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Dibre Emeth · 1906-01-01 · 2 (1906) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
62 (1906)
Issue
2 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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11 uns der Schatten in der Geschichte des Apostels nicht davon abhalten, daß wir uns an dem in dieser Geschichte strahlenden Lichte erfreuen, und daß wir Simon als einen der beiden größten Apostel des Heilandes ehren. — Göttliche Kraft und menschliche Schwachheit kennzeichnen in eigenartiger Verbindung das apostolische Wirken Simons. Manchmal wiederholt sich auch heute noch die Geschichte seines Apostolats. Gin Diener des Evangeliums hat einen schönen, vielversprechenden Anfang gemacht, plötzlich erfolgt ein tiefer Fall, durch den er seinen Herrn verunehrt und sein eigenes Gewissen befleckt. Es fehlte an der und am anhaltenden Gebet. Der Herr läßt einen solchen Fall zu, weil er den Knecht auf andere Weise nicht zur Erkenntnis seiner natürlichen Verderbtheit, seiner eigenen Ohnmacht zum Guten bringen konnte. Wenn der Sünder sich dann aufrichtig demütigt, so kann ihm wieder zurechtgeholfen werden. Wenn er sich bekehrt, so kann er auch die Brüder stärken, ja, die Welt mit den: Schall des Evangeliums anfüllen. Simon Bar Jona hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Mose. Auch dieser war in seiner Engend ein Eiferer. Unter dem Druck der Leiden wurde er sanftmütig. Aber die alte Eharaktereigenschaft, das schnelle, unbedachte Zufahren, kam auch in späterer Zeit gelegentlich zum Vorschein. Den Rat eines einsichtigen Mannes nahm er willig an: wie Petrus den des Paulus. ^0 Jahre lang leitete er Israel: wie Petrus ^0 Jahre lang, von 27—67 nach Ehr., das Apostelamt verwaltete. Beide Männer find Meisterwerke der göttlichen Erziehungskunst. Aller menschliche Ruhm fällt weg, wenn wir ihre Geschichte im rechten Lichte betrachten. Gott allein gebührt die LHre. ‘ Aus London. Die kalte, frische Abendluft hatte die ermüdeten Arbeiter nach des Tages Last und Hitze auf die luftige Höhe der Omnibusse gelockt. Während die Aufmerksamkeit der andern Fahrgäste auf vorübersausende Dampfmaschinen gelenkt wurde, bemerkte ich eine jüdisch aussehende Dame, die sich vergeblich bemühte, ihr aufgeregtes Kind zu beruhigen. Ich ergriff nun die erste Gelegenheit und setzte mich zu ihr. Dann breitete ich meine Arme aus und sagte: „Komm zu mir, lieber Kleiner, und laß mich sehen, was ich tun kann!" Die über ein so ungewöhnliches Angebot erstaunte Mutter überließ mir das Kindlein und hatte nun selbst ein wenig Ruhe. Glücklicherweise gab sich der Kleine bald zufrieden. Nachdem das Ziel erreicht war, erbot ich mich, das Kind nach Hause zu tragen. Dies lehnte die Mutter jedoch höflich ab, um \mv weitere Blühe zu ersparen. Hierauf erwiderte ich: „Der Rabbi Iosua Hammaschiach, inein Herr und Meister, nahm kleine Kinder auf seine Arme, segnete sie und lehrte uns, daß wir so vertrauensvoll und unschuldig sein sollen wie sie." Die Dame fragte mich: „Denken Sie an den Propheten Elia, der einst den kleinen Sohn der Witwe vom Tode erweckte" Könige \7, 22)? Ich antwortete: „Die Erzählung, auf die Sie Hinweisen, ist mit dem, was von Rabbi Iosua berichtet wird, nicht zu vergleichen. Der von Elia erweckte Knabe war gemäß der Ueberlieferung der Prophet Jona, und doch war Jona tot gegen Gottes Befehl, daß er den Heiden von Ninive Buße predigen sollte (Jona % (0 f.). Der Prophet Iosua Hammaschiach aber erweckte tote Völker von ihren Sünden, indem Er sich selbst für viele zum Lösegeld gab." Durch die Ankunft beim Heim meiner Begleiterin wurde unsere Unterredung unterbrochen. Als wir in der Tür des Hauses ihren Gatten trafen, erzählte sie ihn: sogleich von des Kindes Unruhe und meiner Hülfe. Er bedankte sich mit den Worten: „Sie sind dein unartigen Ismael wie ein helfender Engel erschienen." Seine Frau mißbilligte es, daß er ihr Kind Ismael nannte. Er aber verteidigte sich und sagte: „Ismael heißt: Der Herr hat meinen Kummer gehört." Ich folgte der Einladung der Gatten und betrat mit ihnen das Haus. Das Gespräch betraf die Segnungen, die Gott unseren Vätern verhieß, und die nicht durch Ismael oder Esau ihre Erfüllung fanden, sondern durch Isaak und Jakob und aufs allergenaueste durch Iesum Ehristum, den Sohn Davids (Psalm 72, 8—U; 2. Sam. 7, (6). Der Hausherr bemerkte bald, daß ich ein Missionar bin. Er kannte auch, wie ich zu meinem Erstaunen erfuhr, meinen Namen, da ein israelitischer Handelsmann aus der Nachbarschaft mit ihm von mir gesprochen hatte. Ich fand bei ihm eine beträchtliche Kenntnis des Neuen Testamentes. Ein solches hatte ich ihm einmal vor einem Theater eingehändigt. Auf meine Frage, was er von den Lehren und Grundsätzen desselben denke, erwiderte er: „Jesu und Pauli Lehren müssen natürlich mit unvergleichlicher Pracht aus einem herrlichen Schatz rabbinischer Weisheit hervorstrahlen. Denn Jesus bereicherte seinen Geist mit der Weisheit des großen Rabbi Hillel, und Paulus saß zu den Füßen des gelehrten Gamaliel." Er führte nun einige Aussprüche Jesu an und verglich sie mit den Lhalmudischen Lehren. Er schloß mit den Worten: „Ich sehe keine Notwendigkeit, das Ehristentum anzunehmen, denn der Strom geistlicher Segnungen fließt aus jüdischen Quellen." „Wohl", versetzte ich, „Weisheit, Recht, Gesetz und Wahrheit haben immer bestanden, noch vor Mose und den Rabbinern. Aber als diese Dinge durch Gott befohlen und geheiligt und dann in Ehristo erfüllt wurden, konnte Seine Macht allein die Menschen befähigen, den Willen Gottes anszuführen. Im Thalmud finden sich schölle Lehren, aber die Aussagen Ehristi sind Gottes eigene Machtworte, die nicht vergeblich zurückkonunen, so daß alle Völker in

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