Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 5 (1.3.1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 51 — es soll dir gegeben werden. Was ist dein Begehr, sei es das halbe Königreich, es soll dir gegeben werden. Da sprach Esther: „Wenn ich Gunst gefunden in deinen Augen, o König, und wenn es dem Könige gefällt, so werde mir mein Leben geschenkt auf mein Verlangen und mein Volk auf mein Begehr. Denn wir sind verkauft, ich und mein Volk vertilgt, erschlagen und vernichtet zu werden. Wären wir nur zu Sclaven verkauft, so würde ich schweigen, aber der Feind achtet nicht des Königs Schaden." „Wer ist der? und wo ist der?" rief der König, „der sich erdreistet, also zu thun." Und Esther sprach: „Ein Dränger und ein Feind, dieser böse Haman!" — Haman aber erschrak sehr. Der König stand auf vom Mahle, ging hinaus in den Garten. Haman aber warf sich zur Erde auf das, Polster der Königin, um für sein Leben zu bitten. Und als der König wieder hercinkam, sprach er: „Will man auch gegen die Königin hier gewaltthätig sein." Und die Diener verhüllten das Angesicht Hamans, da dieser nicht mehr würdig war, vom Könige angeschaut zu werden. Doch wenden wir uns weg von dem Anblicke eines Menschen, der uns zum Menschenfeinde machen muß. Liebe Schwester, theuerer Bruder! kommt dir im Leben ein solcher Mensch vor, sei cs nun in der Gestalt eines neuen Haman, oder eines Menschen, der sich viel auf sein Geld, seine Stellung oder seinen Einfluß einbildet, wende dich mit Verachtung von ihm. Sei gewiß, daß du ihn dadurch heilest, denn einen Haman kann nur Geringschätzung demüthigen. Sei gewiß, daß er dein gerechtes Verachten, selbst wenn er von allen Seiten sonst gelobhudclt würde, nicht ertragen wird, daß er, obwohl dir Rache schwörend, sich selbst sein eigenes Grab gräbt, denn noch immer ist das Sprüchlein wahr: „Wer Andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein." Als der König das verwandtschaftliche Verhältnis Moodchai's zu Esther erfuhr, zog er seinen Ring aus, den er Haman abgenommen, gab ihn dem Moodchai und machte ihn zum ersten Staatsminister des Reiches. Doch die Gefahr war noch nicht abgewendet, konnte doch nach dem persischen Staatsgrundgesetze ein königliches Edict nicht widerrufenwerden. Darum denn auch das abermalige Erscheinen Esthers beim Könige, ihr Flehen und Weinen, die drohende Gefahr vom Volke abzuwenden, ihre Bitte um Widerruf des boshaften Anschlages Haman. Der dreizehnte Adar rückte heran, zwei königliche Befehle lagen vor und wenn auch mit dem Sturze Hamans die feindliche Partei in Persien nicht mehr so mächtig war, so war der Kampf an vielen Orten noch ein gewaltiger und die Zahl der Todten keine geringe. Während in der Provinz die Juden schon am vierzehnten Adar Ruhe hatten, konnte für die Bewohner von Schuschan erst der fünfzehnte Adar ein Fest der Freude und Wonne werden. Auf einer Erderhöhung bemerkst du in Hamadan ein arabisches Grabdenkmal, in dem Esther, die Königin und Haupt- Heldin des Purimfestes, ruhet. Das ganze Gebäude, ohne Spur von jedwelcher Kunst, wird sehr häufig von den Israeliten Persiens besucht. Neben dem Grabe Esthers ist das ihres Oheims Moodchai und zeigt die Oellampe, die ewig brennt, von der Echtheit des Grabes nicht minder, wie die vielen hundert hebräischen Inschriften, die von Pilgern angebracht sind. Friede ihrer Asche! Ein Mediciner. Original-Novelle von Arnold Weisse. Erstes Kapitel. Akademie und Studentenstube. (Fortsetzung.) „Ich würde