Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1906-01-01 · 3 (1906) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
62 (1906)
Issue
3 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2554541-2555141-2555144--10372-2566619
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 die Hannoversche Freikirche, die Lhrischonamission, die (Chinesische Blindenmission, die Liebenzeller und die Kieler Lhinamission, die Sudan-Pioniermission. 2Ttit liedjt nennt man die 21Iifj'tOH eine Aulturmacht ersten Ranges. Zunächst aber ist sie eine Heilsmacht: sie will den Völkern das durch den Heiland erworbene Heil bringen. Mit Freuden erfüllt uns die Tatsache, daß die deutsche evangelische Ehristenheit sich nunmehr 200 Jahre lang an der Heidenmissionsarbeit beteiligt. Aber sie vergesse nie, daß sie auch Israel gegenüber den Missionsbefehl ihres himmlischen Aonigs auszuführen hat. Der edle Francke regte zur Heidenwie zur Iudenmission an. So sollen die beiden Schwestern auch in der Gegenwart Hand in Hand gehen. 3it Jesaia 49, 4. Eine köstliche Geschichte zu diesem Verse fiuöet sich in den „Briefen und Bildern aus Alsterdorf" von 1A05 (S. 6^ ff.). Sie kann alle diejenigen ermutigen, welche meinen, daß sie den Samen des göttlichen Wortes vergeblich ausstreuen, weil sie keine Frucht sehen. Ein alter Seelsorger teilte aus seinem ersten Amtsjahre folgende merkwürdige Erfahrung mit. Ein schwachbegabtes und auch körperlich zurückgebliebenes Mädchen erschien unter den Konfirmanden, vermochte aber, wie sich bald herausstellte, dem Unterricht nicht zu folgen. Deshalb nahnl der Pastor das Aind allein vor. Er ließ es einigemal in der Woche zu sich kommen, um es geistig anzuregen und zu fördern. Aber der Blick des armen Geschöpfes blieb verständnislos. Auch als demselben biblische Bilder gezeigt und mit den einfachsten Worten erklärt wurden, beantwortete es keine Frage. Die einzige Ausnahme war nur dazu geeignet, den Lehrer zu betrüben. Dieser meinte jetzt, alle aufgewandte Mühe sei vergeblich gewesen. Dennoch gab er den Versuch, das Aind heilsam zu beeinflussen, nicht auf. Er setzte die Bilderbesprechung fort, auch nachdem die andern Ainder längst konfirmiert worden waren. Außerdem erklärte er seiner Schülerin hin und wieder kurze Sprüche und Liederverse. Einst besprach er mit ihr das Bild von der Auferweckung des Lazarus. Zur nächsten Lehrstunde stellte sich die Schülerin nicht ein. Zwei Tage später aber brachte die Mutter des Aindes die Botschaft von dessen Tode. Jetzt erfuhr der Pastor zu seinem größten Erstaunen, daß das scheinbar unempfängliche Aind mit solcher Lust zu den Unterrichtsstunden gekommen war, daß es jedesmal die Zeit nicht hatte erwarten können und von keinem Wetter sich hatte zurückhalten lassen. Die Aleine, die nie gewagt hatte, sich ihrem Lehrer gegenüber auszusprechen, hatte den Eltern ganz beglückt manches aus den Geschichten, die vom Heiland handelten, erzählt und auch die Sprüche und Verse sich einzuprägen gesucht. Besonders hatte die letzte Geschichte, die der Prediger mit ihr durchnahm, sie ergriffen: die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus. Wie die Mutter berichtete, holte das Aind nach dem letzten Besuch des Pfarrhauses die Familienglieder mit dem Ruf zusammen: „Heute habe ich etwas so Wunderschönes gehört, daß ich es euch allen wiedererzählen muß." Nachdem dies geschehe;! war, wurde die Aleine infolge der großen inneren Erregung von einem Schwächezustand befallen. Ihre Aräfte schwanden so schnell, daß sie selbst von ihren; nahen Ende sprach. Sie nahnr am letzten Morgen ihres Lebens von den Ihrigen Abschied, faltete dann die Hände und betete mit Aufbietung der letzten Araft den kurz zuvor gelernten Vers: „Wenn ich nur den Heiland habe, schlaf' ich sanft und selig ein." Bald darnach ging dies Wort an ihr in Erfüllung. So arbeitete die Gnade Gottes in der Stille an einer Menschenseele, um sie aus der Nacht zum Licht zu führen, während das menschliche Werkzeug der Gnade alle Mühe für vergeblich hielt. _____ 3u Matthäi 5—7. „Herrlich I Diese Schrift wird aber Aufsehen erregen!" So rief eine kranke Pariserin, welcher infolge ihres Wunsches, etwas Neues zu hören, von ihrer frommen Pflegerin die Bergpredigt vorgelesen worden war. „Wer hat denn das geschrieben?" fragte sie hierauf. Als die Pflegerin das Vorgelesene als einen Abschnitt der Bibel bezeichnete, fragte sie weiter: „So etwas Köstliches und Herrliches steht in der Bibel?" Sie hatte nie in der Bibel gelesen, auch nie eine Airche besucht. „Ich ahnte nicht," sagte sie, „daß die Bibel so viel Herrliches enthalte. Hätte ich es nur eher gewußtl" Auf ihre Bitte las die Pflegerin ihr noch einmal das Gebet des Herrn vor, welches sie besonders gefesselt hatte. So fiel der Sonnenglanz der göttlichen Gnade wenigstens auf das Ende eines im Weltdienst zugebrachten Lebens. Aber noch im Sterben seufzte die Frau, welcher die Bibel etwas ganz Neues war, obwohl sie in einem sog. christlichen Lande gelebt hatte: „Ich wollte, ich hätte es eher gewußtl" Ju 1. Johannis 5, 4d. Ein jüdischer Gepäckträger, der auf einem Londoner Bahnhofe angestellt war, äußerte seinen Unwillen über den Übertritt eines Juden zrnn Ehristentum. Ein Ehrist, welcher von dem Juden schon mehrfach bedient worden war, nahnr den proselyten in Schutz und rief denr Gepäckträger die Tatsache ins Gedächtnis, daß das Evangelium von den Juden ausgegangen ist. Dann sagte er: „Haben Sie je Ihre eigenen heiligen Schriften gelesen? Ehe Sie über das Ehnstentum reden, nrüffen Sie untersuchen, was in jenen Schriften von Gott und Ihrer Pflicht gegen Gott gelehrt wird." Einige Tage später kanr der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.