Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 4 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Namen an, die er sich selbst beilegt: Menschensohn und Gottessohn. Nach ps. 8,5 und Dan. 7, \2 deutet der erste Name nicht nur auf den Zusammenhang seines Trägers mit dem Menschengeschlecht, sondern auch auf dessen Bevollmächtigung zürn Weltrichteramte hin. Demgemäß redet Jesus sowohl im vierten Evangelium wie in den drei ersten vielfach von sich als von dem Menschensohne, welcher die letzte große Entscheidung herbeiführt. Er erklärt, daß er am Gerichtstage seine Engel aussenden und durch sie alle Ärgernisse aus seinem Reiche beseitigen werde. Also schreibt er sich eine göttliche Herrscherstellung gegenüber der Engelwelt und der Menschheit, aber auch die göttliche Allwissenheit zu, da er ohne diese kein gerechtes Gericht ausüben könnte. Eine göttliche Eigenschaft legt er sich aber auch bei, wenn er als des Menschen Sohn aus Erden Sünden vergibt. Um der Erlöser aller Sünder zu werden, mußte des Menschen Sohn nach Jesu Worten erhöht werden, wie die eherne Schlange in der Wüste erhöht wurde. Des Menschen Sohn sollte eben nicht nur ein Läemann sein, welcher den guten Samen des göttlichen Mortes ausstreute, sondern ein hoherpriester, welcher in seiner eigenen Person das vollkommene Sühnopfer darbrachte. So stand es ja in den alttestamentlichen Büchern geschrieben. Auch die Sühnfähigkeit erhebt über die gewöhnliche Menschennatur (Pf- V, 8 f-)- Ebenso werden wir über die Grenzen der letzteren hinausgeführt, wenn Jesus sagt: „Des Menschen Sohn ist ein Herr über den Sabbath", oder: „Bon nun an werdet ihr den Fimmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn", oder: „Niemand fährt gen Himmel als der, welcher vom Fimmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist", oder: „Wie, wenn ihr sehen werdet des Menschen Sohn auffahren dahin, da er zuvor war?" Der zweite der oben angeführten Namen wird im A. T. von Engeln und Menschen gebraucht. Insbesondere wird er auf das Volk Israel und auf dessen Aönig angewandt: 2. Mose 22 und 2. Sam. 7, Zur Zeit Jesu bezeichnete man mit diesem Namen den Messias. Johannes der Täufer nannte Iesum so und verkündigte, daß dieser Gottessohn vor ihm gewesen sei, daß derselbe von Gott dem Vater alle Gewalt empfangen habe, daß er seinen Gläubigen das ewige Leben schenke. Noch mehr erschließt Jesus selber die Bedeutung des fraglichen Ausdrucks. Im vierten Evangelium, mit dem wir anfangen, ist dies am meisten der Fall. Als die Juden ihn einmal wegen seiner Stellung zum Sabbathgebot und wegen seiner Äußerung: „Gott ist mein Vater" töten wollen, spricht er zu ihnen: „Der Sohn kann nichts von sich selbst tun als das, was er den Vater tun sieht. Denn was derselbe tut, das tut gleich auch der Sohn. Der Vater aber hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet." Als solche größere Werke erscheinen dann die Totenerweckung und das Weltgericht. Der Zweck dieser Machtübertragung an den Sohn besteht darin, „daß sie alle den Sohn ehren sollen." Wer im rechten Verhältnis zum Sohne steht, der „hat das ewige Leben und konrmt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen." Vater und Sohn leben so sehr in einander, daß Jesus sagen darf: „Ich und der Vater sind eins", oder: „Wer mich siehet, der siehet den Vater." Jesus verheißt demjenigen, der ihn liebt und sein Wort hält: „Wir, mein Vater und ich, werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen." Er betet darum, daß alle Gläubigen eins seien in dem Vater und dem Sohne, wie diese in einander leben. Der enge Zusammenhang des Sohnes mit dem Vater besteht von Ewigkeit her. Der Sohn ist vom Fimmel herabgestiegen. Er hatte schon vor der Weltschöpfung eine Herrlichkeit beim Vater. Soviel über das Evangelium des Johannes. Aber auch in den drei ersten Evangelien erkennen wir, daß Jesus dem Worte Gottessohn einen tiefen. Sinn untergelegt hat. In dem Gleichnis von den ungetreuen Weingärtnern kommt der Sohn und Erbe des Besitzers neben den Anechten vor: ein Hinweis darauf, daß Jesus, der Gottessohn, von den Propheten, den Gottesknechten, sich wesentlich unterscheidet. Auf die hohe Würde Jesu deutet sodann das Gleichnis von dem Aönigssohne hin, welcher Hochzeit feiert. Noch mehr beleuchtet der Taufbefehl dieselbe: die Taufe soll im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes vollzogen werden. Vom jüngsten Tage heißt es in der Bergpredigt, daß dann viele Jesu zurufen werden: „Herr, Herr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt, Teufel ausgetrieben und viele Taten getan?" Doch er wird sie als solche, die den Willen seines himmlischen Vaters nicht getan haben, von sich weisen. Er selbst aber tut des Vaters Willen allezeit und überall. So wird denn sein Verhältnis zum Vater durch nichts getrübt. Er hat alle Gewalt vom Vater empfangen, so daß dieser nach Mal. 3, \ in ihm offenbar wird, wie Johannes der Täufer der von dem Propheten verheißene Engel ist, welcher dem Herrn den Weg bereitet. In die Tiefe des Wesens Jesu blickt darum kein Mensch hinein: sie ist nur dem Vater offenbar. Andererseits ist der Sohn der einzige, welcher das Wesen des Vaters ergründet. Wer den Vater völlig erkennen will, muß in des Sohnes Schule gehen. Alles Grübeln hilft nichts: ans Ziel gelangt man nur aufgrund der freien Gerade des Sohnes, welche das Geheimnis enthüllt. Das ebenso freie Walten des Vaters, welcher ja zugleich der Herr des Himmels und der Erde ist, zeigt sich in der verschiedenen Herzensstellung der Menschen zu Jesu: in dem Unglauben der Weisen und Alugen wie in