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Deborah · 1866-02-01 · Heft 3 (1.2.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 3 (1.2.1866)
Date
1866-02-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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— 30 — „Sie entließen uns und behielten Jose ben Joeser," ergänzte Alkymos. „Lebendig?" „Ja, mein diviner Herr!" „Dann wird der alte Rabe krächzen und Verderben schreien. Alkymos,-du hast deinem Könige eine Schlacht verloren." „Ach Gott, nein, er hat sich gar nicht geschlagen," brummte der Narr. „Es scheint," fuhr Menelaus fort, „daß du mit dem Feinde einverstanden bist. Wie kommt es, daß du unverletzt und im Besitze deiner Waffen entkamst? wie kommt es, daß Keiner im Kampfe verwundet wurde?" „Deine Weisheit, mein diviner Herr, ist wie die eines Gottes," sagte Alkymos. „Jetzt begreife ich, warum sie unserer schonten und mit unfern Waffen uns zurück schickten. Sie wollten uns verdächtigen in deinen Augen. Ich bin unschuldig, mein diviner Herr." „Ich glaube es, aber wird auch Apollonius es glauben. Zweifach hast du deine Pflicht verletzt, du ließest Jonathan aus der Stadt entkommen, und er entriß dir Jose ben Joeser. Sieht das nicht aus wie Berrath?" „Barmherzigkeit, mein diviner Herr, ich bin unschuldig." „Und meine Tochter ist als Geißel für Jonathan in Aspasia's Hand. Das ist dein Werk, Alkymos." „Ich will sie befreien, diviner Herr, ich will mein Leben für das ihrige einsetzen." „Wohlan denn, du befreist sie, oder der König erfährt Alles." Menelaus verließ den Saal und Amram sang: Alkymos ist ein Held; Und glaubt die Lügenwelt." Alkymos jagte ihn hinaus, dann machte er Pläne zur Befreiung Jphigenia's. „Gut, so mußte es kommen," sagte er selbstzufrieden. „Ich habe den verhaßten Jonathan vom Halse. Ich befreie Jphigenia und sie ist mein, sie, der Reichthum und die Priesterwürde ihres Vaters." (Fortsetzung folgt.) Aus Rußlands Vergangenheit. Von L. H. F. Der Wind heulte stärker denn früher, die Wolken zogen dicht und schwarz über den nächtigen Himmel; die Bäume standen, vom Herbste entlaubt, wie dunkle Gespenster in der Nacht, die gelben Blätter regneten, vom Winde getragen, rauschend herunter und bedertten den Boden, der unter den Füßen knisterte. Den Athem anhaltend, ihre ganze Seele im Auge und im Ohr, mit vorsichtigem Schritte, lauernd wie die Füchse, schritten die Wanderer fort, bis sie die Mitte des Waldes erreichten und schon Angesichts des Cordons, der sie vom gelobten Lande ihrer Befreiung trennte, das laute Bellen eines Hundes, der plötzlich in einiger Entfernung anschlug, sie zusammenschrecken machte. Die Kosaken schienen in der Nahe zu streifen. Die vier Kinder erstarrten und drängten sich, wie Lämmer um ihren Hirten, wenn sie den Wolf sehen, um ihren Führer. In der Ferne hörte man wechselnde Stimmen, das anhaltende Bellen eines Hundes, vermischt mit dem Aechzen des Windes in den bereits entlaubten Bäumen. Die Stimmen kamen näher, die Gefahr wurde größer. Doch, einen Augenblick der Besinnung, und der kühne Führer, der selbst in der Gefahr keinen Moment seine Fassung verliert, hebt einen kleinen runden Kieselstein, der zufällig zn seinen Füßen lag, und schleuderte ihn durch einen kräftigen, geschickten Wurf über die Wipfel der Bäume so hin, daß er weit jenseits der Stelle fiel, wo in diesem Augenblicke sich die Kosaken befanden, und ein Geräusch aus dem mit dürrem Laub bestreuten Boden machte. Die Kinder schraken bei diesem unbegreiflichen Beginnen, das die Gefahr nur noch mehr zu provociren schien, zusammen, und blickten bestürzt zu ihrem Führer auf, während die Grenzwächter durch das verursachte Geräusch des fallenden Steines auf der andern Seite getäuscht, ihre Richtung veränderten, die entgegengesetzte Seite nahmen und den Hund, der die richtige Fährte hatte, zurückriefen, damit er sie auf dem falschen Wege begleitete. Den Erfolg seiner List benützend, eilte der Mann mit den Knaben behende, aber stillen Schrittes, in anderer Richtung, zeichnete eine Diagonallinie, gewann das andere Ende des Waldes, und Alle sahen sich außer dem russischen Territorium und außer dem Bereiche russischer Macht auf österreichischem Boden, im Gefühle der Freiheit und Sicherheit nach überstandenen Gefahren freudig ausathmend. Sie waren geborgen. Im Osten graute der Morgen und seine ersten Strahlen grüßten die Fremden auf fremdem Boden. Der Mann, der diese armen Knaben hergeleitet, hat oft diesen Weg gemacht und wird ihn wohl noch öfter durchmesscn; er hat auf den beschneiten Bahnen des Winters, in den grünen Wäldern des Sommers, in den silbernen Nächten des Mondes und in den finstern Nächten der wirren Abenteuer genug erlebt, gefährdet und gefährdend; zuweilen hat er auch die contrebanden Kleinen, die zu schwach oder zu müde waren zur Flucht, ihrem Schicksale überlassen müssen, da er auf eigene Rettung bedacht war; wie viele Gefahren haben ihn bedroht, wie viele Kugeln ihn nicht schon umrauscht, den muthigen Mann, der ein so gefährliches Handwerk gewählt! Auf demselben Wege wird er nächste Nacht in seine Heimat zurückkehren und wieder kommen, neue Flüchtlinge bringend, sein Herz, sein Gewissen, sein Muth sind gestählt, und wird sich dereinst eine Kosakenkugcl bis zu seiner Brust verirren, nun was mehr? eine Kosakenkugel geht gut und man. stirbt nicht zwei Mal. Aber diese Kinder, bis zur nächsten Stadt geleitet, scheiden sie hier von ihrem Führer, der ihnen empfiehlt, sich mit andern Namen nennen zu lassen, bleiben, einige Tage von dem wenigen Gelde zehrend, dann ohne Mittel, ohne Schutz, ohne Brot! Von ihren Eltern entfernt und selbst, um den Behörden keine Spur zu geben, ohne brieflichen Verkehr mit den Ihrigen, in der Dunkelheit ihrer Stellung vergraben, ist Niemand da, der ihre Schritte lenkt, daß sie nicht ausarten. Niemand, der ihren Geist wahrt, daß er nicht verwildere, und Niemand, der die exotischen Schößlinge in ein fruchtbares Reich pflanzt, daß sie nicht verkümmern. Beim Leben ihrer Eltern verwaist, dem Elend, dem Mangel, dem Zufall preisgegeben, leben sie das Leben des Ertrinkenden am Strohhalme, das Leben des Wurmes unter dem Tritte, ein Leben der Entbehrung, der Marter und der Qual, ein Leben der Duldung, das sie bis zum Grabe Hinschleppen! 3. Kosak und Schmuggler. Es sind Jahre seitdem vergangen. Der Winter lag im schneeigen Kleide auf der Erde, das grüne Gewand ersetzend, das er von ihren Blößen genommen.

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