Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 3 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 ragende Naturforscher zu. So schrieb der Astronom Zerschell „Je inehr das Feld der Wissenschaft sich erweitert, desto zahlreicher und unverwerflicher werden die Beweise für die ewige Existenz einer schöpferischeil und allnlächtigen Weisheit." Auch Darwin wußte die erste Bewegung nur aus der göttlichen Schöpfertätigkeit zu erkläreil. Aber nach der Bibel erzählen nicht nur fjimmel und Erde, sondern auch Pflanzen und Tiere die Ehre Gottes. Insonderheit aber ist der Uiensch eine Offenbarung des höchsten. Er ist nach Gottes Ebenbild geschaffen. Er hat Gottes Odein in sich. Als die menschliche Natur durch die Sünde verderbt worden war, heilte Gott die Kranken, indem er ihnen feinen Sohn, den mittler des leiblichgeistigen wie des geistlichen Lebens, sandte. Das Wort ward Fleisch. Jetzt konnte Johannes sagen: „Das Lebell ist erschienen, und wir haben gesehen und zeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches bei dern Vater war und uns erschienen ist" (\. Ioh. 2). Jesus stellte die Kraft des wahren Leberrs wieder her. Sein Stellvertreter, der heilige Geist, setzte diese seine Tätigkeit fort. Er gibt uns auch die Gewißheit, daß dies Leben, welches den Genossen des neuen Bundes zuteil wird, durch den Tod nicht zerstört, sondern nur vermehrt werden kann. Die Bedingung, unter welcher die ursprüngliche Ulenschennatur erneuert und das wahre Leben mitgeteilt wird, ist die Wiedergeburt (Ioh. 3, (ff.). Es gilt, dem alten Wesen abzusterben, den alten Adanl durch tägliche Reue und Buße zu ersäufen, wie Luther sich ausdrückt. Nur dann kann täglich herauskommen und auferstehen ein neuer Ulensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebt. Solange wir mit der eigenen Vernunft das Rätsel des Lebens zu lösen trachten, kommen wir nicht zum Ziele. Erst die Bibel macht uns dies möglich. Sie enthält eben die außerordentlichen Offenbarungen des Gottes, welcher der Urquell alles Lebens ist, und in dem wir leben, weben und sind (Apg. 1?, 28). Im besten Falle gelangen wir durch unser Nachdenken zu einer unsichern Ahnung des wirklichen Sachverhalts. Dagegen verschafft uns die Bibel, welche die ganze Wahrheit enthüllt, volle Gewißheit. Die Juden und die salzburgischen Auswanderer non 1731 und 32. Als Erzbischof Leopold Anton von Salzburg, Freiherr von Firmian, am 3(. Oktober (73( den Evangelischen des Erzstiftes befohlen hatte, dasselbe längstens binnen drei Ulonaten, teilweise aber auch schon binnen acht Tagen zu verlassen, wanderten mehr als 30000 Anhänger der Augsburger Konfession aus. Die meisten fanden im ostpreußischen Littauen eine neue Heimat. Andere blieben in Süddeutschland. Einzelne zogen nach Schweden, England und Nordamerika. Viele Liebesbeweise empfingen die Salzburger von ihren Glaubensgenossen. Aber auch Juden gehörten zu ihren Wohltätern. G. Göcking, der Verfasser der „-Vollkommenen Emigrationsgeschichte" (Frankfurt und Leipzig (751), schreibt: „Die Juden haben diesen Glaubenshelden an vielen Orten Liebe erwiesen, fast an keinen! einzigen aber ihnen das geringste Leid zugefügt." Er berichtet, ein Jude habe auf die Frage, warum er diese Leute so reichlich beschenke, da sie doch Ehristen seien, die Antwort gegeben: „Sie sind aber doch Ulenschen und auch nach dem Bilde Gottes erschaffen. Gott aber hat befohlen, man solle sich gegen Fremdlinge gütig bezeugen. Ich stelle mir das Exempel meiner Vorfahren dabei vor, als sie aus Ägypten zogen. Denen wird es ohne Zweifel sehr wohl gefallen haben, wenn ihnen andere auf ihrer Reise Gutes taten und sie erquickten." Während die katholischen Einwohner von Klein-Nördlingen am (8. August {732 Durchziehende als lutherische Hunde und Ketzer schmähten und ihnen nicht einmal für Geld Wasser geben wollten, führten die Juden die halbverschmachteten zu den: Brunnen, der in ihrem Besitz war, und ließen sie schöpfen, soviel sie wollten. Ja, sie brachten ihnen auch Bier und Brot, und schenkten ihnen Geld, als sie weiter zogen. Ähnliches kam an andern Orten vor. In Halberstadt wurde in der Synagoge jeder mit dem Banne bedroht, welcher an den Vertriebenen auch nur den geringsten Profit suchen würde. Wan brachte dort für die Fremden gegen (50 Reichstaler zusammen. Eine in der Synagoge zu Berlin veranstaltete Sammlung ergab 33 Taler acht Groschen. Die jüdischen Frauen Berlins spendeten 20^/4 Ellen Leinewand. In der Landgrafschast Hessen-Kassel brachten die Juden 1000 Taler auf. Ebenso freigiebig zeigten sich die holländischen Juden. Z. B. sammelte der Bankier Levy Gompers in Nymwegen (200 Gulden. Auch in Amerika begegnete den Salzburgern jüdische Hilfsbereitschaft. An den verschiedensten Orten der alten und der neuen Welt öffneten die Nachkommen Jakobs den Bekennern des lauteren Evangeliums ihre Herzen, darum auch ihre Geldtaschen und ihre Häuser. Von dem tiefen Eindruck, den die Auswanderer auf sie machten, zeugen mehrere uns erhaltene jüdische Urteile. „Gott muß etwas Wichtiges Vorhaben", äußerte nach Göcking ein Berliner Jude im Blick auf den Durchzug der Fremden. Und I. de le Roi, der Geschichtsschreiber der evangelischen Iudenmission, erwähnt, ein Jude in Jena habe angesichts einer salzburgischen Emigrantenschar gerufen: „Wir werden an die Zeit erinnert, wo der Ukessias erscheinen und uns in solchen Haufen nach Kanaan führen wird." Ein Student der Theologie, der diesen Äusspruch vernahm, Samuel Lieberkühn, wurde durch denselben veranlaßt, sich mit Juden über Israels Zukunft zu unterreden. Die Leute erklärten ihm, daß sie aufgrund der heiligen Schrift die Rückkehr in ihr Land erwarteten. Er studierte jetzt die auf Israel sich beziehenden Verheißungen