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Deborah · 1866-02-01 · Heft 3 (1.2.1866) · page 5

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Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 3 (1.2.1866)
Date
1866-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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— 29 — Zerknirscht lag Menelaus auf dem Divan und gedachte seiner eilMen Tochter, der vielleicht dasselbe Loos bevorstand. Er rannte nicht ahnen, daß Amram von dem jüngsten Ereignisse in seinem Cabinete etwas wußte, und glaubte in dieser Zufälligkeit eine fürchterliche Botschaft des Himmels zu vernehmen. Die phantastischen Sprünge und die grauenhaften Grimassen des Narren, den er als einen Besessenen scheute, gaben seinem Gesänge nur noch mehr Nachdruck und Wirkung. Endlich lachte der Narr überlaut, machte ein so einfältiges Gesicht, daß auch Menelaus lachen mußte. „Arme Leute müssen immer froh sein, sagte mein Lehrer; denn die haben nichts zu verlieren und Alles zu gewinnen. Reiche Leute sehen ernst aus, weil der Reichthum ihnen Sorgen macht. Narren scherzen, die Weisen denken, so sagte mein Lehrer." „Dein Lehrer hat einen Narren aus dir gemacht," sagte Menelaus verdrießlich. — „Sage mir, Narr, weiß dein Aschmodai nicht, wo Alkymos hingegangen ist?" Amram merkte wohl, daß diese Frage nicht scherzweise, sondern vom Aberglauben gestellt wurde, und er stellte sich wieder ganz wahnsinnig. Er lief rasch im Zimmer auf und ab, sprach dummes Zeug, rieb die Hände und gestikulirte gräßlich. „Um den Thurm herum ging Alkymos," brummte er vor sich hin, „dann ging er hinein, kam mit seinen Soldaten heraus und schlug den Weg nach Golgatha ein. Plötzlich stürzte Aschmodai aus sie herab, verschlang sie alle wie einst weiland Salomon und schleppte sie in Scheol's grauenhafte Tiefen." „Narr, wie sah der Aschmodai aus, der Alkymos verschlungen?" frug er heftig auffahrend. „Er sah aus wie Aschmodai, wie er aussah, als er hieher kam und mich holen wollte." „Wie Jonathan, heiliger Gott, wenn Jonathan sich vergessen hat, ist meine Tochter verloren! — rede, Narr, sah er aus. wie der junge Mann?" — „Pst, heiße ihn nicht einen jungen Mann," unterbrach der Narr, Aschmodai ist allgegenwärtig, er könnte es dir übel nehmen." „Wie sah er aus?" fuhr ihn Menelaus an. „Ganz so, wie er hier aussah." „Also doch Jonathan, heiliger Gott, also Jonathan ein Nebelle, Jonathan hat Alkymos und die Soldaten erschlagen und meine Tochter ist in Aspasia's Hand, als Geißel für Jonathan in ihrer Hand. O, mein Kind, mein einziges Kind, du bist verloren!" „Nein, nein, nein, ich bin nicht verloren," schrie Amram, „Aschmodai hat sich an Alkymos satt gegessen, er mag mich nicht." „Schweig, unausstehlicher Narr!" rief Menelaus, dann jammerte er laut um Jphigenia. Amram sah den jammernden Mann einige Minuten starr an und überzeugte sich, daß er zerknirscht und gebeugt genug ist, ein ernstes Wort zu vernehmen. Er sang laut und jauchzend: Reicht euch zum Bruderbund die Hand." Menelaus konnte sich lange von seinem Schrecken nicht erholen, sein Blut erstarrte, als er die begeisterten Freiheitsklänge hörte. „Narr, sage mir die Wahrheit," sprach er endlich, „woher hast du dieses tolle Lied?" „Aschmodai hat's vom Himmel mitgebracht, er geht auch manchmal in den Himmel und lauscht hinter dem Vorhänge, was Gott mit seinen Engeln spricht, und da hat er dieses Lied genascht und es allen Leuten gelernt, jetzt heißen sie es die Volkshymne und singen es in allen Ecken und Winkeln." Menelaus ging rasch im Zimmer auf und ab, ohne weiter auf Amram zu merken. „Pöbelwitz, nichts als Aberglaube und Pöbelwitz," brummte er vor sich hin, dann wiederholte er die Worte: „Die Macht ist eitler Schein und Tand." — „Nein, so soll's nicht sein, ich will allen Narren zeigen, daß es nicht wahr ist. Herrschen will ich, allen Narren und Dämonen zum Trotze will ich herrschen." Er schlug die Metalltrommel, ein Diener trat ein und meldete Alkymos, der auch gleich vorgeführt wurde. Er ließ sich demüthig aufs Knie nieder, Menelaus befahl ihm auszustehen und zu sprechen. „In einer kleinen Entfernung von der Spitze des Golgatha," erzählte er demüthig, „wurde ich von Jonathan und einer Schaar bewaffneter Rebellen angefallen. Die Weinigen kämpften muthig, verübten Wunder der Tapferkeit; aber zu zahlreich war der Feind. Wir wurden von allen Seiten hart gedrängt, sie preßten uns zwischen ihre Schilder und —" Amram, der nicht beachtet wurde, fiel ihm hastig ins Wort: „Ja, ja, ich habe es selbst gesehen. Aschmodai kam mit zehntausend feurigen Pferden und Reitern, schleuderte Wolken und Blitze um sich, hunderttausend feurige Pfeile und Lanzen aus Blitzen sausten durch die Luft —" „Willst du schweigen, frecher Narr!" fuhr Menelaus ihn an. Alkymos fuhr fort: „Das kostbare Blut der Meinigen zu schonen, mußten wir uns ergeben; aber Keiner von ihnen ward verletzt." „Das ist eben das Wunder," sagte Amram. „Aschmodai war heute im Himmel und hat Mores gelernt." „Augenblicklich sollst du schweigen. — Und was geschah weiter?" „Wir wurden nach Mizpah geschleppt. Ich gab den Rebellen 24 Stunden Zeit, uns in Frieden abziehen zu lassen, oder Apollonius würde nicht einen Stein auf dem andern lassen." „Dann erschrak Aschmodai gewaltig," brummte Amram. „Aschmodai fürchtet das Miauen schwarzer Katzen."

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