Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Pius (um ^o) eine längere Apologie verfaßte. Während die letztere \S78 wieder aufgefunden wurde, ist die Apologie des Tuadratus noch nicht wieder zum Vorschein gekommen. Zur Zeit des Eusebius war dies Werk noch vorhanden. Derselbe teilt folgendes Bruchstück aus der Apologie mit: „Die Werke unseres Erlösers waren (uns) immer vor Augen, denn sie beruhten auf Wahrheit. Diejenigen nämlich, welche von Krankheiten geheilt oder vom Tode auferweckt wurden, wurden nicht bloß im Augenblicke ihrer Heilung oder Erweckung gesehen, sondern auch in der nachfolgenden Zeit: nicht allein solange unser Erlöser auf Erden weilte, sondern sie waren auch noch lange nach seinem Heimgange am Leben, und zwar so, daß einige von ihnen sogar bis auf unsere, Zeiten herabgekommen sind." Wie wichtig dies Überbleibsel der Verteidigungsschrift des Auadratus ist, liegt auf der Hand. Es bezeugt die Tatsache, daß Personen, die Jesus geheilt oder auferweckt hatte, noch lange nachher, ja, zum Teil noch zur Zeit des Tuadratus, am Leben waren, hätte unser Apologet hiervon nicht die allerzuverlässigste Kunde gehabt, sei es aus eigenem Augenschein oder aus Mitteilungen anderer, so hätte er es nicht wagen dürfen, solche Aussagen zu machen. Offenbar überließ er die Nachprüfung der letzteren getrost dem heidnischen Kaiser. Von den durch Iesum Geheilten standen einzelne nach dem Neuen Testament in jugendlichem Alter. Man denke an die besessene Tochter des griechischen Weibes aus Syrophönice oder an die Knaben, die der Heiland infolge der Fürbitte ihrer Väter gesund machte (Mark. 7,25 ff.; 9, N ff-; Ioh. % i\7 ff.). Ebenso befanden sich unter den drei Auferweckten ein zwölfjähriges Mädchen (Mark. 5,4(2) und ein Jüngling (Luk. 7, \<0. Diese Personen konnten also sehr wohl noch am Ende des ersten oder am Anfang des zweiten christlichen Jahrhunderts am Leben sein. Da Jesus aber außer den im Neuen Testament näher erzählten Wundern noch manche andere vollbrachte (Mat. 40 240, so gab es gewiß auch sonst noch Leute, die nach dem natürlichen Lauf der Dinge (ps. 90, (0) bis in die Tage des Auadratus leben konnten. Jedenfalls erscheint also nach Tuadratus der Glaube, daß Jesus, der göttliche Messias, Kranke geheilt und Tote erweckt hat, hinlänglich begründet. Aus der Nacht pm Lichte. Es war in einer russischen Stadt, in welcher viele Juden wohnten. Bei einem alten Klausrabbiner lebte und lernte ein jüdischer Knabe, der seine Heimat verlassen hatte, um Schätze des Wissens zu erwerben. Der Lehrer war ein frommer Mann. Er stand oft um Mitternacht auf, setzte sich auf den Fußboden und betete. Der Knabe, von dem er sich unbemerkt glaubte, hörte, wie er Gott anrief.- „Komm' in deiner Gnade nach Jerusalem und herrsche daselbst! Strecke deine rechte Hand aus und erlöse dein Volk Israel! O, daß Israel bald das Wort hören dürfte: Euer Erlöser ist nach Zion gekommen!" Durch die Gebetsseufzer des Greises wurde der Knabe oft zu Tränen gerührt, aber auch dazu bewogen, selber um das Kommen des Erlösers zu beten. „Ach, wie schön wäre es", dachte der Kleine, „wenn der Erlöser Israels erschiene!" Aber er fragte sich auch: „Warum wird dies Gebet nicht erhört?" Einmal legte er diese Frage einem Thalmudiften vor. Derselbe antwortete: „Derartige Gebete werden nicht erhört, weil — der Messias schon gekomnren ist. Ich besitze ein Buch, in welchem alles erklärt wird, aber ich kann es dir nicht anvertrauen. Wenn du die Wahrheit kennen lernen willst, so wandere aus!" Der Knabe folgte später diesem Rate. In Wien fand er das geheimnisvolle Buch, das Neue Testament, bei einem jüdischen Schuhmacher. Schon der allererste Satz hielt ihn wie ein Magnet fest. Er zeigte ihm, daß der ersehnte Messias wirklich erschienen ist. Die christliche Liebe nahm sich des jungen Israeliten an. Jetzt ist dieser selbst ein Prediger des Evangeliums unter Israel. 3tt Zacharia 2,14 (10). Dieser Vers bildet einen Teil der haphtara für den Lhanukkasabbath. In der Geschichte Jesu hat sich die Weissagung, daß der Herr kommen und bei der Tochter Zions wohnen werde, aufs herrlichste erfüllt. Während die Makkabäer nur für kurze Zeit von äußerer Knechtschaft befreien konnten, hat Jesus uns eine ewige und innere Freiheit gebracht. Ju Psalm 87. Vom hohen Dome erschallt ein doppeltes Geläute. In dem einen Glockenturm hängen die alten, in dem andern die neuerdings gegossenen Glocken. An Festtagen vereinigen sich alle zu einem herrlichen vielstimmigen Iubelchor. Einem Doppelgeläute lauschen wir auch, wenn wir neben den Weihnachtsberichten des Neuen die Weihnachtsweissagungen des Alten Testaments vernehmen. Eine solche wollen wir kurz betrachten: einen mesfianischen Psalm. Dies uralte Lied, ps. 87, stellt das Weihnachtsfest als ein Unionsfest dar. Der Sänger führt uns nach Jerusalem, der Hochbegnadigten Gottesstadt. Von den Bergen, auf denen sich die Stadt erhebt, sind die bedeutendsten der Tempelberg Morija und der Burgberg Zion, hier, im Süden, wohnten David und seine Nachfolger in der Königswürde. Dort, im Osten, wo Abraham einst seinen Sohn Isaak hatte opfern wollen, veranstalteten die in je 2% Abteilungen geordneten Priester, Leviten und Musiker die Gottesdienste, durch welche die Union (die Einigung) zwischen Iehovah und Israel täglich erneuert wurde. Gott schenkte Jerusalem sein besonderes Wohlgefallen. Aber er ist