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Deborah · 1866-02-01 · Heft 3 (1.2.1866) · page 9

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Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 3 (1.2.1866)
Date
1866-02-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beitage zu Nr. 3 -er „Debarah". sammtenen Fauteuils sitzen sie, die Unsterblichen, auf deren sonst so ernsten Zügen heute ein seltsam aus Feierlichkeit und Wohlbehagen gemischtes Lächeln ruht. Doch wir müssen, um nach den Lehren unseres Meisters Horaz bei einer Erzählung gleich weäias in res zu gelangen, mit Goethe ausrufen: „Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit Schließt Augen euch; hier ist nicht Zeit denn es gilt zu hören, was da der Mann auf der Tribüne mit gehobener Stimme spricht. „Die naturwissenschaftliche Classe der Akademie hat den Preis von 1000 fl. für die beste Arbeit über den Typhus Herrn David Salamon, Hörer der Medicin an der hiesigen Universität, zuerkannt. Ich kann nicht umhin, bei dieser Gelegenheit dem jungen Manne im Namen jener Wissenschaft, der ich anzugehören die Ehre habe, zu gratuliren. Eiserner Fleiß, verbunden mit tiefem diagnostischen Scharfblick, treten prägnant in dem Erstlingswerke Herrn Salamons hervor." Diese Worte in dem Munde des vielberühmten rigorosen Klinikers und Präsidenten der Akademie mußten um so größeres Staunen Hervorrufen, als sie nicht einer anerkannten Größe, sondern einem obscuren Namen galten. Ein allgemeines beifälliges Gemurmel ward hörbar in den Reihen der versammelten Gelehrten. „Die Arbeit," fuhr der Präsident fort, „wird auf Kosten der Akademie in Druck gelegt und dürfte nicht verfehlen, auch in weitern Kreisen das gerechteste Aufsehen zu erregen." Wir können füglich die übrigen Ereignisse dieses feierlichen „Gelehrtenabends" übergehen, da sie erstens von geringerem Interesse sind, zweitens in das Getriebe unserer Erzählung nicht eingreifen. Mehr aber dürfte es unsere Leser interessiren, zu erfahren, wo der Held des errungenen Preises sich befindet. Unbewußt seines Glückes sitzt er auf seinem Dachstübchen in einem sehr antediluvianisch aussehenden Hause des Medicinerviertels, das heißt in der Nähe des Spitals. Wir treten in dies Stübchen. Eine trübe brennende Studirlampe erleuchtet dasselbe. Das hervorragendste Möbel in dem engen Raume ist allenfalls jenes Skelet, mit dem etwas fadenscheinigen Oberrocke unseres Helden bekleidet. Gewiß kann dieses wsweuto mori mehr Anspruch auf den Namen Möbel machen, als was sonst an Hausrath sich in dem kleinen Zimmer befindet. Ein Tisch aus weichem Holze, ein Feldbett, zwei altersschwache Sessel machen die vier feuchten Wände zur Wohnung. Die Glocke des nahen Kirchthurmes verkündet die achte Abendstunde. Bei dem dröhnenden Schlage erhebt sich das Haupt des Studenten von dem Buche, darüber es gebeugt war. Wir können nun mit Muße dieses Haupt einer genauen Betrachtung unterziehen. Kohlschwarze lockige Haare umrahmen eine stolze Stirne, die den forschenden Gelehrten bekunden könnte, wenn überhaupt die größere oder geringere Wölbung und Höhe derselben ein sicheres Criterium für die Geistesgaben eines Menschen abzugeben vermöchte. Die Nase, etwas gebogen, verräth den Juden. Der Mund, ernst geschlossen, scheint nur selten einem Lächeln sich öffnen zu wollen. Die Augen, dunkel pigmentirt, haben einen gutmüthigen, etwas schwärmerischen Ausdruck, und verrathen, wenn sie in einem Gedanken aufblitzen, viel Geist. Jetzt erhebt sich der junge Mann von dem Sessel. Wir sehen eine hohe, wiewohl etwas vorgebeugte Gestalt. Letztere Eigenschaft mag wohl dem Umstande zuzuschreiben sein, daß er bei seinen ununterbrochenen Studien gebückt sitzt. Er scheint zu bemerken, daß es etwas kühl im Zimmer sei, und wirft bedauernde Blicke auf einen kleinen eisernen Ofen, der wohl schon an die gluterfüüten Tage