Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 3 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Heidknmissions;nliiläu»l wurde in diesem Sommer von einen: Teile der evangelischen Christenheit gefeiert. An: 9. Juli waren 200 Jahre vergangen, seitdem die ersten lutherischen Heidenmissionare, Bartholomäus Ziegenbalg und Heinrich plütschau, in Trankebar ankame::, um unter den Tamulen in Siiöinöicn das Evangelium zu verkündigen. Beide waren Deutsche und Schüler des Halleschen Professors August Hermann Francke, standen aber im Dienste des dänischen Aönigs Friedrichs IV. Dieser hatte sie durch Vermittlung seines Hofpredigers Lütkens, welcher früher in Berlin mit Spener verbunden gewesen war, nach Kopenhagen berufen. Nachdem sie hier vor der Rirchenbehörde, die ihnen als Pietisten mißtraute, zwei Prüfungen bestanden hatten, waren sie ordiniert worden. Am 29. November (705 war das Schiff abgegangen, welches sie nach einer Fahrt von fast 7^/2 Monaten nach Trankebar brachte. Die beiden jungen Männer, die schon in Dänemark, von dem Könige, seinen: Hofe und einigen andern Missionsfreunden abgesehen, kein Entgegenkon:n:en gefunden hatten, stießen auch in der damaligen dänisch-indischen Kolonie auf heftigen Widerspruch. Der Kommandant, die christlichen Ortspfarrer und die Handelsgesellschaft hemmten ihr Wirken auf mancherlei Weise. Dennoch konnten die beiden Glaubensboten, welche von ihrem geistlichen Vater in Halle mit Rat und Tat unterstützt wurden, ein Missionswerk begründen, welches vielen Heiden zur Erkenntnis der Wahrheit verhalf. Ziegenbalg begann die Bibel in die Tamulensprache zu übersetzen und baute eine Kirche. plütschau widmete sich besonders der Schule, in welcher die portugiesische Sprache gebraucht wurde. Der letztere kehrte (7(( nach Europa zurück, übernahn: das Pfarramt zu Beidenfleth in Holstein und starb hier (74$. Der erstere weilte (7$ in der Heimat, um die Teilnahme an der Mission zu wecken oder zu fördern, nahn: aber dann seine Arbeit draußen wieder auf. Leider wurde er der jungen indischen Kirche schon früh entrissen. Er starb (7$, erst 35 Jahre alt. Die dänisch-hallesche Mission, unter derön späteren Arbeitern namentlich Philipp Fabricius und Christian Friedrich Schwartz zu nennen sind, bestand bis zum Jahre (825. Andere Gesellschaften, englische und deutsche, übernahmen ihr Erbe. Heutzutage gibt es im ganzen (64( evangelische Heidenmissionsgesellschaften. Auf etwa 7000 Missionsstationen arbeiten (2500 weiße Angestellte. Die Gesamtzahl ihrer eingeborenen Ehristen beträgt Millionen. Außerdem leben in Nordamerika 7^/4 Millionen Negerchristen, jährlich werden auf den Missionsfeldern mehr als (4$ 000 Heiden getauft und mehr als ( Million Rinder unterrichtet. Die Iahreseinnahmen belaufen sich auf etwa 90 Millionen Mark. Die 23 deutschen Gesellschaften haben 600 Haupt-, 24$0 Nebenstationen, (000 europäische Missionare, jährlich 20000 Heidentaufen und 8 Millionen Mark Iahreseinnahme. Die älteste deutsche Mission ist die der Brüdergemeine. Sie entstand (732. Sie wird auch von Gliedern anderer Kirchen unterstützt. So wurde jüngst mit vereinten Kräften ein großes Defizit getilgt. Die Brüderrnifsion, die auch Missionsärzte und Diakonissen anstellt, erfährt bei ihrer Arbeit innner neue:: Segen. Dasselbe gilt aber gottlob auch von andern deutschen Missionen. Die zweite, die (8(5 gegründet wurde, hat ihren Sitz in Basel. Auf ihren 63 Hauptstationen kamen (904^ 266( Heidentaufen vor. Auf eine Station entfielen durchschnittlich in Indien, wo das Kastenwesen innner noch einen großen Zwang ausübt, (0, in China 4$, in Kamerun 50, auf der Goldküste sogar 9^ Heidentaufen. Die ältere Berliner Missionsgesellschaft von (824(< taufte in demselben Jahre 5(25 Heiden: 3855 in Südafrika, \7% in Deutsch- Ostafrika, (O96 in China. An der Tilgung ihres bedeutenden Fehlbetrags beteiligen sich arm und reich. Ein tüchtiger Inspektor, Sauberzweig-Schmidt, starb im Mai $06 auf einer Visitationsreise in Hongkong. Die Rheinische Mission von $28 ist die erste deutsche Gesellschaft, welche jetzt mehr als $0000 Heidenchristen zählt. Schwer heimgesucht wurde sie in Südwestafrika durch den Hereroaufstand. $04( wurden von ihr neben vielen Heiden auch zahlreiche Muhammedaner getauft (aus Sumatra (32). Die Norddeutsche Mission, gegründet $36, übernahm im Ewelande neuerdings einige Arbeitsplätze von Bafel. Ihre Diakonissen wirken in diesem Teile Afrikas mit schönem Erfolg. Die in Basel ausgebildeten Missionare der Norddeutschen Mission machen vor ihrer Aussendung einen Kursus auf dem Orientalischen Seminar in Berlin durch und werden auch sonst darauf vorbereitet, daß sie neben der Heidenmission Muhammedanermission (unter den Haussa) zu treiben haben. Die zweite Berliner (Goßnersche) Missions- Gesellschaft von $36 arbeitet in Indien: unter den Kols, im Teelande Affam und am Ganges. Auf dem ersten der drei Arbeitsfelder wurden zwei neue Stationen errichtet und bewerben sich $000 Heiden un: die Taufe. Auch die Leipziger Missionsgesellschaft entstand $36. Im Tamulenlande pflegt sie 2(000 Christen auf 4(3 Hauptstationen. Heidnische Heiraten führten einen Rückgang in der Seelenzahl herbei. Doch fehlte es nicht an Zeichen echter Frömmigkeit. Recht stumpfsinnig sind die Wakamba in Englisch- Ostafrika, wo Leipzig fünf Stationen besitzt. Dagegen blüht die Dschaggamission am Kilimandjaro in Deutsch-Ostafrika. Von ihren acht Stationen wird gemeldet, daß die Leute auf Zucht halten und gerne die Kirchensteuer bezahlen. So viel über die sieben ältesten Gesellschaften. Die übrigen (6, welche zwischen $4$ und $00 entstanden, sind: der Morgenländische Frauenverein, Hermannsburg, der Frauenverein für China, Breklum, Neukirchen, der Allg. Ev.-Prot. Missionsverein, Berlin III, Neuendettelsau, die Deutsche Lhina-Allianzmission, die Deutsche Baptistennnssion,