Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 5 (1.3.1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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— 52 — stellung der Lustigkeit und des tollen Treibens als Regel bin. Die Heiterkeit muß von selbst kommen nach dem Selbstbewußtsein der vollzogenen Pflicht und dann mag ein improvisirter heiterer Abend, sagen wir sogar eine Nacht, hingehen. Aber periodisch und öfters wiederkehrende, an Zeiten gebundene Fröhlichkeit, nein! das könnte zur Gewohnheit werden, und wehe dann dem Jünger der Wissenschaft! Der Trunk Weines ist rathsam und angezeigt, wenn er hie und da genommen wird, aber regelmäßiger Trunk wird zur stets öfter und schneller wiederkehrenden Gewohnheit und führt zum — Suffe." Häuslcr's Auge blickte ernster. „Ich verstehe dich und habe mir keinen Vorwurf zu machen. Ich halte es mit Goethen „Tages Arbeit, Abends Gäste". Daß es bei allen Burschenschaftern nicht so der Fall, ist eine Wahrheit, die ich zugestehen muß. Aber jetzt lasse die pastoralische Stimmung zum Teufel gehen, du aber edler Doctor Faustus, im doppelten Sinne Faustus, komme mit deinem getreuen Mephisto." „Nun, ich sagte ja, heute bin ich dein, führe mich wohin du willst." Die beiden Freunde verlassen Arm in Arm das Stübchen. Zweites Kapitel. In der Burschenkneipe. Die Freunde mußten wohl eine Stunde lang durch Straßen und Gassen gehen, bis sie in die entlegene Vorstadt kamen, in welcher die Burschenschaft, der Joseph Häusler angehörte, ihre Convente und Commerse abhielt. Zur Verständigung unserer Leser, welche in das Burschenschaftswesen weniger eingewciht sind, wollen wir diese beiden Ausdrücke näher erklären. Convent ist eine solche Versammlung, wo ernste Angelegenheiten, zumeist innerer Natur, aufs Tapet kommen. Hier führen nur die ältern Mitglieder der „Bursche" das Wort; die jüngern „Füchse", welche erst ihre Probe oder „Fuchszeit" durchzumachen haben, ehe sie in das Allcrheiligste, d. h. zum Namen „Bursch" kommen, haben im Convente entweder keine oder nur berathcnde Stimme. Dagegen ist ihnen in den heitern Commersen oder Kneipen die ungezügelteste Freiheit gewährt. Da haben sie das Grundrecht des „Randalircns", das jeder echte Fuchs nach Kräften und mit allem Aufgebot seiner Lungen auszuüben bemüht ist. Heute also ist Kneipe. Es mag sich da wohl behaglich sitzen im warm geheizten, von kräftigem Tabakqualm durchsättigten Local. Der mächtige Humpen verheißt Götterfreude, heitere Phantasien der Vergangenheit und Zukunft steigen aus dem Oualm des edlen „Krautes", das man in das „System" gestopft, und muntere Lieder strömen aus der frischen Jünglingskehle. Diese Gedanken mögen in der Seele unserer Helden aufsteigen, während sie frostgeschüttelt durch die Finsterniß eilen. Der Wind heult seine melancholischen Weisen und jagt ihnen Massen Schnee ins Gesicht. Ein Glück, daß der Genius der Freundschaft ihre Arme fest in einander gelegt, sonst hätte der Eine oder Andere seinen verlorenen Schwerpunkt mehrere Male statt am Herzen des Freundes am glatteisigen Herzen - der Mutter Erde wiedergesunden. Endlich macht die Sturm- und Drangperiode der ruhig klassischen des Kneiplocales Platz, in welches die nächtlichen Wanderer treten. Ein donnerndes „Prosit", aus wohl 50 Kehlen in den verschiedensten Tonarten angestimmt, empfängt den allgemein beliebten Häusler. Fragend richten sich nach den ersten warmen Begrüßungen die Blicke nun auf den Collegen, den Häusler, mit Burschennamen „Mephisto" genannt, mitgebracht. In frühern Zeiten