Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 2 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 und als den Retter der Menschheit ausweist. Wo Christi Geist waltet, da herrscht Gerechtigkeit, Liebe, Friede und Freude, da gedeihen die Einzelnen und die Völker. Wäre Christus nicht der von Gott denr Volke Israel verheißene Messias, dann wäre er ja ein Betrüger, ein furchtbarer Frevler, der sich selbst für Gottes Sohn ausgegeben hätte, der er garnicht wäre. Eine Torheit, ja, gleichsam eine Wahnsinnstat würden dann diejenigen Menschen und Völker begehen, welche diesen Jesus, den von seinem Volke Ausgestoßenen und tritt denr schimpflichen Sklaventode Belegten, als ihren alleinigen Retter im Leben und Sterben annehmen und bekennen. Aber nach denr göttlichen Worte, das durch die Geschichte seit Lhrisli Zeiten seine entschiedene Beglaubigung empfangen hat, liegt die Torheit nicht bei denjenigen, welche Lhristum aufnehmen, sondern bei dem israelitischen Volke, welches ihn verstößt. Darum, du jüdisches Volk, willst du aus deinem leiblichen, geistigen und geistlichen Elend herauskommen, so säume nicht länger, den aus Juda hervorgegangenen großen Propheten, ja, den Sohn Gottes, Iesum von Nazareth, als deinen Messias anzuerkennen und ihnr in Gehorsanr nachzuwandeln I Tust du das, so wirst du erfahren, daß dein Bundesgott die Erquickung und Beseligung, die er denen, die zu seinem Sohne kommen, verheißen hat, auch dir wird zuteil werden lassen. F. Seebaß. Ämon Var Jona. ■ (Schluß.) In der Geschichte der apostolischen Wirksamkeit Simons, der wir uns nunmehr zuwenden, sind zwei Zeiträume zu unterscheiden. Die Grenze zwischen beiden bildet Jesu Auferstehung. Wie steht der Sohn Jonas vor diesem Ereignis als Apostel da? Zunächst sehen wir ein schönes Bild. Simon erkennt sich als einen sündigen Menschen, der nicht das Recht hat, in Jesu Nähe zu weilen. Er lernt auch von Kerzen an Iesum glauben. Und er bekennt diesen Glauben: Ioh. 6, Mat. (6. Er will an Jesu Leilhaben: Ioh. (3. Da er so die vornehmste Bedingung für die apostolische Wirksamkeit erfüllt, kann er die letztere auch ausüben. Er predigt und nracht gesund: Mark. 6, (2 f.; Luk. 9,6. (0. Indessen wird das schöne Bild endlich durch ein überaus häßliches verdrängt. Schon in der Anfangsgeschichte seines Apostolats stoßen uns einige kleine Züge ab, z. B. die Fragen: „Was wird uns dafür?" „Wie oft soll ich meinem Bruder vergeben?" „Sagst du dies Gleichnis (von der Wachsamkeit) zu uns oder zu allen?" (Sollen alle das Wächteramt verwalten?) Er wagt es einmal, Iesum zu bedrohen, als dieser von seinenr Tode redet. Er beharrt bei der Beteuerurrg: „Ich werde dich nicht verleugnen," obwohl Jesus ihrrr diesen seinen tiefen Fall ankündigt. Denn Simon strauchelte nicht nur hirr und wieder: er siel zuletzt. „Du bist Petrus?" fragen wir erstaunt den Verleugner. Nein, irr dieser dunkelsten Stunde seines Lebens ist er nicht ein Fels, sondern eirr Rohr, das vom Winde hirr urrd her geweht wird. Eirr klägliches Ende nirnmt der, welcher berufen ist, vor aller Welt den Heiland zu bekennen. Wie bist du vorn Fimmel gefallen, du schöner Morgensterrr I Aber das Erbarmen des Meisters läßt den gefallenen Apostel rricht anr Boden liegen, sondern richtet ihn wieder auf. Auch Simon darf eine Auferstehung erleben. Wie verwaltet er nach Ostern das Apostelamt? Leider fehlt auch jetzt neben dem Licht nicht der Schatten. Licht strahlt uns entgegen, wenn er uns als der Wortführer der Gläubigen an verschiedenen Orten entgegentritt: in Jerusalem bei der Wahl des Matthias, am psingsttage, bei der Heilung des Lahmen usw.; im übrigen Palästina, in Samarien, Lydda, Jaffa, Läsarea; außerhalb des heiligen Landes, zu Antiochien in Syrien, in Babylon, wo damals eine große jüdische Gemeinde bestaub, zuletzt in Rom. Der Apostel, der auf seinen weiten Reisen gelegentlich von seiner Frau begleitet wurde, predigte in Babylon das Evangelium auch schriftlich. Auf den heilbringenden Tod Jesu, das Hauptstück der christlichen Lehre, deutete er in seinem ersten Schreiben mehrfach hin: (, (8f.; 2,2\\ 3,(8; q, (; 5, (. Licht strahlt uns auch aus der Geschichte von Simons Tode entgegen. Er pries Gott im Sterben, wie Jesus geweiffagt hatte. Nachdem er früher in Jerusalem einigemal gefangen genommen, aber immer wieder freigekommen war, wurde er in Rom hingerichtet. Nach Origenes ließ er sich aus Liebe zu seinem Meister mit dem Haupt nach unten kreuzigen. Als seine Gattin vor ihm zur Richtstätte geführt wurde, rief er ihr zu: „Gedenke, wessen Iüngerin du bist!" Simon erwies sich so in Wirklichkeit als den Felsen, auf den der Herr seine Gemeinde baute. Indem er Thristum den Menschenkindern als den lebendigen Gottesstein verkündigte, bekräftigte er seine Worte durch mancherlei Wunder, sogar eine Totenerweckung. Auch sein Schatten war heilkräftig wie der Saum von Jesu Gewand: Apg. 5,(5. Es fehlt aber, wie wir schon hörten, auch ein andersartiger Schatten nicht im zweiten Teil seiner apostolischen Wirksamkeit. In ihrer unbestechlichen Wahrheitsliebe verheimlicht die heilige Schrift diesen Schatten keineswegs. Während eines Aufenthalts in Antiochien kam eine Verirrung Simons vor, und Paulus mußte dem Verirrten wieder zurechthelfen: Gal. 2, ((. In Rom aber floh Simon anfangs vor dem Märtyrertode, wie zuerst Ambrosius berichtet, und der Herr selbst mußte ihn zur Umkehr bewegen. Die Airche vor dem Sebastianstor, welche den Namen: „Domino, quo vadis?“ trägt, bewahrt die Erinnerung an diesen Vorgang. Zu den: Charakter des Sanguinikers, und ein solcher war ja Simon von Haus aus, paßt die Geschichte von seiner Flucht. Sie ist ebenso wie Gal. 2 eine Wärmung vor Menschendienst und Menschenvergötterung. Andererseits soll