Mannheim
Compact Memory

Deborah · 1866-02-01 · Heft 3 (1.2.1866) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Deborah
Volume
2 (1866)
Issue
Heft 3 (1.2.1866)
Date
1866-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2566634-2566635-2566636--05-2566661
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 27 — dem Könige gehalten; dieser satanische Plan, dieses Lügengewebe hat mich bekehrt. Ich bin dein Diener." „Stehe auf und knie vor keinem Menschen," befahl Matathia und der Fremde gehorchte. „Wann wird der Feind uns angreifen?" „Sobald er die erwartete Verstärkung erhält." „Wann wird diese erwartet?" „In zwei oder drei Tagen," sagte der Gefragte. „Samuel, dieser Mann muß streng bewacht werden," befahl der Alte; „er ist ein Verräther." „Barmherzigkeit, Matathia, du irrst dich, ich bin dein Freund," flehte der Mann. „Werden wir heute oder morgen von den Syriern angegriffen, fällt der Kopf dieses Mannes," befahl Matathia streng; „denn er ist ein Verräther. Vorwärts! Marsch!" Der Mann wurde abgesührt. Matathia sank aufs Knie und erhob die Hände zum Himmel: „Herr und Gott!" rief er mit gewaltiger Stimme, „warum sind Verräther unter deinem auserkorenen Volke. Herr und Gott! du weißt, daß dieser geschickt wurde, die Aufmerksamkeit deines Dieners von der Bewegung des Feindes abzulenken. Es naht der entscheidende Augenblick, der Feind zückt das Schwert. Laß mich leben, den ersten Sieg deiner Kinder zu schauen, dann, o Herr! dann bin ich zu sterben bereit." Seine Hände zitterten, seine Knie wankten, er sank kraftlos aufs Lager hin. Da ertönte draußen der Gesang der Leviten und der Priester Hörnerklang, Matathia erhob sich langsam vom Lager, „ich will nicht sterben, bis ich den ersten Sieg meines Volkes geschaut!" rief er endlich. „Gehorche, morscher Knochenbau, ich will noch nicht sterben." Er stand auf, umgürtete das Schwert und trat hinaus zu den Kriegern. Wie eine Marmorsäule grade und kräftig stand er zwischen den Seinigen, die ihn mit lautem Jubel begrüßten. Ein Prophet weissagte eben die Siege, die ihm bevorstanden und las aus dem Buche Daniel, wie der Menschensohn die Feinde Gottes vernichten wird, und dieser Menschensohn, das wußte der Redner gewiß, war Matathia. Dann sangen die Leviten im mächtigen Chore: „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen und schaue, woher wohl mir Hülfe kommt." Da ertönte der brausende Chor aller Krieger: „Meine Hülfe kommt von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Nicht wanken läßt er deine Füße, nicht schlummern deine Wächter; denn sieh, er schlummert nicht und er schläft nicht, der Wächter Israels." „Krieger des einig-einzigen Gottes!" rief jetzt Matathia mit mächtiger Stimme, „erhört hat der Herr unser Gebet, Wohlgefallen gefunden an unserm Fasten. Effet jetzt, und trinket und freut euch des göttlichen Heils. Esset und trinket; denn diese Nacht noch wird der Herr Wunder thun in Israel. Diese Nacht noch werdet ihr die Feinde Israels schlagen." Ein Donner enthusiastischer Rufe erhob sich aus der Masse, die Propheten wußten genau, welcher Engel dem Matathia die frohe Kunde vom Himmel gebracht und in wenigen Minuten wußte es Jeder im Lager. Es wurde nach Herzenslust gegessen, getrunken, gesungen, gejubelt und geweissagt, das ganze Lager war ein wirbelnder Chor wonnetrunkener Stimmen. Schon zeigte sich der junge Tag im Osten, aber das Fest neigte sich noch nicht zu Ende. Da tönte es gewaltig durchs Lager: Tekiah! Teruah! wieder und nochmals und jeder Mann greift