gütiger „Nachsicht die einleuchtenden Gründe zu würdigen wissen, „die den Schreiber Dieses veranlaßten, seinen Namen zu „verschweigen, wiewohl er in seinem Gewissen sich in keiner „Weise strafbar fühlet. „Gestern ging ich, in der Absicht, die Nacht in E. . „zuzubringen, über den Fußsteig am Saume des Waldes, „der zwar des Unweges wegen selten benützt wird; von mir „aber vorgczogen ward, weil hier keine Waldbächc um diese „Jahreszeit die Wege schwierig machen. In meiner Rocktasche hatte ich ein Handpistolet, das ich gewöhnlich geladen „mit mir führe, wenn ich in einem fremden Gasthause zu „übernachten gedenke. „Sechs Uhr war vorüber und die Tagesregcutin, die „Sonne, hatte die ersten Anzeichen ihrer Reisefertigkeit gegeben, als ich an jene, den Bewohnern der Gegend wohl- „bekannte Stelle kam, wo einige umgcstürztc Baumstämme „das Ueberschreiten eines Baches auch dann erleichtern, wenn „derselbe im Frühjahre durch das Schmelzen des Schnce's „auf dem Gebirge das Uebcrspringen desselben nicht gestattet. „Ich war kaum einige Schritte von dem Bache entfernt, „als ich, zufällig einen Blick werfend in den Wald, der mir „zur Rechten lag, von einem grauenhaften Anblick ergriffen „ward. „Zwei menschliche Gestalten lagen mitten einer Blutlache und selber ganz vom Blute besudelt; ein junger Mann, „etwa 28 bis 30 Jahre alt, stand daneben, damit beschäftigt — die Taschen der Leichen zu durchsuchen. „Daß es bereits Leichen waren, daran konnte ich keinen „Augenblick zweifeln, da von ihnen nicht einmal ein leises „Röcheln zu vernehmen war. Der schuftige Plünderer hatte, „da das Geräusch meiner Schritte wegen des sandigen „Bodens nicht vernehmbar war, meine Annäherung erst „wahrgenommen, als ich, das Pistolet mit gespanntem Hahn „in der Hand, gegen ihn losstürzte und ihm zudonnerte: „Was gibt es hier?" „Erschrocken fuhr der so Angedonnerte auf, und Alles „fahren lassend, machte er den Versuch, zu entfliehen. Ich „rannte ihm nach, drückte los und traf ihn so fest in das „rechte Bein, daß er mit dem Ausruf: „Ich bin verloren!" „unter sich zusammenstürzte und bittend die gefalteten Hände „zu mir erhebend, rief er: „Erbarmen, Herr, Erbarmen!" „Gestehe mir ohne Hehl, was hier vorgegangen ist," „sagte ich mit drohend erhobener Faust. „Der Elende gestand mir hierauf, daß er, ein wandernder Handwerksbursche, vor kaum einer halben Stunde „desselben Weges gekommen war, und zwei unter einem „Baume im tiefen Schlaf versunkene Israeliten neben einander liegend fand. Die sündhafte Begierde, sich ihrer Hab- ,-,seligkeiten zu bemächtigen, ergriff ihn so unwiderstehlich, daß „er, ohne viel zu überlegen, zwei zugespitzte Steine suchte, in „jedeHand einen derselben nahm, sich den Schlummernden leise „nahte, und Beide zu gleicher Zeit so kräftig auf das Haupt „schlug, daß der Eine, der jüngere, an der Schläfe getroffen, „blos einen einzigen Laut von sich gab und sich gar nicht mehr „regte; der Andere, am Scheitel verwundet, fuhr auf und „versuchte sich zu wehren: allein einige derbe Hiebe nach