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Deborah · 1866-02-01 · Heft 3 (1.2.1866) · page 4

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Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 3 (1.2.1866)
Date
1866-02-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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— 28 — finde ich dich wieder." Die Söhne knieten nieder und er legte segnend ihnen die Hand aufs Haupt. „Seid einig!" war seine letzte Ermahnung, dann küßte er die Tochter und Gattin, erhob sich nochmals und sprach: „Gott ist mein Panier," entschlief sanft und war nicht mehr. — Von heiliger Schauer ergriffen umstanden sie den Leichnam, keiner wagte es, die feierliche Sülle zu unterbrechen, bis endlich Miriam in hoher Begeisterung ausrief: „So geht die Sonne unter. — Hieher, meine Söhne, tretet hieher, berühret diese heiligen Locken, dann kniet hin in den Staub und schwöret, das heilige Vaterland zu retten, das große Werk zu vollenden, das euer Vater so groß und siegreich begonnen." Sie knieten hin vor die Leiche, schwangen die Schwerter in die Luft und schworen, Gott und Israel treu zu bleiben und das Vaterland zu retten. Miriam übergab des Vaters Löwenbanner ihrem Sohne Judah und sank weinend in die Arme der Tochter. Im Lager aber verbreitete sich das Gerücht, daß Matathia von den vier Erzengeln emporgetragen worden zur lichten Heimat und daß er Judah zum Stellvertreter zurückgelaffen. Am nächsten Morgen schon wurde Eleasar zum Herrscher und Judah Maccabee zum Feldherrn ausgerufen und die ganze Armee huldigte ihnen einstimmig. Die Ueberreste Matathia's wurden zu Modain in der Familiengruft beigesetzt. Eilftes Kapitel. Die Bolkshymne. Im Palaste des Menelaus wurde lange vergebens auf die Rückkehr des Alkymos geharrt, und Niemand konnte sich das plötzliche Verschwinden desselben erklären. Menelaus war so allein und ohne Freund, gerade jetzt, da er des Freundes bedurfte, um Jphigenia aus den Händen Aspasia's, ohne mit dem mächtigen und despotischen Syrier zu collidiren, zu befreien, daß er sehnsuchtsvll der Rückkunft des Alkymos entgegen harrte und darum auf jedes Geräusch im Palaste lauschte. Das lange Ausbleiben des Alkymos erfüllte ihn noch mit der besondern Besorgniß, das erbitterte Volk habe vielleicht, die Hinrichtung des Jose ben Jocser verhindernd, Alkymos mit den Seinigen erschlagen und dem Apollonius zu neuen Metzeleien Anlaß gegeben. Es schien ihm, als rege sich etwas im Wachtzimmer des Palastes und er öffnete die Thüren seiner Gemächer; da hörte er Amram kläglich und weinerlich singend: „Klage Zion sammt dem Lande Gleich dem Weib in Kindesnoth, Wie die Braut im Trau'r-Gewände Klagt ob des Verlobten Tod. Tranre, daß die Burg zerfallen Ob der Herrscher Misfethat; Daß des Tempels heilige Hallen Dort fließet jetzt der Sänger Blut; Länger konnte Menelaus den schrecklichen Gesang nicht anhören, er ließ Amram rufen und fuhr ihn barsch an: „Wer hat das Lied dich gelehrt?" „Ich habe kein Lied gesungen, habe keines gelernt, Aschmodai singt in mir, was ihm cinfällt, tolles Zeug, lumpiges Geheul," sagte Amram, mit schrecklichen Grimassen begleitet. „Der Narr lief draußen vor dem Thore herum," sagte der Soldat, der ihn vorgeführt, „winselte und brummte wie ein Nachtgespenst. Ich arretirte ihn und brachte ihn hieher." Der Soldat wurde entlassen und Menelaus fragte: „Narr, wo warst du?" „Ich wollte nach den Bergen laufen, weil ich die Rebellion sehen möchte. Das muß ein schöner Spaß sein." „Habe ich dir nicht ausdrücklich befohlen, die Stadt nicht zu verlassen?" „Weil du aber die Weisen fortgeschickt hast, die Rebellion zu sehen, dachte ich, da muß ich mitgehen, damit die Sache vollkommen werde. Die Weisen können ohne Narrheit nicht sein, und die Narrheit ist meine Sache. Ich wollte die Thorheiten begehen, damit ihnen nur die Weisheit bleibe. Jetzt haben mich deine Soldaten zurück geschleppt und deine Weisen müssen selbst Narrenstreiche machen." „Das geht dich nichts an. Ich will wissen, wer dir das Lied gelernt." „Alle Leute singen das Lied und Aschmodai auch. Bschmodai ist halb Mensch und k^b Satan; er ißt, trinkt, singt und schläft wie ein Mensch, er herrscht, haßt und quält wie ein Satan. Gestern sah er aus wie lohe Flamme, heute hat er in eine verkohlte Eiche sich umwandelt. Er quält mich Tag und Nacht, mein Kopf glüht, meine Glieder brennen —" „Ich will wissen, wo du das Lied gehört hast?" unterbrach ihn Menelaus. „Wenn dir Aschmodai's Lied nicht gefällt, will ich dir ein schöneres singen." Ohne eine Antwort abzuwarten, sang er: Keine Blum' auf Judah's Höh'n Blüht wie Jephta's Kind so schön! Mit Gesang und Paukenschlag, Den Erzeuger zu begrüßen. „Was verhüllst du dein Gesicht? Kennt sein Kind der Vater nicht?" „Weh! ein schwer Gelübde that Das von Trübsal überschwoll: — „Herr, du gabst sie! Nimm sie wieder!" Eine heiße Thräne quoll Und die Töchter Judah's klagen Um der Tochter Jephta's Tod Noch bis zu den spät'sten Tagen."

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