Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 5 (1.3.1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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— 49 — „Mein Herr und Gebieter!" sprach Philarches, „wenn du einem treuen Diener im Namen seines Königs ein Wort erlaubst, so höre mich. Ich rathe dir, ich bitte dich, den Feind nicht anzugreifen, bis unsere Armee bedeutend verstärkt ist." „Weine fort, feige Memme, deine Niederlage zu entschuldigen," spottete Apollonius. „Verstärkung soll ich abwarten, eine Rebellenbande zu schlagen? Ich bedarf dessen nicht, die Hälfte meiner Mannschaft ist genug, jeden Rebellen zum Pluto und dessen Töchtern zu schicken." „Mein Herr und Gebieter!" fuhr Philarches fort, „du irrst dich im Charakter des Feindes. Ein Heer halbbarbarischer Fanatiker, halb gekleidet und halb bewaffnet, listig, muthig und grimmig, das ist der Feind, der jetzt sich seiner Macht bewußt geworden." „Und doch sollen sie vor Apollonius zittern," schrie er. „Aus, geschlagene Syrier! der Schandfleck muß ausgebrannt werden. Callisthenes regiert Samaria und Philarches beherrscht die Stadt Jerusalem in meiner Abwesenheit. Je mehr Rebellen hingerichtet werden während meiner Abwesenheit, desto mehr Dank bin ich euch schuldig. Es ist besser, tausend Unschuldige sterben, als daß ein Schuldiger unbestraft ausgeht. Wer auch nur vom Gotte oder dem Gesetze der Hebräer spricht, der sei des Todes, sein Leichnam werde aus die Straße geworfen, damit die Rebellen gehorchen lernen. Glaubet Keinem, trauet Keinem; denn es ist eine Nation von Verräthern und Rebellen. Je mehr Köpfe fallen, desto weniger Feinde haben wir. Ich aber werde an die Spitze des Heeres mich stellen und die Rebellen züchtigen." „So aber lauten die Befehle des Königs nicht," unterbrach Menelaus ihn entrüstet. „Ihr sollt gegen den Feind kämpfen und die loyalen Unterthanen beschützen." „Kümmert euch nicht um den Priester, der spricht, wie er muß, grade so handeln wir," fuhr Apollonius fort. „Er soll den Göttern Opfer bringen und für uns beten, das Uebrige ist unsere Sache. Er ist des Königs Günstling, er muß beschützt werden; die Herrschaft aber ist in unfern Händen, wir müssen verstehen, die rechten Mittel zum Zwecke zu wählen." „Nochmals, mein Herr und Gebieter, bitte ich dich," ließ Philarches sich vernehmen, „den Feldzug nicht zu unternehmen, bis du über eine größere Truppenzahl verfügest. Du unterschätzest den Feind." „Apollonius wurde nie geschlagen," versetzte er stolz. „Mein Entschluß steht fest." „Apollonius, im Namen des Königs verbiete ich dir, gegen loyale Unterthanen, gegen unbewaffnete Weiber, Kinder und Greise zu wüthen," rief Menelaus entrüstet; „ich verbiete dir, dich in irgend eine den Krieg nicht betreffende Angelegenheit zu mischen, mir hat der König die Regierung dieses Landes anvertraut —" „Und mir die Armeen," sagte Apollonius höhnisch. „In Kriegszeiten aber herrschen die Waffen. Beruhige dich, Priester, wenn der Krieg zu Ende ist, kannst du nach Herzenslust herrschen, jetzt aber herrschen wir." Alkymos brachte die Kunde vom plötzlichen Tode Matathia's und das beschleunigte nur den Entschluß des Apollonius, den Feind, der sein Haupt verloren, gleich anzugreifen. Ohne weitere Ceremonie verließ er den Saal und den Palast. „Darum also verleugnete ich meinen Gott und rieth meinem Volke zur Submission," jammerte Menelaus allein, „um ein Automat in den Händen dieses Wütherichs zu werden, ohne auch nur die Macht zur Beschützung meines Kindes zu besitzen? Halte ein, Rasender! es gibt Mittel, dich eines Bessern zu belehren." In höchster Aufregung durchschritt er das Zimmer. „Matathia todt und sein Fluch —" sagte er halblaut, als fürchte er seine eigenen Worte. „Jonathan auf der Seite des Feindes, Jphigenia in den Händen Aspasia's, das Land blutet aus zehntausend Wunden, und ich bin ohnmächtig. Nein, ich will's nicht ertragen." Hastig rollte er ein Stück Pergament ans, griff nach der Feder und wollte schreiben, aber die Feder sank ihm aus der Hand: „Wie, wenn er meinen Brief sieht, und wie leicht kann er das, bin ich in meinem Zimmer dann sicher? Wie, wenn er siegend zurückkehrt, wird der König mich nicht absetzen, wenn ich jetzt ihn anklage? — Warum bin ich schwächer als mein Kind, das den Purpur von sich geworfen? Soll ich ihrem Beispiele folgen und — und — und der Spielball meiner Feinde, das Hohngelächter meiner Gegner werden? Nein, nicht dieser Sieg meiner Feinde! Herrschen muß ich, ich muß Hoherpriester und Fürst sein, ich muß mächtig sein. Apollonius, ich stürze dich, ich muß selbst herrschen." Er wollte eben zu schreiben anfangen, als Philarches sich melden ließ. Er wurde vorgeführt und redete Menelaus an: „Diviner Herr! die beleidigende Sprache des Wütherichs kann dir nicht gleichgültig sein; darum komme ich, mit dir zu berathen." „Philarches ist mir willkommen," sagte Menelaus, „doch kann ich gegen des Königs Feldherrn nichts, gar nichts thun." „Der hochmüthige Mann unterschätzte die Macht des Feindes," fuhr Philarches fort, „und glaubte mit kleinen Truppenmassen die einzelnen Rebellenbanden schlagen zu können; aber die Rebellen schlugen uns und concentrirten ihre Macht uns gegenüber, ohne daß wir verstärkt wurden. Er gab uns einer sichern Niederlage Preis und stürzt jetzt das geschwächte Heer in dieselbe Gefahr." „Warum sagt Philarches dieses dem Könige nicht?" „Weil es nur wie eine Beschönigung meiner Niederlage aussehen würde und mich dem Zorne des Oberfeldherrn Preis geben wird. — Du aber, mein diviner Herr, der du mit der Regierung dieser Provinz beauftragt bist und siehst, wie dieser Apollonius sie dem Feinde Preis gibt, während er gegen Freunde wüthet, deine Sache, deine Pflicht ist es, den König davon zu unterrichten." „Und wenn er siegreich aus der Schlacht zurückkehrt?" fragte Menelaus nachdrucksvoll. „Dann tritt er klagend gegen dich auf und wird dich zu stürzen suchen, denn Aspasia hat dem Alkymos deine Stelle und die Hand deiner Tochter versprochen, und Aspasia ist die Herrin." „Das ist unmöglich, du mußt dich irren." „Doch nicht. Hier ist der Brief an den König. Ich bin beauftragt, ihn nach Antioch zu schicken. Schreibe du und schicke einen schnellen Boten, ich will langsam sein." Menelaus las mit Erstaunen, daß Apollonius ihn des Verraths beschuldigte, das Entkommen Jose ben Joeser's und Jonathan's ihm zur Last legte, seine Absetzung und die Ernennung des Alkymos empfahl. Er gab den Brief zurück mit der Bemerkung: „Ich werde meine Pflicht thun."