mir nicht erlauben, dir in einer solch delicaten Angelegenheit Rath zu ertheilen, wo der Herzenstact des Kindes am besten das Richtige trifft. Aber ich weiß, daß dein Urtheil anderseits wieder befangen sein könnte, denn dich treibt die Sehnsucht zur Eile, und bei deinem heißblütigen und, wie du selbst sagst, starrsinnigen Vater heißt es diplomatisch vorsichtig zu Werke gehen. Kommst du selbst ihm mit der Nachricht von deinem Erfolge, so könnte er dies als ein Triumphirenwollen von deiner Seite ansehen, und das könnte ihn zur Erbitterung und zu gänzlichem Zwiespalt mit dir führrn. Drum warte ab. Die Zeitungen dürften binnen kürzester Frist deiner, und deiner wissenschaftlichen Erfolge Erwähnung thun. Jedenfalls die medicinischen Blätter. xroxos. Hast du einen Arzt in deinem Orte, der ein Fachblatt hält und mit deinen Eltern in Berührung kommt?" — „O ja, Dr. Bergenthal, der mein persönlicher Freund ist. Ein alter jovialer Junggeselle, der aber jung ist an Begeisterung für seine Wissenschaft. Er hält nicht, wie viele seiner Standesgenossen auf dem Lande, fest an veralteten medicinischen Principien. Er lebt fort mit und in der Wissenschaft, und hält, wie ich weiß, die wichtigsten medicinischen Zeitungen." „Nun das ist sehr gut. Wenn er dein Freund ist, so muß er ja spornstreichs zu deinen Eltern eilen, um ihnen brühwarm die gewiß nicht unwillkommene Nachricht mitzutheilen, dann —" „Ob er's thun wird, der gute Alte. Ich kann dir Briefe von ihm vor die Augen legen, die hinlänglich seine aufrichtige Liebe zu mir bekunden. Da wettert er Anfangs meines Zerwürfnisses mit dem elterlichen Hause gegen seinen alten Freund, den Dickschädel, wie er meinen Vater scherzweise zu nennen pflegt. Ich solle mich nicht entmuthigen lassen. Sei auch für den Anfang keine Versöhnung anzuhoffen, er sei überzeugt, mit meinem Willen und Eifer werde ich mir den Weg zum Herzen meines Vaters — das meiner andern Lieben schlage ohnehin in alter Zärtlichkeit für mich — erobern." „Hat er also, lieber David, den glänzenden Erfolg deiner Studien zu Hause vermeldet, dann wird dein überraschter und in seiner gewiß nicht erloschenen Liebe geschmeichelter Vater nicht anstehen, dich einzusetzen in Rang und Ehren eines geliebten und geachteten Sohnes. Ich glaube, schon nächster Tage dürfte dir dann ein Brief, vielleicht gar der Telegraph erfreuliche Neuigkeiten vom Hause überbringen, und irre ich nicht, dann wird keine Woche vergehen, ehe du am Herzen deiner Eltern ruhst." „Hoffen wir das Beste," antwortet Salamon mit glänzenden Augen, indem er den Freund in seine Arme schließt. „Du aber sollst mein werthestes Kleinod bleiben unter allen Schätzen, die mir das Glück jetzt bescheert. Ich habe dich nun kennen gelernt. Es heißt, man lerne den Freund im Unglück nur kennen. Ich kann sagen, ich habe meinen Freund erst recht erkannt im Glücke, denn die Leiden haben meinen Blick getrübt." „Jetzt aber entschlage dich jeder aufregenden Bewegung und suche deinen Geist — unbeschadet allen wissenschaftlichen Ernstes'— einmal in das alte Geleise echten Jugendfrohsinns zu bringen. Komm doch heute mit in meine Burschenschaft, dort findest du sprudelnden Studentengeist, und ich hoffe zu Momus und Gambrinus, du wirst um 50 Procente gesünder, wenn du ausnahmsweise den vierjährigen Staub der Universitäts-Bibliothek von dir abwäschest mit edlem Gerstentrank." „Nun, so mag's heute hingehen," erwiedert lachend Salamon, „obzwar — du weißt es — ich gegen die Auf-