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Dibre Emeth · 1906-01-01 · 4 (1906) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
62 (1906)
Issue
4 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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30 der Allerbarmer. Darum kündigt der psalmist, ein Mitglied der Levitenfamilie der Korahiter, noch eine weitere Union an. Er teilt Vers und 5 einen Ausspruch des höchsten mit, dem zufolge einmal auch Aegypten und Babel Jehovah kennen, ja, Philister, Tyrer und 2lethiopen in Jerusalem geboren werden sollen. Er hört Vers 7 nach dein Grundtext die Menge dieser Kinder Jerusalems jubeln: „Alle meine Quellen sind in dir." Die alte Weissagung geht seit der Geburt Jesu in Erfüllung. Unser Heiland hat die höchste Form der Gottesverehrung begründet (Ioh. 4 23). Das irdische Jerusalem ist deshalb jetzt nicht mehr der sichtbare Mittelpunkt des Gottesreiches. Der Mittelpunkt dieses Reiches ist das himmlische Jerusalem. In die himmlische Gottesstadt hat der in der heiligen Nacht zu Bethlehem geborene Gottessohn unzählige Scharen eingeführt. (Vgl. Hebr. \2,22.) Solche Ierusalemskinder hatte Paulus im Sinne, als er von sich, dem Iudenchristen, und seinen galatischen Freunden, den Heidenchristen, bekannte (Gal. %2<o): „Das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; die ist unser aller Mutter". Wieviele Millionen Thristen stammen allein heutzutage unmittelbar aus der Heidenwelt! Viel, viel größer ist aber die Zahl der jetzt lebenden Ehristen, deren Vorfahren Heiden waren. Jesus vereinigt die verschiedensten Völker der Erde in einem Bruderbünde, über dem der allmächtige Gott selber thront. Das Weihnachtsfest soll daher auch als ein Fest des Bundes, als ein Unionsfest, gefeiert werden. Laßt uns aber auch gerne dazu helfen, daß das Volk Gottes immer größer werde! Als der bekannte Naturforscher Darwin den Einstuß des Evangeliums auf die verkommenen Feuerländer wahrgenommen hatte, zeichnete er einen Jahresbeitrag von (00 Mk. für die in Südamerika wirkende Missionsgesellschaft. Wir sind vielleicht nicht imstande, so viel Geld für die Ausbreitung des Reiches Gottes ' auszugeben. Aber helfen können wir ja auch schon mit einer kleinen Gabe, etwa mit einem Teil der Geldgeschenke, die uns das Weihnachtsfest gebracht hat. Hierzu geselle sich die Fürbitte für die Missionare und für die Ungläubigen, die zum Glauben geführt werden sollen, besonders aber das persönliche Zeugnis. 3u Matthäi 17, 27. Beate Paulus, die glaubensstarke Witwe eines württembergischen Pfarrers, war i. I. (830 nicht imstande, die Miete für ihre Wohnung in Münchingen zu bezahlen. Wie oft in ihrem Leben, so fand sie auch diesmal Hilfe durchs Gebet. „Betet mit mir!" rief sie ihren Söhnen zu, welche die Universitätsferien bei der Mutter zubrachten. Dann flehte sie den Heiland an, daß er ins Mittel trete. Sie sagte: „Einst hat ein Fisch in seinen: Munde den Stater bringen müssen, damit du den Zinsgroschen bezahlen konntest. Solltest du von mir fordern, daß ich den Hauszins schuldig bleiben muß? Ich kann's nicht glauben. Du hast in den: großen Meere deiner Schöpfung noch viele tausend Fische, die mk auch einen Stater bringen können. So bitte ich dich: Laß mich nicht stecken und hilf mir!" Die Söhne hatten von der Universität den Glauben an die Unveränderlichkeit der Naturgesetze und die Unmöglichkeit ihrer Durchbrechung mitgebracht. Daher fragten sie sich: „Ob wohl auf dieses Gebet etwas erfolgen wird?" Als eine Stunde nach der andern verging und der Zahlungstermin immer näher rückte, meinten sie, ihre Mutter habe vergeblich gebetet, plötzlich, kurz vor Mittag, erschien der Ortspfarrer, um der Witwe Paulus im Aufträge des Dekans ein Geschenk, welches ihr von einer Stiftung gewährt worden war, zu überbringen. Die Freude, welche sein Besuch bereitete, war groß. Auf seine Frage: „Wie und durch wen sind Sie denn bei dieser Stiftung um ein Geschenk eingekommen?" — antwortete die fromme Frau: „Ein Gesuch habe ich allerdings eingereicht, aber weder beim Herrn Dekan, noch bei irgend einem andern Menschen, - wohl aber bei dem, der sein Geschäftskabinett über den Wolken aufgeschlagen hat." Der Pfarrer wurde von diesen Worten Lief ergriffen. Den Söhnen aber traten die Tränen in die Augen. Sie sagten sich: „Wir haben heute eine Lektion erhalten, die mehr wert ist als (00 Universitätsvorlesungen." Ihre Mutter blieb bis an ihren Tod eine eifrige Beterin. Zwei oder drei Nächte der Woche widmete sie regelmäßig dem Gebet. Täglich erflehte sie den göttlichen Segen für sich, ihre Familie, ihre Freunde, den König und die Obrigkeit, die Kirche und die Schule. Aber dies genügte ihr nicht, darum brachte sie zwei- oder dreimal in der Woche die ganze Nacht im Gebet zu. Wenn ihre Kinder sie ermahnten: „Schone dich und gehe wie andere Leute ins Bett, um zu schlafen!" so erwiderte sie: „In der Ewigkeit will ich ruhen. Jetzt habe ich keine Zeit dazu. Ich habe so viel zu beten, daß ich kaum auskommen kann." Die seltene Frau starb im Januar (8^2, Jahre alt. Ihr Sohn Philipp gab ihre merkwürdige Lebensgeschichte heraus. 3u 2. Korinther 6) 1. Bei einer Volkszählung beantwortete ein Rentner, der ein behagliches Leben führte, auf der ihm übergebenen Liste die Frage nach dem Beruf oder der Beschäftigung mit der Erklärung: „Tut nichts." Neben dein Namen seiner Frau gab er mit einem „Dito" dieselbe Antwort auf jene Frage. Als er dann auch den Namen des Dienstmädchens eintrug, schrieb er in die gleiche Spalte: „Hilft mit." Dies schien zu besagen, daß das Mädchen beim Nichtstun seiner Herrschaft mithelfe. Indessen war das Urteil offenbar anders gerneint. Es steckte in demselben eine Ehrenerklärurrg für die Frau Rentnerin, die eben

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