Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 5 (1.3.1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 48 — Wie wenn die Soone kaum erschienen, Den Schatten finst'rer Wolken weicht, So weicht das Lächeln aus den Mienen Da er den Deckel hebt vom Schreine Und sich enthüllet seinem Blick, Statt der gehofften Edelsteine, Muß mehr als ein gemeiner Stein, Ist dieses kleinen Schreines Werth, Denn jeder Feind muß dem erliegen, Dem diese Erde angehört." „Wohlan!" versetzt der Fürst, „seit Jahren Vergebens liegt mein tapfres Heer „Sieg! Sieg!" der Römer Freudenschrei, Da öffnen sich des Kerkers Pforten, Und geben den Gefang'nen frei; Die Hasmonäer. Historische Novelle, aus dem Englischen. Dreizehntes Kapitel. Der Verräther Verrath. Menelaus war zwar die höchste Autorität in allen Civilsachen, die er im Namen des Königs verwaltete; aber gegenüber der militärischen Autorität des Apollonius hatte eben jede andere aufgehört, das Schwert herrschte, nicht aber das Gesetz. Apollonius hatte Befehl, die Rebellion zu erdrücken und Alles zu vertilgen, was an den Namen, die Religion, die Sprache, die Sitten, die Gesetze, den Freiheitssinn Israels auch nur erinnert; seine Autorität war unbeschränkt, er konnte also nach Belieben schalten und walten. Menelaus' Leben war nicht minder in Gefahr, als das seiner Tochter oder irgend eines andern Menschen im Lande. Durch Vorstellungen und Bitten aber gelang es Menelaus nicht, Jphigenia zu befreien, weil Aspasia mehr Einfluß hatte über Apollonius und der König überließ das Land ganz den Händen des grausamen Wütherichs. Alkymos hatte zwar versichert, daß es ihm gelingen werde, Jphigenia den Händen des syrischen Gesetzes zu entreißen; Menelaus aber traute ihm weder Redlichkeit noch Klugheit genug zu, etwas Großes zu leisten. Verräther und Apostaten trauen einander nicht. Als Apollonius aus Samaria wieder nach Jerusalem kam, wurde er im Palaste des Hohenpriesters fürstlich bewirthet und Menelaus glaubte schon seinen Zweck erreicht zu haben, als folgende Scene vorfiel: Apollonius saß halb berauscht beim Mahle, als der Diener das zehnte Mal wohl ihm sagte, daß hohe Officiere ihn zu sprechen wünschen. Als er des Genusses überdrüßig geworden und schlaftrunken im Sessel saß, befahl er, die Soldaten vorzulassen. Philarches und Callisthenes traten ein und meldeten ihre Niederlage in der Wüste. Das wirkte. Wie ein rasendes Ungeheuer wüthend und schäumend rannte Apollonius im Saale umher, fluchte dem Heere und beschimpfte dessen geschlagene Führer, drohte aller Welt mit Tod und Verderben, und fluchte endlich den Göttern, daß sie den Rebellen beigestanden. Als er einigermaßen ausgetobt hatte, befahl er: „Die Befehlshaber der geschlagenen Truppenabtheilungen werden verbrannt, sie sind Verräther." Hier unterbrach er sich selbst und fragte: „Wo sind die Rebellen jetzt?" „In der Wüste Judah's, siegestrunken und thatendurstig," sagte Philarches. „Ha! ich glaub', Philarches greint," fuhr er ihn spottend an, „er spricht von einem siegestrunkenen und thatendurstigen Rebellenhaufen. Ich werde ihnen ihre Schwäche und ihre Feigheit in wenigen Tagen beweisen. Ich will selbst mich an die Spitze meiner Armee stellen und die Raubhorden in einem Schlage zerschmettern. Keiner soll entkommen. Tod und Verderben sei ihr Loos. Sie sollen zittern vor Apollonius."