seiner Jugend vergessen haben mag. Händereibend durchmißt er einige Male eilig das Zimmer. Da beginnt er plötzlich: „Mir darf es nicht kalt sein," und setzt sich wieder an den Tisch. Er liest einige Zeit leise vor sich hin. Da fährt er auf. Haben wir heute nicht den 20. December. Das ist der Geburtstag meiner Mutter. Schon seit vier Jahren habe ich ihr holdes Antlitz nicht gesehen, seitdem der strenge Wille des zürnenden Vaters mich fernhält von der traulichen Schwelle des Elternhauses. Nein, nein. Ich hatte doch Recht, als ich nach Vollendung der Gymnasialstudien seinem Willen, mich dem Handelsstande zu widmen, nicht nachgab, und meinem Drange, Medicin zu studiren, folgte. Der Jude muß sich losreißen von jenem Schachergeiste, der ihn trennt von dem Volke, in dessen Lande er wohnt. Er muß bebauen lernen das Feld, nicht allein das des Getreides, sondern das weitere des Geistes. Seine Intelligenz, die ihm vor vielen Nationen eine Geschichte voll Tugend und Prüfungen bewahrt, soll er benützen, um zu zeigen, daß jetzt, wo eine hofsnungs- und thatenreiche Zukunft sich ihm erschlossen, er bereit ist, seine Kräfte der Menschheit zu weihen. Ja, der Jude, so schließt er begeistert in seinen Gedanken, hat eine große Mission zu erfüllen. Er soll sich dem Wohle des Volkes weihen, nicht blos des seinen, sondern eines jeden leidenden, das ist dem Wohl aller Völker. Er muß Cosmopolit sein, und Cosmopolit ist vorzüglich der Mann der Wissenschaft, die allen Völkern gehört, die alle Völker ihrem edelsten Ziele zuführt — der Cultur. Heller blitzt sein Auge auf bei diesen Gedanken, doch bald trübt es sich. Er denkt an die Seinen, die heute froh den Geburtstag der süßen Mutter begehen. Da nahen die Schwestern und bringen die Geschenke, an denen sie insgeheim so manche Nacht gearbeitet, damit die Gute nur so recht überrascht werde. Der kleine Bruder trägt verlegen sein Gedichtlein vor, und die Mutter, die Hand des Gatten mit der ihrigen umschließend, blickt gerührt auf das schöne Gemälde. In seinem Zimmer aber ist's dunkel und kalt. An das Fenster klopft der Wind, der verwehende Schneeflocken durch die Straßen jagt. Was Wunder, daß bei diesen Gedanken unwillkürlich verräterische Tropfen auf das Blatt fallen, das er eben aufgeschlagen hält. Vier Jahre und noch immer ist mein Vater nicht versöhnt, lispelt er leise vor sich hin, vier Jahre der Entbehrung und harter Prüfungen. Ich habe viel seitdem gelitten. Doch Eines hat mich aufrecht erhalten, die Hoffnung, daß ich den Meinen werde beweisen können, mir sei es ernst mit dem Berufe, den ich mir erwählt, die Erfolge meines Studiums sollen es ihnen zeigen, daß es unverzeihliche Sünde gewesen wäre, hätte ich bei der Wahl meines Berufes meinem Vater gehorcht. Doch noch weit ist es bis dahin. Manche trübe Stunde wird verrinnen ins Meer der Zeit, bis ich am Ziele stehe. Ein Klopfen an der Thür unterbricht ihn in feinen Gedanken. Auf sein „Herein!" stürzt athemlos ein junger Mann ins Zimmer. „Vivat aeaäswia!" so schreit er, nach Luft schnappend. „Nicht die aiwa water, nein, die Großmutter. O, Du Glückssohn, Du Tonntag- oder Sabbatkind. Und da sitzt er mit einem Gesicht wie weiland Jeremias auf den Trümmern Carthago's, will sagen Jerusalem's. Auf, edler Sohn Juda's, raffe Dich auf. Du hast 1000 Gulden und bist xrosaious laureatus." (Fortsetzung folgt.) Briefe aus Ungarn. (H.) daß den drei Rabbinern in Preßburg, Ujhely und Szerdähely diese Durch die neueste Verordnung des hohen königlichen ungari-! Begünstigung zu Theil werde, doch gelang es der Dazwischeaschen Statthaltereirathes in Ofen wurde an vierzig Jeschibas I kunft Sr. Ehrwürden des Ujhelyer Rabbinen Jeremias Löw, das Ungarns das Oeffentlichkeitsrecht zuerkannt. Anfangs hieß es, i Oeffentlichkeitsrecht für die Mehrzahl der Jeschibas des Landes

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