Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1906-01-01 · 3 (1906) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
62 (1906)
Issue
3 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2555141-2555144--10370-2566617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Schüler des Missionars zur Anknüpfung weiterer Bekanntschaften. In seinem Hause wurde vor zahlreichen Männern und Frauen bis in die spate Nacht die Bibel ausgelegt. Auch im Hause des Oberrabbiners gab es eine mehrstündige Bibelbesprechung. Ein anderer Rabbiner, der in einem früheren Jahre dem Missionar sein Haus verschlossen halte, zeigte sich diesmal freundlich. Ein Sohn dieses Rabbiners, der im Neuen Testament den Messias gefunden hatte, ließ sich von einem amerikanischen Missionar in Sidon laufen. Er wurde deswegen von seinen Eltern verstoßen und siedelte nach Amerika über. Seine kindliche Liebe hörte natürlich nicht auf. Er unterstützt seinen alten Vater, und dieser scheint sich jetzt mit ihm ausgesöhnt zu haben. Der Sohn ließ auch seinen jüngeren Bruder nach Amerika kommen, welcher nun wohl ebenfalls der christlichen Kirche angehört. Aus dem Leben von Markus Lev. Im März ^88^ wurde der jüdische Rechtsanwalt Markus Lev zu Soroky in Beffarabien von seinem Freunde Joseph Rabinowitsch besucht. Der letztere war kurz zuvor im Aufträge der jüdischen Gemeinde von Kischinew in Palästina gewesen, um die Errichtung einer jüdischen Kolonie vorzubereiten. Aber auch Lev hatte sich mit der Frage, wie dem gerade damals hart verfolgten jüdischen Volke in Rußland zu helfen sei, vielfach beschäftigt. Er las seinem Gaste zahlreiche Gedichte vor, in welchen er diese Frage behandelt hatte. Da Lev nach Kischinew übersiedeln und hierzu Vorkehrungen treffen wollte, begleitete er am folgenden Tage Rabinowitsch dorthin. Einen Tag später begab er sich in dessen Wohnung. Er wurde von dem Hausherrn den Familienmitgliedern als ein jüdischer Dichter vorgestellt und veranlaßt, einige seiner Gedichte vorzulesen. Als er mit einem derselben fertig war, erhob sich Rabinowitsch, legte seine Hände auf Levs Schultern und sagte: „Bruder Lev, verzage nicht I Die Krankheit Israels ist nicht zum Tode. Es ist noch ein Arzt in Gilead. Jesus von Nazareth, unser Bruder, ist der große Arzt Israels. Unser Volk hoffe auf ihn, denn bei ihm ist viel Erlösung, und er wird Israel von allen Sünden erlösen." Lev, durch diese Worte wie vom Donner gerührt, sprang auf und rief: „Du glaubst an den Gekreuzigten? Du nennst ihn unfern Bruder? Wehe, daß ein so guter Verteidiger der Sache Israels, für den ich dich immer hielt, uns verläßt!" Ruhig erwiderte Rabinowitsch: „Sei nicht böse, mein lieber Bruder! Ich weiß, daß du Israel liebst. Ich liebe es nicht weniger. Du bekennst, daß Israel krank ist und nach einer Arzenei sucht. Ich hoffe, daß du sie finden wirst. Ich suchte sie auch und fand sie. Die Arzenei ist der Glaube an Iesum, unfern Bruder und Messias. Ich weiß, wie dich das berühren muß, und kann mit dir fühlen. Nimm dies kleine Buch: das Neue Testament in unserer heiligen Sprache! Lies es, und bitte Gott, daß er dir die Augen öffne! Du kannst sicher sein, daß er dir die Wahrheit offenbaren wird, wie er sie mir geoffenbart hat. Wenn wir uns Wiedersehen, wirst du mich hoffentlich nicht einen Abtrünnigen, sondern einen Bruder in Lhristo nennen." Mit unbeschreiblichen Empfindungen hörte Lev diese Worte. Dann stürzte er davon. Im Gasthof angekommen, warf er das ihm eingehändigte Neue Testament auf einen Tisch seines Zimmers. Ohne es geöffnet zu haben, nahm er es nach einer schlaflosen Nacht mit nach Soroky. Von hier zog er ini Mai mit seiner Familie nach Kischinew. Er schrieb damals einige Artikel und Gedichte gegen Rabinowitsch, von dessen christlichen Anschauungen bereits in den Zeitungen berichtet wurde. Eines Tages traf er denselben in einem Laden. Rabinowitsch sprach zu mehreren Juden über Iesum, und niemand widersprach ihm. Da rief Lev: „Ich glaube nicht an das, was du predigst, und du selber glaubst es auch nicht. Du predigst für Geld: das ist alles." Der Geschmähte antwortete: „Bruder Lev, hast du das Buch gelesen, das ich dir gab?" Unfähig, diese Frage zu bejahen, und zugleich beschämt verließ Lev den Laden. Abends holte er das Neue Testament hervor. Erschlug das Matthäusevangelium auf und wurde bald durch Kapitel 5 gefesselt. Bein: 6. stieg seine Aufmerksamkeit. Als er aber das 7. gelesen hatte, war es ihm zu Mute, als käme ein Strom neuen Lebens in seine Seele. Er las weiter und weiter. Tief bewegte ihn die Einladung Kap. 28, noch tiefer die Klage Kapitel 23,37-39- 3a> bei dem letzten Abschnitt fand er, was er lange gesucht hatte. Aus seinem Kerzen stieg jetzt das Bekenntnis auf: „Herr Jesu, Du bist der Ehristus, der Sohn des lebendigen Gottes." Am nächsten Tage freute sich Rabinowitsch mit ihm über die stattgehabte Sinnesänderung. Bald veröffentlichte der Freund Levs erstes Zeugnis für den Heiland, seine „NeuenLieder für dasjüdischeVolk." Der junge Glaube mußte manche Prüfungen bestehen, erstarkte aber unter dem Druck nur umsomehr. M0 reiste der nunmehr HOjährige Rechtsanwalt nach England. Er freute sich über die Freiheit, mit welcher das Evangelium in diesem Lande gepredigt werden darf, und entschloß sich, seinen Besitz in Kischinew zu verkaufen und seine Familie Nachkommen zu lassen. Im September \8% wurde er in London mit seinen drei ältesten Kindern getauft. Im Dienst der Mildmaymission war er dann einige Zeit bemüht, den Londoner Israeliten den Messias zu verkündigen, hierauf wirkte er in Verbindung mit der Mc All-Mission in Paris. Seit dem Oktober M3 arbeitet er in Philadelphia, wo er die Immanuel-Mission unter den Juden begründen durfte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.