Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 3 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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19 der Bibel. Sctjon als Kind hatte er sich zu den Juden hingezogen gefühlt: fortan war dies noch mehr der Fall. Lieberkühn begleitete die Salzburger von Jena bis nach Königsberg als ihr Reiseprediger. Schon unterwegs verkehrte er viel mit Juden. Später aber wurde er der größte Iudenmissionar der Brüdergemeiue, der er sich J735 angeschlossen hatte. Anmerkungsweise sei noch der vor 25 Jahren in Salzburg errichteten Sühnestiftung gedacht. Wie einst die jüdischen Zeitgenossen mit den evangelischen Salzburgern Mitleid empfanden, so rührte deren Los auch das Herz einer katholischen Nachkommin des Hauses Firmian. Die \QS\ zu Salzburg entschlafene italienische Generalswitwe Leopoldine von Reccagni, eine geborene Gräfin Firmian, hinterließ der Salzburger evangelischen Kirchengemeinde einen großen Teil ihres Vermögens zum Besten evangelischer Waisenkinder. Das Kapital beträgt jetzt 8^600 Kronen. Die Erblasserin schrieb: „Damit glaube ich eine Schuld abzutragen, da einer meiner Familienangehörigen inr vorigen Jahrhundert vielleicht als zu fanatisch manche evangelische Familie ins Verderben gejagt." Frau Emma Adener). Am 20. 3uni \867 wurde einer christlichen Familie in Monkstown bei Dublin das achte Kind, eine Tochter, geboren. Die Kleine, Emma Webster, wuchs unter der Fürsorge und den Gebeten ihrer Mutter heran. Als sie elf Jahre war, verlor sie die letztere. Drei Jahre später starb auch ihr Vater. Abgesehen von den ältesten Brüdern, die nach Eanada übergesiedelt waren, blieben die Geschwister zunächst vereint. Emma wirkte später in verschiedenen Stellungen als Lehrerin, zuletzt in Dublin. Sie beteiligte sich hier auch an der Leitung einer Sonntagsschule und der Abhaltung von Bibelstunden für Jüdinnen. Nach dem Tode einer Schwester, die sie treulich gepflegt hatte, erwachte in ihr der Wunsch, ganz in die Mission einzutreten. $98 wurde sie von der L. I -M. als Missionarin nach Hamburg gesandt, hier arbeitete sie unter großen Schwierigkeiten 2^/2 Jahre lang an den jüdischen Frauen und Mädchen. Ihre Tätigkeit war nicht erfolglos, überstieg aber ihre Kräfte, so daß sie bedenklich erkrankte. Nachdem sie genesen war, bekleidete sie eine Zeitlang ein Missionsamt in Eork. Es gelang ihr in dieser Stadt, der Iudenmission zahlreiche Freunde zuzuführen. $02 verehelichte sie sich mit P. Adeney, dem Missionar der L. I.-M. in Bukarest, hier fand sie neue Gelegenheiten, ihre Arbeitslust zu befriedigen und einen heilsamen Einfluß auszuüben. Für die Lehrerinnen der Missionsschule richtete sie erbauliche Versammlungen ein, auf deren Abhaltung sie sich jedesmal aufs sorgfältigste vorbereitete. Ebenso veranstaltete sie Zusammenkünfte für jüdische Frauen. Ihren Gatten begleitete sie regelmäßig bei dessen Hausbesuchen. Als derselbe auch das Amt eines Seelsorgers der englischen Gemeinde in Bukarest übernahm, sammelte sie die in der rumänischen Hauptstadt lebenden englischen Erzieherinnen uni sich. Leider wurde sie der vielseitigen, segensreichen Arbeit bald entrissen. Am 3. Januar d. I. erkrankte sie schwer. Nachdem sie am 25. einem Sohne das Leben gegeben hatte, entschlief sie am \5. Februar. Wie im Leben, so setzte sie im Sterben ihr Vertrauen auf die Liebe ihres himmlischen Vaters und auf das Erlösungswerk Jesu, ihres Herrn und Meisters. Nach ihrem Tode zeigte es sich, daß ihre Liebessaat eine reiche Liebesernte hervorgerufen hatte. Große Scharen wohnten der Leichenfeier bei. Der Entschlafenen lag die Erbauung einer Missionshalle in Bukarest besonders am Herzen. Sie sing auch an, Gelder für diesen Zweck zu sammeln. Nach ihrem Heimgang spendeten die Mitglieder der Missionsgemeinde anstelle von Kränzen Geldgaben für den Baufonds. Auch der Ertrag einer Sammlung, welche die Zöglinge der einen Missionsschule in die Wege geleitet hatten, wurde derselben Kasse überwiesen. Gewiß werden sich noch viele Freunde der so früh Vollendeten an diesem Werk, welches ihr Gedächtnis erhalten soll, beteiligen. Der Herausgeber der „D. E." ist gerne bereit, etwaige Beiträge zu befördern. Eine Reise nach Beirut und Zidon unternahm der in Damaskus angestellte Missionar Segall mit einem Mitarbeiter anr {. Dezember $05. In Beirut, wo mehr als 5000 Juden wohnen, blieb er vier Wochen. Er mietete ein Zimmer im Iudenviertel. Bald stellten sich jüdische Besucher ein, und ihre Zahl wurde immer größer. Namentlich konnte man an jedem Sonnabend stattliche Versammlungen abhalten. Auch außerhalb des Missiouszimmers wurde das Evangelium verkündigt. Einmal sammelten sich in einem Laden etwa 70 Juden um die beiden Lhristen. Durch einen Bekannten wurde Segall vielen Personen vorgestellt. Ein einflußreicher Mann lud ihn auf einen Abend ein. Ihm wie seinen Mitgästen konnte der Missionar drei Stunden lang das Verständnis der heiligen Schrift öffnen. Einige der Zuhörer versprachen, in Zukunft sich mehr mit religiösen Fragen beschäftigen, insonderheit das Verhältnis des Alten Testaments zum Neuen näher untersuchen zu wollen. In einem andern Hause lernte Segall einen Juden kennen, der mehrmals in Geschäften England besucht hatte. Dieser äußerte sich folgendermaßen: „Ich glaube, daß Jesus der Messias ist. Die Zeit wird bald kommen, in welcher die Juden als Volk ihn als solchen anerkennen werden. Dies ist die einzige Lösung der Iudenfrage." Noch ermutigender war der kurze Aufenthalt in Sidon. Die hier lebenden 500 Juden sind sehr arm und werden von den übrigen Einwohnern verachtet. Wie in Beirut, so verhalf auch hier ein ehemaliger