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Dibre Emeth · 1906-01-01 · 1 (1906) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
62 (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 Woher die Süttöe? Der sündlos und frei geschaffene Mensch fiel durch eigene Schuld. Woher das Elend in der Welt? Die Sünde hat es ausgeboren. Wie heißt des Menschen Bestimmung? Gottähnlichkeit. Wie gelangt der sündige Mensch zu diesem Ziel? Gott half und hilft, weil er ein lebendiger Gott und die Liebe selber ist. Wie half und hilft er? Er sandte einen Mittler und den Geist der Wiedergeburt. Was ist der Wiedergeborenen Ausgang und Ende? Sie vertauschen das Pilgerkleid des sterblichen Leibes mit dem Gewände himmlischer Verklärung. Durchwandert die ganze Welt und klopft an die Pforten aller Weisheitsschulen: wo begegnet euch eine Lösung aller jener großen Rätsel, die so vollkommen Vernunft und Herz zufrieden stellen? Nirgends. Und dies Wort wäre Menschenwerk? Es könnte ein Erzeugnis jenes in der Welt kaum beachteten, an Wissenschaft und Ärmst von Griechen und Römern so weit überstrahlten und dazu von Natur so unweisen, so halsstarrigen und stets zur Abgötterei geneigten Volkes am Iordanstrande sein? Unmöglich. Nach welcher Seite hin ihr das Bibelwort betrachten mögt: überall trägt es grell in die Augen stechend den Stempel eines Gotteswortes an sich. Ein Werk des heiligen Geistes ist es. Und die das Wort geredet und geschrieben haben, bezeugen alle in voller, innerer Wahrheit mit dem Apostel: „Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. Welches wir auch reden nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der heil. Geist lehrt, und richten (beurteilen und erklären) Geistliches geistlich." (Fr. w. Arummacher, Christus lebt! 5. 2{o f.) 3u Mat. 5, 4. Wie der Psalter, so beginnt die Bergpredigt mit Seligpreisungen. Aber in jeder Seligpreisung wird uns zugleich eine Tugend empfohlen. Die himmlische Gesinnung eines Jüngers Jesu muß sich nach der Lehre des großen Meisters nach acht Seiten hin kundgeben. Wie die äußeren Tempelhallen hesekiel ^0, 3( auf acht Stufen erstiegen wurden, so führen 8 Tugenden in das Heiligtum des neuen Bundes. Mat. 5, haben wir es mit der zweiten von diesen Tugenden zu Lun. In einer der zahlreichen messianischen Weissagungen des Alten Testamentes, Ies. 6\, (—5, wird der Gesalbte Gottes als ein Prediger der Elenden, als ein Arzt der Verwundeten, als ein Tröster der Traurigen beschrieben. Allen denen, welche über Israels Sündennot, d. h. über die Gesetzesübertretungen dieses Volkes und über die mit denselben verdienten göttlichen Strafen, trauern, soll der Heiland Trost spenden. Durch ihn sollen die Traurigen in Zion, der Gottesstadt, Schmuck, Freudenöl und Ehrenkleider erlangen. Auf diesen Ausspruch Iesaias greift der Erlöser in unseren Verse zurück. In der großen Volksmasse, die ihn bei der Bergpredigt umgab, fanden sich gewiß viele, welche nur die Neugierde bewogen hatte, zu ihnr zu gehen. Diese oberflächlichen Menschen taugten nicht für das Reich Gottes. Jesus konnte in dasselbe nur solche aufnehmen, welche in die Tiefe gingen, welche ihr Leben und das Leben anderer in das Licht des göttlichen Wortes stellten und herben Schmerz empfanden, wenn sie an sich und andern den Schmutz der Sünde, aber auch das gerechte Gericht des beleidigten Gottes wahrnahmen. In späterer Zeit hat der Apostel Paulus 2. Aor. 7, \0 von der göttlichen Traurigkeit geredet, die eine niemand gereuende Reue wirkt und so zur Seligkeit verhilft. Dieser Traurigkeit gegenüber steht die Traurigkeit der Welt, die den Tod wirkt. Wer denkt nicht bei der letzteren an Judas Ischarioth, bei der ersteren an Petrus? Jener mußte in seiner Trostlosigkeit untergehen; dieser empfing Trost: die Araft zu einem neuen Leben. Man gehört also nur dann in Wahrheit dem Gottesreiche an, wenn man zu den Leidtragenden gehört, von welchen der obige Vers handelt. Die Sünde hast auch du, lieber Leser, vielfach kennen gelernt. Trauere über sie, und trauere über ihre bösen Folgen! Der Verlust einer Geldsumme ist leicht zu ertragen. Schwerer ist der Verlust eines teuern Menschen, noch schwerer derjenige der Ehre zu überwinden. Aber am allerschwersten sollte uns der Verlust der Gerechtigkeit, die Gott bei uns sucht, Niederdrücken. Laßt uns täglich über unsere Sünden leidtragenl Dann kann der Sohn Gottes auch uns seligpreisen und trösten. Wer dagegen das Böse leicht nimmt und mit ihm tändelt und spielt, der wird einmal ein Ende mit Schrecken nehmen. __ 3u Joh. 14, 19. Christus ist nicht ein verstorbener Lehrer wie Aonfutse, sondern ein lebendiger Heiland, von dem deshalb auch beständig Lebenskräfte ausgehen. Ein chinesischer Ehrist machte heidnischen Landsleuten den Unterschied klar, indem er jenen mit einen: Strohniann, diesen mit einem wirklichen Wächter verglich. Der Besitzer eines Feldes sucht die Sperlinge von den Sämereien dadurch fernzuhalten, daß er einen künstlich angefertigten, mit Hut und Stock versehenen Wächter aufstellt. Zuerst gelingt dies. Aber bald merken die Vögel, daß der Strohmann kein Leben besitzt. Sie kommen immer näher und picken den Sauren auf. Ja, sie setzen sich dem Strohmann schließlich auf Aopf und Schulter. Wenn man aber einen wirklichen Wächter hinstellt, werden die Sperlinge es nicht wagen, sich zu nähern. In Apg. 4, 20. Auf der Marschallinsel Ialuit wurde einmal ein eingeborener christlicher Prediger drei Monate

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