Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 2 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 dem Samen Abrahams gesegnet werden." „Ich erkenne Ihre Absicht", sagte mein Freund und ergriff meine Hand. „Ich muß zugeben, daß manches im Christentum über meinen Verstand und meine Urteilsfähigkeit hinausgeht. Zwischen Saat und Ernte ist sonst eine Zwischenzeit, wie zwischen dem Aufgang der Sonne und deren Untergang. Dies ist bei dem Christentum nicht der Fall. Seine wunderbare Ulachtoffenbarung ruft Frühling und gerbst zugleich hervor." Er erzählte mir dann von einigen, ihm bekannten, reichen Israeliten, daß sie durch die Torrey-Alexander-Mission bekehrt worden feien. Bei diesem Teil der Unterredung erschien die Mutter, die infolge der Unruhe ihres Kleinen angegriffen und ängstlich aussah. „Eine liebe Mutter," sagte der Gatte in zärtlichem Tone. „Eine reiche Mutter," ergänzte ich. „Denn schon durch die Berührung der gütigen Mutterhand wird ihr Liebling beruhigt und getröstet. Und wie eine Mutter sich ihres Kindleins erbarmt, so erbarmt sich unser Heiland Christus über uns." Ich erzählte hierauf von einer königlichen Mutter, deren Sohn von einer Natter gestochen wurde, und die dann selbst das Gift aussog, um ihrem Kinde das Leben zu retten. Dann rief ich aus: „U)ie gütig war Jesus! N)ie trank Erden bitteren Leidenskelch für uns Sünder! U)ie gab Er Seine Seele im Todeskampf dahin, als Er rief: „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" „Ja", sagte mein Freund beim Abschied, „alle Juden sollten allerdings stolz auf Iesum sein, in dessen liebendem Herzen ein göttliches Feuer brannte, die Sehnsucht nach Befreiung und Erlösung der Menschheit." Zuletzt gab er seine Überzeugung kund, daß Christus einmal allem Elend ein Ende machen werde. Aus The J. Miss. Herald überseht uon ST. Pr. Eine Botschaft der Vergebung. Im herbst $05 ereignete sich zwischen Southport und Liverpool ein Eisenbahnunfall, hierbei kam der älteste Sohn des Predigers Waugh ums Leben. Der Vater des Getöteten schrieb nun folgenden Brief an den Beamten, dessen Nachlässigkeit das Unglück verursacht hatte: „Ulein lieber Freund! Ich weiß nicht, aber ich ahne, was Sie leiden. Ich schreibe, um Ihnen meine Teilnahme zu bezeugen. Ihr Versehen hat meiner lieben Frau und mir unfern erstgeborenen Sohn entrissen, und unsere Herzen sind traurig und verwundet. Aber es war ein Versehen. Wir alle machen Fehler. Sie sind leicht zu machen. Ich möchte Ihnen sagen, daß Sie in unsern verwundeten Herzen nichts finden als Vergebung, Teilnahme und Fürbitte. Bitte, nehmen Sie diese Worte in ihrer vollsten Bedeutung von Eltern an, die ihres Kindes beraubt wurden! Da ich Sie nicht kenne, weiß ich nicht, ob Sie mit Christo in Geineinschaft stehen. Aber ich möchte Ihnen sageil, daß Sein liebevoller Trost uns an diesem dunkeln Tage aufrechthält und ermutigt. Wir blickeil durch die Träneil und die dunkle Wolke unseres Schmerzes hindurch auf das Kommen unseres teuern Herrn. In Seiner Gegenwart werden wir unsern fröhlichen Jungen wiedersehell. Auch er lieble den Herrn. Was für ein Trost ist das jetzt für uns! Ich darf Ihnen ihnen nicht predigen. Ich kann es auch nicht. Aber, o mein Bruder, wenn Ihnen Sein heil und der Friede, den Er den Seinen schenkt, noch unbekannt sind, so wenden Sie sich an Ihn in Ihrem Schmerz und Kummer! Ihr Los ist jetzt ein schweres. Aber wenn Sie sich von dem Kummer zu Christo führen lassen, so werden meine Frall, ich und unser Erstgeborener mit vielen andern am Auferstehungsmorgen Ihnen in der Heimat mit Freuden die Hand reichen. Ich bin in wirklicher Teilnahme und christlicher Liebe der Ihrige Thomas Waugh." Dieser Brief zeigt die Wirkung der göttlichen Gnade auf ein Menschenherz, in dem Christus wohnt. Aber er ist auch eili schwaches Abbild einer noch viel wunderbareren Liebe und Vergebung. Jener Beamte versah sich, und sein Versehen hatte ja traurige Folgen. Aber wieviel größer und schrecklicher war der vor mehr als $00 Jahren von den Juden begangene Irrtum! Dieser kostete Gottes eingeborenem Sohne das Leben. Sie konnten nicht erkennen, daß Er ihr ersehnter und erwarteter Messias war. Statt Ihn zu empfangen und zu begrüßen, verwarfen und kreuzigten sie Ihn. Ihre Unwissenheit war nicht unverschuldet. Sie hätten Ihn erkennen können, wenn sie ihre Augen und Ohren nicht geschlossen hätten. Es handelte sich nicht um eine Nachlässigkeit wie bei dem Beamten. Wie durften solche Leute auf Vergebung hoffen? Und doch sandte ihnen der Vater des von ihnen getöteten Sohnes eine Botschaft voll Liebe! Mit keinem Wort schalt oder bedrohte Er sie. Nur zur Buße wurden sie aufgefordert. Dann sollten ihre Sünden vertilgt werden und Zeiten der Erquickung für sie anbrechen (Apg.5,$ f.). Diese Botschaft sandte Gott sofort. Ehe das Evangelium in die Welt hinausgetragen wurde, mußte es den Juden, die Iesum genommen, angeheftet und erwürgt hatten (Apg. 2, 25), verkündigt werden. Um jenes schrecklichen Irrtums willen werden die Juden auch heutzutage vielfach verachtet miö gehaßt. Aber der Vater unseres Herrn Jesu Christi hat auch jetzt noch Mitleid mit ihnen. Er wünscht, daß sie Seinem durchbohrten Sohne (Sach. \2, \0) in der andern Welt begegnen, wie der Vater des getöteten Knaben die Hoffnung aussprach, daß der Beamte einmal diesen und die Eltern in der ewigen Heimat sehen möchte. Gott läßt den Juden immer noch die frohe Botschaft überbringen. Aber Er verlangt auch, daß man den Boten Hilfe leiste. Dies soll durch Beisteuern, vor allem aber durch Gebete geschehen. Nach The J. Miss. Advocate.