hastig nach seiner Waffe und stellt sich in die Schlachtlinie. Dem Hörnerklang folgen die Befehle und vorwärts rücken die Reihen, vorwärts zum Kampfe auf Leben und Tod. Vor Sonnenaufgang schon wüthet die Schlacht mit grimmiger Macht. Matathia beobachtet den Kampf und ertheilt Befehle von einem hohen Felsen herab. „Vater, wir sind verloren!" schrie Simon, „deine Krieger weichen von den Rossen und Elephanten." „Schäme dich, Mutter Miriam, dein Sohn verzweifelt!" rief der Alte grimmig, eilte vom Felsen herab, schwang das Schwert mit der Rechten und das Löwenbanner mit der Linken, stürzte sich den fliehenden Kriegern entgegen und rief mit donnernder Stimme: „Der Sieg ist unser, Gott ist mit uns!" Zurück auf den Kampfplatz führte er die fliehenden Krieger und eilte von Punkt zu Punkt mit der Schnelligkeit der Gazelle. Seine Gegenwart, seine Worte, sein Muth begeisterte die Kämpfer und sie stürzten immer mit verjüngter Kraft sich dem Feinde entgegen. Ueber Leichenhügeln und durch Blutftröme stürmten sie in wilder Begeisterung auf Elephanten und eiserne Streitwagen los, stürzten Legionen von Feinden nieder; aber als stiegen die Schaaren aus dem Boden, ersetzten frische Truppen immer die Geschlagenen wieder, bis endlich die Nacht hereinbrach und die erschöpften Patrioten singen an, der Uebermacht zu weichen. Wieder und wieder ertönte Matathia's begeisternder Ruf von allen Ecken und Enden, und der Kampf entbrannte aufs Neue. Die Syrier schienen zu weichen und sich nach einer andern Richtung zurück zu ziehen. Es wurde immer dunkler und die Syrier statt rückwärts retirirten seitwärts. Matathia befürchtete überlistet zu werden und war unschlüssig; da hörte er das Tekiah und Teruah im Rücken des Feindes. „Das sind meine Söhne!" schrie der Alte begeistert und Thränen netzten die blaffen Wangen. „Vorwärts, ihr muthigen Gottesschaaren, der Feind flieht, er ist geschlagen, dort hinten kämpfen meine Söhne." Sie waren es auch wirklich. Vom Neuen entbrannte die Schlacht, und die Syrier fielen zu Hunderten unter den schweren Streichen der Patrioten. Endlich scheuten die Elephanten und traten Roß und Mann nieder, so daß in wenigen Stunden nur schwache Ueberreste vom syrischen Heere noch übrig waren, und die fielen meistens in die Hände der siegenden Patrioten. Der Mond ging auf und beleuchtete eine fürchterliche Scene. Da lagen die Todten und die Sterbenden, Pferde, Krieger, Waffen, zerschmetterte Streitwagen in Blutströmen; das Röcheln der Sterbenden und das Winseln der Verwundeten wurde übertönt von den donnernden Rufen der Sieger, vom Schmettern der Posaunen und dem Gesänge der Leviten. Auf einem Steine saß Matathia, das Haupt gestützt aus die Rechte, da traten seine fünf Söhne heran und brachten ihm die Gattin und die Tochter. „Gott sei gepriesen," rief er mit matter Stimme, „daß ich euch alle wiedersehe. Das war Hülfe in der Noth. Kinder, führet mich in mein Zelt, ich bin sehr müde." Sie trugen ihn ins Zelt und legten ihn aufs Lager. „Es ist vollbracht," sagte er, „Israel hat gesiegt, es ist sich seiner Kraft bewußt geworden. Eleasar, mein Sohn, soll das Land regieren, Judah soll die Armee commandiren, Simon, Johann und Jonathan sollen ihm beistehen. Ehret eure Mutter, bleibet treu Gott und Israel. Es ist vollbracht. Ich gehe heim." „Sterbe nicht, Matathia!" rief die Gattin mit schmerzlicher Stimme. Matathia lächelte, reichte ihr die Hand und sprach: „Mein Tagewerk ist gethan. Miriam, im Paradiese

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.