Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 6 (15.3.1866)
- Date
- 1866-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 60 Der meine Augen küßt', die thräneufeuchten! Der Tag brach au, die Dämmerung verschwand, In Herrlichkeit erglänzte rings das Land, Nach Dessau sehet, schauet nach Berlin — Es schrieb mir Mendelssohn die deutsche Bibel. Die Hasmonäer. Historische Novelle, aus dem Englischen. Merzehutes Kapitel. Unerwartetes Begegnen. Judah Maccabee hatte des Vaters letztem Willen gemäß den Oberbefehl über die Armee ongetreten. Seine Brüder Simon, Johann und Jonathan dienten als Corps-Commandanten unter ihm, während der älteste Bruder, Eleasar, die politischen Angelegenheiten der Patrioten verwaltete. — Keiner derselben hatte einen Titel und ihre Macht gründete sich einfach auf des Vaters Wille und die allgemeine Zustimmung. Die Mutter blieb bei Judah, dem Heldeusohne, den sie überaus liebte, während Rebecca sich an Jonathan anschloß, weil er ihr wundes Herz am besten verstand. Jonathan hatte mit einer Abtheilung der Patrioten sich zu Ziklag verschanzt, und da er von keinem Feinde belästigt wurde, hatte er Muße, über Jphigenia's Treulosigkeit und Heuchelei, wie Alkymos sie geschildert, oft und viel nachzudenken. Er war zu edel, anzunehmen, daß Alkymos ihm eine Lüge gesagt, besonders da er dachte, der Verleumder wisse nichts von seiner Neigung zu der Tochter des Menelaus. Und wenn er den schwärmerischen Träumen der Liebe sich überließ, da erschien ihm Jphigenia wie ein gefallener Engel. Blaß, abgehärmt, mit einer heißen Thräne der Reue im Auge sah er sie dann vor sich knien und ihn um Verzeihung bitten, dann streckte er die Arme aus und preßte sie an das blutende Herz, sie drückte die glühende Stirne an seine bebenden Lippen, und die Engel sangen Versöhnungslieder. Bald aber zerfloß der Traum und die Wirklichkeit sagte ihm: Für dich ist Jphigenia verloren! dann versank er in eine tiefe Schwcrmuth, woraus ihn nur das Klirren der Waffen und das Wirbeln der Kriegstrommeten weckte. Die Leiden in der eigenen Brust schärften seinen Blick für die Leiden seiner Schwester, die mit aller Zärtlichkeit sich an den kühnen Jüngling schloß und ihm manche Stunde des Trostes und der Erholung brachte. Er überzeugte sich immer mehr, daß auch sie leidet. Sie war so munter, so unbefangen und fröhlich auf den Bergen und jetzt war sie so sinnend, wortkarg und vorsichtig, sie seufzte so oft, daß er sic nach der Ursache ihrer Leiden fragen mußte. Einst, als sie wieder leidend und tröstend sich an ihn schmiegte, und die Leidenden sind die wahren Engel des Trostes, da fragte er nach der Ursache ihrer Leiden. Sie schwieg erröthend, doch Jonathan verdoppelte seine Zärtlichkeit und fragte sie nochmals und wieder, bis sie endlich ihm gestand: „Mein Schmerz ist groß wie der Deinige." „Darf Jonathan nicht die Ursache dieses Schmerzes kennen und heilenden Balsam in die Wunde träufeln?" „Es ist kindisch, es ist vielleicht sehr thöricht von mir," sagte Rebecca verlegen, „daß ich den Verlust eines Mannes beweine, der nicht fürs Vaterland kämpfen will. Ein Jüngling, schön und stolz wie du, Jonathan, begegnete zu Jerusalem mir so oft und so liebreich, daß er mein Herz an sich gefesselt. Als aber die Patrioten sich erhoben, da weigerte er sich, mit ihnen in den Kampf zu ziehen, und ich verbot ihm, mich je wieder zu sehen. Ach, ich bin ein so schwaches, thörichtes Weib, ich kann ihn nicht vergessen!" „Kämpft er etwa in den Reihen der Syrier?" fragte Jonathan hastig. „Nimmermehr!" rief Rebecca. „Des Vaters Wille verbietet ihm, gegen den König zu kämpfen; gegen sein Volk aber kämpft er nimmermehr." „Warum sollte denn meine Rebecca nicht hoffen, ihn, wenn dieser Kampf ausgekämpft, wieder zu sehen?" „Weil ich den Mann nicht achten kann, der müßig zugeschaut, als Israels Helden für Gott und Freiheit kämpften," versetzte Rebecca mit stolzer Geberde, „weil Matathia's Tochter nur das Weib eines Helden werden kann." Jonathan preßte sic fest an seine Brust und rief mit Begeisterung: „Wie glücklich ist Jonathan, daß Matathia's Tochter seine Schwester ist! — Tröste dich, gutes Mädchen! Bist du doch so viel glücklicher in deiner unglücklichen Liebe, als dein Bruder Jonathan. Dir schwebt der Geliebte in engelreiner Würde vor und hast du ihn auch von dir gewiesen, darfst du doch liebend dich seiner erinnern; Jonathan aber, der Priester, darf der entweihten Pricstertochter nur das Todesurtheil aussprechen. Du, liebe Schwester, segnest die goldnen Stunden der Vergangenheit; ich muß ihnen fluchen, weil jeder Kuß mich an ihre Heuchelei, jeder Blick an ihre