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Deborah · 1866-03-15 · Heft 6 (15.3.1866) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 6 (15.3.1866)
Date
1866-03-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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— 61 — Treulosigkeit, jeder Hauch der Liebe mich an ihre Verbrechen erinnert. —Tröste dich, Schwesterchen! es gibt noch größere Leiden." Der Diener meldete einen Boten aus dem Lager des Feindes und Jonathan befahl, ihn vorzuführen. Wer beschreibt aber die Ueberraschung Rebecca's, als Amram in syrischer Uniform als Bote des Feindes vorgeführt wurde. Zornglühend erhob sie sich von ihrem Sitze und ohne ihn eines weitern Blickes zu würdigen, wollte sie das Gemach verlassen. „Bleibe, Rebecca! im Namen der Liebe, der Treue, des namenlosen Schmerzes, der unaussprechlichen Sehnsucht beschwöre ich dich, bleibe und höre mich!" „Der Mann im syrischen Gewände ist meines Volkes Feind, ich hasse ihn!" sagte Rebecca. „Ich bin nicht meines Volkes Feind," rief Amram, „ich diene der heiligen Sache —" Rebecca, die glaubte, er wollte sagen, er diene der heiligen Sache des Königs, unterbrach ihn hastig mit der Frage: „Willst du kämpfen für Gott und Freiheit?" „Ich darf nicht," antwortete er schmerzlich. „Und Matathia's Tochter darf mit keinem Verräther sprechen," sagte sie und verließ das Gemach. „Bleibe! Bleibe! Nur noch ein Wort!" rief Amram ihr nacheilend. „Halt ein! Bote des Apollonius, was willst du?" fragte Jonathan stolz und kalt. „Kein Ehrenmann, kein pflichtgetreues Kind bricht den Eid, den es dem Vater auf dem Sterbebette geschworen," sagte Amram. „Ich aber mußte schwören, nicht das Schwert zu ziehen gegen die Feinde des Königs. Ich kämpfe nicht und werde diese That vor Gott verantworten. Doch diene ich der heiligen Sache meines Volkes, in meiner Weise zwar, aber ich diene. Wisse, ich bin der Narr des Menelaus." „Genug, Amram, ich begreife deine Situation, du hast uns wichtige Dienste geleistet," sagte Jonathan besänftigt. „Schweige jetzt von allen persönlichen Angelegenheiten und sage mir, was du willst." „Ich muß dir einen Brief vom Commandanten der feindlichen Truppen überreichen," sagte Amram, ihm den Brief überreichend. „Lieber möchte ich zwar mit dem Schwerte, als mit der Feder dem Feinde begegnen," sagte Jonathan; „aber ich will die Kriegessitte nicht verletzen." Gleichgültig erbrach er das dreifache Siegel und entfaltete den Brief. Was fehlt ihm? Er zittert, er erblaßt, seine Augen rollen wild. Es ist ein Brief von Jphigenia. Sie schreibt ihm: „Ich bin in Aspasia's Händen. Der Tod ist mir gewiß, weil ich dich aus ihren Klauen befreit. Mache keinen Versuch, mich zu befreien, es ist unmöglich. Du kannst mich nicht retten. Bleibe Gott und deinem Volke treu und vergesse deine sterbende Jphigenia." „Du kannst mich nicht retten," wiederholte er zähneknirschend und lief rasch im Saale auf und nieder. „Wer sagt, ich kann dich nicht retten? Ich will und werde dich retten, so wahr, wie Matathia's Geist unter den Helden Israels weilt," sagte er so laut, daß Amram den Inhalt des Briefes errieth. „Sei nicht voreilig, Jonathan," mahnte er, „ich befürchte einen arglistigen Streich, dich nach Jerusalem zu locken und dich in Aspasia's Hände zu bringen." „Ich fürchte den Satan und Aspafia nicht," versetzte Jonathan. — „Sage mir, Amram, wie kamst du zu diesem Briefe?" Nachdem Amram seine Unterredung mit Aspafia mitgetheilt hatte, fuhr er fort: „Die syrischen Soldaten, die mich nur als den Narren kannten, schleppten mich mit, um, wie mir's schien, ihren Spaß zu haben, und ich folgte ihnen gerne, um vor der Hand Aspasia's Nachforschungen zu entgehen und hier vielleicht bessere Dienste zu leisten; als ich aber diesen Morgen mit diesem Briefe abgeschickt wurde, fiel's mir ein, daß ich zu diesem Zwecke mitgebracht wurde, weil man dieses Schreiben durch keinen verantwortlichen, als Zeugen glaubwürdigen Menschen schicken wollte, bediente man sich des besessenen Narren. Erlaube mir, Jonathan, meine Warnung zu wiederholen." „Man hat ihr erlaubt, durch den Commandanten der feindlichen Truppen einen Brief an mich zu schicken, das ist allerdings verdächtig," sagte Jonathan sinnend. „Entweder ist das eine Schlinge, oder sie fürchten meine Gegenwart in Jerusalem. — Wer ist der Commandant da drüben?" „Alkymos, der Günstling des Menelaus." .„Alkymos? das ist nicht möglich! Einen heiligen Eid hat er zu Mizpah geschworen, nie zu ziehen das Schwert gegen sein Volk. Mensch, es ist nicht Alkymos der Priester." „Es ist wahrlich Alkymos der Priester, der da drüben befiehlt unter Philippus, des Königs Freund und Günstling. Philippus aber schwelgt in den Armen der Wollust und Alkymos befehligt das Heer." „Höllische Lügenbrut, grauenhafte, meineidige Schlangen! jetzt verstehe ich euer Zischen," rief Jonathan zornig. „War ich doch Thor genug, zu glauben, ein Mensch, der seinen Gott verleugnet und sein Volk verräth, achte noch die Heiligkeit des Eides. Dieser Alkymos erfuhr, daß ich einst Jphigenia liebte, die er haßt und verderben will, er fürchtet also, daß ich sie retten werde, und man erlaubt ihr, mir die Unmöglichkeit, sie zu retten, brieflich vorzustellen. Wartet, ihr Nattern, ich will euch züchtigen!" „Bist du gewiß, Jonathan, daß es ihre Handschrift ist?" „Ihre Handschrift," sagte er, nochmals den Brief anschauend, „ganz gewiß." Er ließ sich von Amram die Stellung des Feindes genau beschreiben, erkundigte sich nach jedem Posten der Feinde und erfuhr Alles, was ihm zu wissen nothwendig schien, dann gab er Amram die Erlaubniß, zurückzukehren oder im Lager der Patrioten zu bleiben. „Ich kehre zurück nach Jerusalem," sagte Amram, „mein Werk ist noch nicht vollendet. Ich führe Menelaus zur Reue oder zum Selbstmorde. So lange noch des Feindes Schwert auf Judah's Boden blitzt, diene ich der heiligen Sache meines Volkes. Das Schwert ist nicht die einzige Macht, die den Feind schlägt. Dann aber, wenn Israels Löwenbanner triumphirend von allen Höhen weht, dann werde ich vor Rebecca treten und ihr Herz wiedergewinnen." Amram wurde mit verbundenen Augen, wie er es gewollt, abgeführt und Jonathan ertheilte Befehl, daß fünfzig Freiwillige ihm nach dem nahen Dorfe folgen, wo der Feind einen Vorposten hatte; sollte aber Rauch aus jenem Dorfe aufsteigen, dann sollten nur zweihundert Mann in Ziklag zu dessen Schutz bleiben, die übrigen sollten > kampsgerüstet ihm folgen.

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