Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 5 (1.3.1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 50 - „Vergesse nicht, mein diviner Herr! daß ich dein Freund bin," sagte Philarches. „Ich werde nie vergessen, der Deinige zu sein," sagte Menelaus, als Philarches wegging. „Ist es möglich, daß Menschen so höllisch und satanisch verräterisch sind, wie diese Brut! Tausendmal knieten sie im Staube vor mir und sprachen von ihrer treuen Hingebung, diese Natterbrut zischt nicht einmal, wenn sie stechen will. Halt ein, ihr Lügner und Memmen, ich will euch einen Riegel vorschieben." Wieder ergriff er die Feder und saß sinnend da. „Einen Freund, mein Gott und Herr, gib mir einen Freund. — Einen Freund? Gott? was rede ich da? Hat das bischen Mißgeschick dich weich gesotten, Menelaus? Macht, noch mehr Macht muß ich haben, mir fehlt die Macht." Hastig schrieb er an den König. Es war wirklich zwischen Aspasia und Alkymos ein Einverständniß zu Stande gekommen, daß er Jonathan in ihre Gewalt bringen wollte, wofür er Oberpriester werden und Jphigenia's Hand und Reichthum besitzen sollte. Um diesen Zweck um so schneller zu erreichen, schrieb Alkymos, der Jphigenia's Schriftzüge genau nachahmen konnte, einen Brief an Jonathan, worin sie ihm ihre Lage beschrieb und ihn aufforderte, sie zu retten. Das, dachten sie, müsse den tollkühnen Jonathan nach Jerusalem bringen, wo er den Spionen nicht entgehen konnte. Jphigenia wurde streng bewacht und Aspasia schwor, sich der Nebenbuhlerin durch das Schwert des Apollonius zu entledigen, wenn Alkymos sie nicht rettet. (Fortsetzung folgt.) Zum Purimseste. Von I. I. Rosenmeyer, königl. Musterhauptschullehrer. Esther *). Hadassi, ein junges Mädchen, genoß in der Zeit der Regentschaft des Königs Achaschverosch **) Erziehung bei ihrem Oheim Moodchai, eines der aus Jerusalem Hinweggeführten in der Hauptstadt des Landes. Der König ertheilt den Befehl, Jungfrauen schön von Ansehen für ihn auszusuchen und Esther, die Myrthe, so wurde die Pflegetochter Moodchai's in der Landessprache genannt, fand Gunst in den Augen Aller, insbesondere aber in denen des Königs Achaschverosch. Letzterer setzte die königliche Krone auf ihr Haupt, machte sie zur Königin an Waschthi's Stelle und ließ als Zeichen der königlichen Huld und Gnade in Folge dieses glücklichen Ereignisses ein Gesetz an alle seine Völker ergehen, welches einen Steucrnachlaß kund machte. Moodchai befahl seiner Pflegetochter an, weder ihre Religion, noch ihr Volk zu entdecken, letztere gehorchte, hing doch ihr Herz so ganz an Moodchai, ihrem Erzieher und Wohlthäter. Um diese Zeit erschlich sich Haman, der Minister des Königs, das Herz seines Herrschers. Die Vorliebe des Letztern ist für diesen Großen so gewaltig, daß Haman königliche Ehre beanspruchte. Nur Moodchai, ein Jehudi und Hosbeamter des Königs, mochte von dieser knechtischen Ehrerbietung nichts hören, konnte er doch nicht einem Menschen jene Anbetung erweisen, die nur dem göttlichen Wesen zukommt. Haman in seinem Grimme schwört Moodchai und seinem Volk Untergang und findet auch bei seinem Herrn und Gönner ein williges Ohr. Ja, es wurden Briefe durch reitende Staatsboten in alle Landschaften des Königs des Inhaltes gesandt: zu erschlagen, zu vernichten und zu vertilgen, alle Jehudim, vom Knaben bis zum Greise, Kinder und Weiber an einem Tage, d. i. am dreizehnten des zwölften Monats, d. i. der Monat Adar, und ihre Habe zu plündern. Auch Esthern sollte diese Kunde nicht ferne bleiben, stand sic doch durch ihre Mädchen und Diener ihrem Pflegevater, dem Moodchai, nahe und konnte diesen doch nicht entgangen sein, daß Moodchai am königlichen Thore gelagert, ein lautes Wehklagen erhebe. Esther mochte Anfangs glauben, daß man Moodchai seines Vermögens und seiner Kleider beraubt habe, darum schickte sie denn auch ihre Mädchen zu ihm ab, den Sack von ihm abzunehmen und ihn mit Gewändern zu bekleiden, aber er nahm sie nicht. Bald sollte Esther die wahre Ursache erfahren. Hathach, ein Diener der Königin, berichtet nämlich derselben, daß Moodchai ihm gesagt, daß Haman, der Günstling des Königs, den bösen Plan ersonnen habe, die Juden zu vertilgen. Um die Glaubwürdigkeit seiner Angaben zu bekräftigen, schickte Moodchai durch den Diener eine Abschrift von dem Gesetze, welches zu Schuschan gegeben wurde, der Esther mit der Bitte zu, doch für ihr Volk, welches durch Feindeshand dem Verderben und Untergang Preis gegeben, um Rettung beim Könige zu flehen. Esther sammelte ihre Mädchen um sich, fastete drei Tage und drei Nächte und befahl ihrem Oheim, mit ihren Glaubensgenossen in Schuschan dasselbe zu thun. Esther bleibt sich immer gleich, auch als Königin hängt ihr Herz an Moodchai. Möchten Alle, deren sich fremde Liebe annahm, der Esther ähnlich sein. Möchtest du, Tochter Israels, die du jetzt von einem Vormunde erzogen wirst, auch dann, wenn du ihn einst entbehren kannst, nicht vergessen, was jener dir war. Doch noch immer war guter Rath theuer. Jeder, der unberufen in dem innern Hof des Königs erschien, mußte sterben, es sei denn, daß der König ihm das goldene Scepter reichte, denn nur so konnte er am Leben bleiben. Esther zögert nicht länger, legte königliche Kleider an, eilt in den innern Palast des Königs, überläßt ihr Schicksal einzig und allein ihrem Gotte und spricht: „ich gehe, bin ich verloren, nun denn so bin ich es." Töchter Israels, so müßt auch Ihr sprechen, wenn das Vaterland Opfer von Euch fordert, sei es nun, verstümmelte Krieger zu pflegen oder bei pestartigen Krankheiten Kranke zu warten. „Komm ich um, so komm ich um," so mußt auch Du mein Bruder sagen, wenn es gilt, im Kriege für das Vaterland dein Leben zu wagen, wenn es in Feuersnoth darauf ankommt, Menschenleben auch mit Gefahr deines eigenen zu retten. Als der König sich Esther gegenüberstehen sah, ging er ihr entgegen, reicht ihr das goldene Scepter als Zeichen seiner Huld und Milde. Esther aber küßt die Spitze des Scepters, als Zeichen der Untertänigkeit und Ehrfurcht. Der König ist gnädig und verspricht Erfüllung ihrer Wünsche und beträfen sie die Hälfte des Königreiches. Und Esther spricht: „Wenn ich Gnade gefunden habe in den Augen des Königs, so komme der König und Haman morgen zu dem Mahle, welches ich zubereitete." Aber auch am zweiten Tage sollte Esther gnädig von ihrem Herrn und Gemahl behandelt werden, darum denn das wiederholte Fragen: Was ist dein Verlangen, Esther?