wären diese fragenden Blicke gewiß ausgeblieben. Leider aber hat die steife Cultur des sechsten und siebenten Decenniums unseres Jahrhundertes viel von dem gemächlichen innigen Leben der Burschenschaft genommen, um dafür derselben einige mittelalterliche Formen zu imputiren. Wir wollen im Laufe unserer Erzählung noch auf diesen Punkt des Weitern zurückkommen. Daher mögen sich die fragenden Blicke, von denen wir eben gesprochen, herschreiben. Als aber Häusler seinen Freund mit den Worten vorstellt: „Ich habe die Ehre, meinen intimsten Collegen David Salamon, Mediciner, einzuführen, dem eben unsere gelehrte Akademie eine wissenschaftliche Krone auf die Stirne gedrückt, eine Krone, die ihm gewiß trotz seiner ultraliberalen Ansichten schön kleidet, erhebt sich allgemeiner Jubel. Die minder Benebelten drücken Salamon die Hände, denn sie haben ungefähr den Sinn der Worte Häuslers begriffen; Jene aber, denen Bachus schon mehr Libationen gespendet, und die die Worte des Redners nicht verstanden, suchen dies dadurch gut zu machen, daß sie Salamon sogar umarmen. Dieser crwiedert die empfangenen Grüße aufs Wärmste und nimmt den Ehrenplatz, der ihm zur Rechten des Burschenschaftspräses angewiesen wird, ein. Das lustige Treiben des Commerscs nimmt nun seinen weiteren ungestörten Laus. Salamon betrachtet neugierig das bunte Bild, das heute zum ersten Male sich ihm darbietet. (Fortsetzung folgt.) Briefe aus W" d' pa's Deäk's Rede gelesen, commentirt und in alle Zeitungen übergegangen sein. Es ist darum auch unsererseits nicht nothwendig, nochmals den Vorgang vom 23. Februar im Reichstage in Pest an dieser Stelle wörtlich wiederzugeben, nur die eine Bemerkung sei gestatgern) spricht^ Manojlovics von lla-a laLooai (Landesbewohnern) geredet wissen will, da ja im Sinne der ungarischen Verfassung die Israeliten von jeder Gleichheit vor dem Gesetze ausgeschlossen sind. Deäk's Worte: „Alle Kinder dieses Landes sollen fortan Feinde beschämt, uns aber jene Bürde abgenommen, die centnerschwer auf uns lastete. Der Geist der Gerechtigkeit ist auch bei uns eingezogen, will auch uns zu freien Bürgern dieses schönen Landes machen. Die Stelle aus Deäk's Rede: „Ich glaube, die einfachste Form der Emancipation ist diese, daß wir überall dort, wo das Gesetz bisher einen Unterschied machte zwischen den Religionen, daß wir Ungarn. muß alle Jene, welche das ungarische Israel gegen das liebe Ungarnland und seine liberalen Vertreter Hetzen wollte, aus dem bösen Traum aufschrecken und auch sie, die Falschen, müssen mit uns ausrufen: „Siehe da, der Herr hat eine neue Erde erschaffen, einen neuen Geist der Gerechtigkeit und Liebe, einen Geist der Wahrheit und Freiheit im Ungarnlande einkehren lassen. Bleibt auch noch Vieles zu thun übrig, so wird mit Gottes Hilfe auch für uns bald die Stunde schlagen, wo wir ausrufen werden: Gleiches Recht für Alle, die zum Reiche des heiligen Stephan sich zählen." Wie man uns aus der Hauptstadt des Landes mittheilt, ist man durch die Rede des großen Patrioten vollkommen befriedigt. Ob wohl auch von jener Stelle, wo Deäk spricht, daß er niemals von dem bloßen Worte Emancipation Vergnügen gehabt, da die Emancipation den Gegensatz von Sclaventhum voraussetze. Haben wir im Ungarnlande auch nie eine Unterdrückung im eigentlichen sich bewegen können, Grundstücke sich erwerben dürfen, unangefochten seinen Geschäften nachgehen, ist noch keine menschliche Freiheit. In diesem Sinne waren wir niemals Sclaven, aber nimmer frei. Der Bürger eines Staates will auch Mitwirken zum