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Dibre Emeth · 1906-01-01 · 2 (1906) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
62 (1906)
Issue
2 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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14 einander vertragen!" Im Saale eines jüdischen Restaurants, wo auch religiöse Zusammenkünfte der Juden stattfinden, wollte ich um die Mittagszeit den Gästen die Bibel anbieten, doch wurde mir von dem maßgebenden Herrn nicht die Erlaubnis dazu gegeben. Er sagte: „Sie sind ein Missionar der Bibelgesellschaft, und Ihre Bibeln sind anders ausgelegt." Ich legte ihm das hebräische Alte Testament vor, aber er blieb bei seiner Behauptung. Einen: herzutretenden Herrn zeigte ich auch meine Bücher, und als ich ihn: die Psalmen von Luther anbot, sagte er: „Aein Jude darf ein Buch lesen, in welchem sich ein Areuzzeichen befindet." Dabei wies er auf die Zeichen neben den parallelstellen. Vergeblich suchte ich ihn: die Bedeutung dieses Zeichens zu erklären. Ganz unverrichteter Sache ging ich aber doch nicht aus diesen: Restaurant, denn jedes der vier Serviermädchen, auch Jüdinnen, kaufte sich einen Luther-Psalter. Eine jüdische Dame aus Oesterreich, welche in meiner Nachbarschaft wohnte, kaufte sich eine Luther-Bibel. Eine andere jüdische Dame kam mit ihrer Tochter an meinen Stand, um sich eine Bibel zu kaufen. Die Mutter wünschte die Luther-Bibel und die Tochter die van Eß-Bibel. Die Mutter wies auf das Areuz, das auf den Deckel der van Eß-Bibel gepreßt ist, hin und meinte, für Juden zieme sich nicht ein Buch mit einem Areuz. Aber der Tochter war das Areuz nicht hinderlich, und sie kaufte sich eine van Eß-Bibel. Die Mutter kaufte ein Luther-Testarnent. Noch eine ganze Reihe von Erlebnissen unter Juden könnte ich aufzählen, doch dürften diese schon genügend dartun, daß es in Israel viele suchende Seelen gibt. Viele Aurgäste waren aus Wien hierher gekommen. Ich konnte wahrnehmen, daß auch in Wien ein Verlangen nach dem Morte Gottes sich kundtut. Oft hatte ich Gelegenheit, die Adresse unseres Wiener Bibeldepots solchen anzugeben, welche sich zur Vermeidung des Transports lieber dort eine Bibel kaufen wollten." In Mat. 3, 16. Ein japanisches Mädchen, welches eine christliche Schule in Japan besuchte, äußerte sich über die Pflicht, die Jesus hier den Seinigen auferlegt, mit folgenden trefflichen Worten: „Einst erhielt meine Mutter etwas Blumensamen: kleine, schwarze, häßliche Dinger. Sie legte die Aörner in die Erde und begoß sie. Siehe da, dieselben wuchsen und blühten garherrlich. Eines Morgens kam eine Nachbarin, sah die Blrnnen und ries: „O, wie schön! Solche Blumen möchte ich auch haben. Aönnen Sie mir nicht von dem Samen geben?" Hätte diese Frau nur die häßlichen kleinen Samenkörner gesehen: sie würde nicht darum gebeten haben. Erst nachdem sie die Blrnnen gesehen hatte, bekan: sie ein Verlangen nach den Samenkörnern. Ist es nicht mit den: Lhristentim: in Japan ebenso? Wenn wir hier vor den Leuten den Nanren Ehristi und die wahre Lehre bekennen, so scheint ihnen das hart und häßlich. Sehen sie aber unsere guten Werke und das ganze liebreiche, freundliche Wesen der Ehristen, dann nröchten sie wohl auch von dem Sarnen haben, der solche Blumen und Früchte trägt." Ju Joh. 3,19. Ein Jude, dem von einem Aolporteur eir: Neues Testamenr angeboten wurde, sagte: „Ich möchte es gerne kaufen, aber ich fürchte mich davor." Auf die Frage: „Warum?" antwortete er: „Weil man behauptet, daß alle, welche dies Buch lesen, Ehristen werden." Da sagte der Aolporteur: „Alle, welche das Neue Testan:ent sorgfältig lesen, kommen aus der Finsternis zun: Licht." Als der andere fragte: „Sind denn die Juden in der Finsternis?" fuhr er fort: „Nicht nur die Juden, sondern alle, welche das Neue Testan:ent nicht lesen und an seine Lehren nicht glauben, befinden sich in der Finsternis." Aber der Jude eilte mit den Worten davon: „Ich werde nie jenes Buch lesen." Ju Apg. 10, 42-48. Der große Naturforscher Isaak Newton wurde schon bei Lebzeiten viel bewundert. Manche seiner Freunde sagten ihm ins Angesicht, daß er alle andern Gelehrten übertreffe. Aber der ebenso begabte wie bescheidene Mann liebte solche Reden nicht. Er pflegte zu antworten: „Ich weiß nichts, was mir vor andern den Vorzug geben könnte. Sie sind vielleicht ebenso reich, ja, vielleicht noch reicher begabt und von ebenso gutem Willen." Aber Newton bekannte dann auch, daß er etwas als fein besonderes Glück betrachten müsse. „Ich habe von der frühesten Jugend an gelernt, recht aufmerksam zu sein," sagte er. Vom Glück der Aufmerksamkeit handelt auch der obige Abschnitt. Aufmerksam lauscht eine Heidenschar in Läsarea den: Evangelium. Da widerfährt ihr das höchste Glück: Gottes Geist verwandelt sie in eine Christengemeinde. Petrus, der Felsenrnann, ist der Prediger, welcher auf den Wunsch des römischen Hauptmanns Aornelius diesem und vielen andern Heiden den wahren Gott verkündigt. Er zeigt insonderheit, wie Gott sich in Jesu Christo geoffenbart hat. Jesus Christus, der von den Menschen Getötete, aber von Gott Auferweckte, führt, wie dies schon die Propheten Israels geweissagt haben, alle, die an ihn glauben, zur Vergebung der Sünden. Einst aber wird er die Lebendigen und die Toten in: Aufträge Gottes richten. Es sind also die großen Grundwahrheiten der Airche, welche im Hause des Aornelius gelehrt und gehört werden. Während nun jene Heiden auf die predigt n:erken, kommt der heilige Geist auf sie herab. Auch sie feiern jetzt ein Pfingstfest, wie einst ein solches jüdischen Gläubigen in Ierusalen: geschenkt wurde. Sie reden mit hoher

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