Deborah
- Journal
- Deborah
- Volume
- 2 (1866)
- Issue
- Heft 3 (1.2.1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 26 — Die Hasmonäer. Historische Novelle, aus dem Englischen. (Fortsetzung.) Zehntes Kapitel. Die Schlacht und der Tod. „Ich fürchte, der Feind hat uns überlistet," sagte Simon etwas zaghaft zu seinem Vater, dem alten, kühnen und kampflustigen Matathia. „Ich fürchte!" donnerte der Alte mit gerunzelter Stirne. „Du sollst nicht fürchten, nichts sollst du fürchten außer Gott, noch soll das feige Wort deine Lippen entehren." „Ich bitte um Verzeihung, mein Herr und Vater!" fuhr Simon gedemüthigt fort, „ich wollte nur eben sagen, daß unsere Boten spät nach Mizpah und Samarien abgingen und der Feind ist mit mächtigen Heeressäulen vor uns, befehligt von zwei erfahrenen Feldherren, Philarches und Callisthenes. Sie müssen uns angrcifen, weil es ihnen an Brot und Wasser mangelt, so daß selbst das Schlachtvieh, das sie mitgebracht, verdurstet, und die Krieger sind ungeduldig wie blutdürstige Tiger. Sie müssen uns zu einer Schlacht zwingen." „Uns zu einer Schlacht zwingen? Sind wir nicht bereit, dürsten wir nicht nach einer Schlacht? Simon, Simon, es scheint dir der Muth zu sinken." „Nicht doch, mein Herr und Vater, dein Sohn kann nicht muthlos werden. Wie du dürste ich nach einer großen Waffenthat, gleich dir harre ich sehnsuchtsvoll der Stunde, für Gott und Vaterland das Schwert zu schwingen. Ich beabsichtige dich auf die Macht des Feindes aufmerksam zu machen. Er ist mit Rossen und Elephantcn reichlich versehen, uns aber geht beides ab. Seine Waffen sind bedeutend besser, seine Kriegerzahl größer als die unserige." „Rosse, Elephantcn, Waffen und Miethtruppen sind keiner Begeisterung fähig," versetzte Matathia, „meine Patrioten aber werden von der Macht der Begeisterung getragen, und die wird wie in den Tagen David's Wunder wirken." „Doch, mein Herr und Vater, es verlasse Niemand auf ein Wunder sich, doch wäre es besser nach meiner Ansicht, wenn du dich weiter in die Wüste zurück zögest. Der Feind müßte dir folgen, trotz Hunger, Durst, sengender Hitze und brennendem Sande dir folgen. Er würde nicht nur viele Krieger verlieren, sondern auch die Rosse und Elephantcn nicht benützen können und deine Söhne gewinnen Zeit, sich dir anzuschließen." „Seit wann ist die Jugend vorsichtig und das Alter enthusiastisch? Ich weiche nicht. Ein Rückzug entmuthigt. Muth und Begeisterung sind unsere Rosse und Elephantcn, denen kein Heer Widerstand leisten kann. Heute ist Fast- und Bußetag, die Leviten und die Priester werden das Ihrige thun; morgen sind wir schlagfertig. Meine Krieger müssen lernen Rosse und Elephantcn verachten, und dazu bietet dieses Steinmeer eine gute Gelegenheit. Muth, mein Sohn! Wozu dieses Grübeln und Klügeln? Muth und Begeisterung gewinnen Schlachten. Nicht die Heereshaufen der Persier, der Wiuth der Griechen siegte, und die Spartaner sind unsere Stammesgcnossen. Der begeisterte David erschlug den Riesen Goliath." Boten aus dem syrischen Lager wurden gemeldet, und auf Befehl Matathia's vorgeführt. „Philarches und Callisthenes, die Befehlshaber der Armee unseres ruhmreichen und mächtigen Königs," sprach einer der Boten, „senden uns zu Matathia, dem Hasmonäer, ihn aufzufordern im Namen der Götter, die Waffen niederzulegen und sich der Barmherzigkeit des Königs anzuvertrauen. Der Kampf ist vergebens, das Blut zwecklos vergossen, da das Häuflein bewaffneter Rebellen von unfern Kriegern eingeschlossen ist." „Ist das eure ganze Botschaft?" fragte der alte Patriot in einem ruhigen Tone. „Nein," erwiderte der Gefragte. „Philarches und Callisthenes lassen dir auch im Namen des Königs sagen, daß deine Söhne hohe Stellen im syrischen Heere erhalten sollen, wenn kein Blut vergossen wird, und du mit deinen Kriegern sollst frei sein und sollst das Recht haben, in Damaskus oder zu Antioch zu wohnen. Wenn ihr aber gegen die Armee des Königs kämpft, soll Tod oder Sclaverei eure Strafe sein." „Wenn sie uns haben werden," sagte der Alte lächelnd. „Hast du deine ganze Botschaft ausgerichtet?" „Ich habe nur noch meine eigene Bitte hinzuzufügen, von dieser besonder« Gnade des Königs Gebrauch zu machen, da es wirklich wahr ist, daß du eingeschlossen bist von einer überlegenen Heeresmacht." „Ich danke dir für den Rath, obwohl ich ihn nicht befolgen will," sagte Matathia. „Des Königs besondere Gnade ist ein Beweis unserer Macht; denn Könige sind nur denen gnädig, die sie fürchten oder brauchen. Sage deinen Herren: Ich, Matathia, der Hasmonäer, befehle ihnen, ihre Heere heim zu führen und uns nicht im Genüsse unserer Rechte und Gesetze zu stören, oder wir müssen und werden sie mit den Waffen in der Hand aus dem Lande jagen. Sage ihnen, jeder Tropfen Blutes, der in diesem Kampfe vergossen wird, fällt auf das Haupt des despotischen AntiochuS. Syrier, ihr habet eure Pflicht gethan. — Asariah, gebe ihnen Wein und Brot, dann verbinde ihnen die Augen und gebe ihnen sicheres Geleit." „Ob der Tausende, die blindlings dir vertrauen," fuhr der Bote fort, „Matathia, entscheide nicht zu voreilig. Du bist umringt, verloren, kein Gott kann dich retten." „Lästere meinen Gott nicht, er ist allmächtig," sprach Matathia ungehalten. — „Haben eure Herren euch besohlen, hier Worte zu vergeuden? Matathia ergibt sich nur dem Tode. Syrier, ziehet hin in Frieden. Wir treiben die Heere des Despoten aus unserem Lande, dieser Entschluß steht fest wie unsere Berge." Er winkte und die Syrier wurden abgeführt. „Schnell, mein Sohn, verstärke alle Wachen, verdopple deine Aufmerksamkeit, der Feind kennt die Stärke unserer Stellung und will uns überlisten. Das Betteln dieses verschmitzten Syriers ist darauf abgesehen, unsere Aufmerksamkeit auf andere Punkte zu richten." Simon verließ das Zelt. Es wurde ein entwaffneter syrischer Krieger vorgeführt, der vor Matathia aufs Knie fiel und rief: „Matathia, ergebe dich nicht, die wollen dich betrügen. Ich kenne die satanischen Absichten der Heiden, sie wollen dich und die Deinigen entwaffnen und dann zum Tode schleppen. Ich bin ein Sohn Israels, habe bis jetzt es mit